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Test: YI 4K Action Camera – die preiswerte Alternative zu GoPro

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Wer im Sommer wie auch im Winter gerne Sport macht und sich dabei filmt, sollte dies nicht mit (s)einem Smartphone machen. Zu groß ist die Gefahr, dass hier etwas kaputt geht. Besser geeignet sind Actionkameras. Doch muss es immer der Platzhirsch GoPro aus Kalifornien sein – und was sind die Alternativen? Die YI 4K Action Camera des chinesischen Herstellers YI Technology klingt vielversprechend. Die Kamera ist nicht nur für Extremsportarten gemacht, sondern auch für den Freizeitbereich. Uns überzeugt der eingebaute Bildsensor sowie der attraktive Preis. Was das System kann und wie unsere Erfahrungen aussehen, erfahrt Ihr im Test von TechStage.

Die YI 4K Action Camera repräsentiert die YI Cam in der zweiten Generation. Auch der Vorgänger hatte ein gutes Verhältnis zwischen Preis, angebotener Leistung und Qualität. YI Technology hat sich entwickelt und erneuert deshalb sein Produkt. Die aktuelle Kamera kann mehr und schaut auch anders aus. Im Vergleich zu ersten Modell sind nun die Tasten auf der vorderen und rechten Seite weggefallen. Das Design ist zudem runder geworden.

Die wohl größte Neuheit stellt der eingebaute Touchscreen auf der Rückseite dar. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 2,19 Zoll und ist für seine Verhältnisse erstaunlich hochauflösend: 640 × 360 Pixel. Viel zu meckern gibt es hier nicht, allerdings versagt die Kamera in einem essentiellen Punkt: die Helligkeit. Gerade bei Aufnahmen im Freien ist die Ablesbarkeit wichtig. Bei starken Sonnenstrahlen konnten wir den Inhalt jedoch fast nie ablesen. Die 250 Candela pro Quadratmeter sind ungenügend.

Der Bildschirm der Yi 4K Action Camera ist 2,19 Zoll groß und löst mit nHD (= 640 × 360 Pixeln auf)

Auf dem Bildschirm findet man die Menüführung und aktuelle Kamerakonfiguration sowie die Auswahl zwischen den Aufnahmenmodi. Möchte man foto- oder doch videographieren? Welche Auflösung soll's sein? Bei Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen lassen sich die Intervalle sowie die Bildwiederholfrequenzen einstellen. Das Bedienen klappt vernünftig und selbsterklärend. Neben den Einstellungen lassen sich auch die Ergebnisse direkt wiedergeben. So kann der Nutzer in diesem Moment vage entscheiden, ob das Material brauchbar ist oder nicht. Als Ergänzung gibt es noch eine App für Android und iPhone, hierfür verbindet sich die Kamera über Bluetooth und WLAN mit dem Smartphone.

Auf der Front der Kamera ist die Linse mit ihren sieben hintereinander positionierten Glaselementen. Das Öffnungsverhältnis beträgt f/2.8; Festbrennweite: 2,66 Millimeter. Das Bild wird von der Optik verzerrt, sodass weitwinklige Fotos und Videos mit 155 Grad möglich sind. Der dahinter stehende Bildsensor ist ein Sony IMX377 und 1/2,3 Zoll groß. Mit 1,55 Mikrometer hat der Sensor vergleichsweise große Pixel und kommt in einigen Smartphones zum Einsatz: Nexus 5X, Nexus 6P oder HTC 10. Oben gibt es einen Knopf. Neben dem Ein- und Ausschalten dient er in unterschiedlichen Kontextmenüs als Auslöser oder Initiator. Daneben gibt es zwei Mikrofone und einen Lautsprecher für die Wiedergabe von Videos. Die Kamera wird aufgeladen über den microUSB-Anschluss, welcher auf der rechten Seite platziert ist. Hierüber läuft auch die Datenübertragung, wenn man nicht die microSDXC-Karte aus dem Akkuschacht ziehen möchte. Übrigens, eine schnelle Speicherkarte für die Kamera ist Pflicht! Wir geben uns zufrieden mit dem älteren USB-Anschluss; es muss nicht unbedingt USB Type C sein. Schade ist nur, dass das die einzige Möglichkeit darstellt, den Akku aufzuladen. Ein externes Zubehör, worüber man seinen einen oder vielleicht mehrere Akkus laden könnte, gibt es derzeit nicht.

Die Linse der Yi 4K Action Camera besteht aus sieben Glaselementen.

Die Kamera hat einen herkömmlichen Gewindeanschluss. Das ist klasse, wenn man bereits viel Kamerazubehör wie Stative und Stabilizer besitzt. Der Akku ist austauschbar und bietet eine Kapazität von 1400 mAh. Laut YI Technology schafft er 120 Minuten bei der 4K-UHD-Videoaufnahme. Wir sind positiv überrascht und haben sogar noch mehr erreicht: 150 Minuten. Die Kamera ist nackt: Im Lieferumfang gibt es außer ein Ladekabel nichts dazu. Noch nicht einmal ein Ladegerät. Genau wie die älteren GoPros kann für die Kamera ein spezielles Unterwassergehäuse hinzugekauft werden. Zusätzliche Akkus und ND-Filter kosten keine 20 Euro.

Xiaomi Yi 4K Action Camera: Verarbeitung
Kunststoff hier. Kunstoff da. Kunststoff überall.

Am meisten an der Kamera hat mich die Verarbeitung gestört. Sie ist zwar leistungstechnisch ziemlich gut und kostet auch nicht viel, aber diese Qualität muss nicht sein. Ein paar Euros mehr und man hätte sie deutlich hochwertiger auftreten lassen können. Die Oberfläche sieht auf den ersten Blick aus wie gebürstetes Aluminium – dabei handelt es sich nur um Kunststoff. Die Masse ist mit 95 Gramm in Ordnung und die Kamera passt prima in eine Hand oder auch mal in die Hosentasche. Wie dem auch sei, die Haptik überzeugt einfach nicht.

In den vergangenen Tagen haben wir viel Spaß mit der Kamera gehabt, weil man schnell und einfach Momente festhalten kann. Meistens ist die Kamera im Bereitschaftszustand gewesen und konnte auf Knopfdruck loslegen. Idealerweise hat man vorher schon den Modus festgelegt: ob Foto oder Video. Bilder werden aufgenommen in 12 Megapixel, die Qualität ist großartig, und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Videos werden aufgenommen mit 4K UHD mit 30 Bildern pro Sekunde. Bei 1080p beziehungsweise 720p gibt es 100 respektive 240 fps. Auch hier ist die Qualität hervorragend. Das Bild ist aufgrund der Glaslinsen superscharf, manchmal hilft aber auch das System nach und schärft einiges hinterher.

Wegen seiner charakterlichen Produkteigenschaft verfügt die Kamera nicht über einen optischen Bildstabilisator (OIS). Stattdessen gibt es eine EIS – eine elektronische Bildstabilisierung, die sich nur unterhalb der 4K-Auflösungen aktivieren lässt. Das macht hier einiges anders, als wir von anderen Produkten gewohnt sind. Oft flackert das Bild an den Rändern und ist so am Ende kaum noch zu gebrauchen. Leichte Verwackler oder Schwenks werden zwar ausgeglichen, doch sportliches Hin- und Herspringen ist zu viel für die YI 4K Actioncamera.

Für 250 bis 350 Euro ist die Kamera zu haben. Und dafür bietet YI Technology einiges. Uns gefällt die klasse Bildqualität sowohl bei Fotos als auch Videos. Farben, Weißabgleich und Belichtungskorretur können beeinflusst werden, das gibt ein wenig Spielraum für ambitionierte Nutzer. Auch für Einsteiger ist die Kamera nicht schlecht und durchaus zu empfehlen. Ist sie besser als eine Hero5 Black von GoPro? Nein, das denke ich persönlich nicht. Dafür ist die Verarbeitung mangelhaft und es fehlen GPS sowie Sprachsteuerung. Außerdem ist das Ökosystem nicht dabei. Aber sie ist eine sehr gute Alternative zu der mittlerweile nicht erhältlichen Hero4 Black oder Hero4 Silver.

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