TechStage
Suche

Ein Angebot von

Test: Samsung Gear S2 classic 3G mit eSIM – keine runde Sache

6
von  //  Facebook Twitter Google+

Seit einer Woche haben wir nun die Gear S2 classic 3G von Samsung Electronics an unseren Handgelenken und fragen uns: „Braucht man unbedingt eine eigenständig arbeitende Smartwatch?“. Die Antwort auf diese Frage gibt es jetzt hier in diesem Test.

Die Gear S2 sowie die Gear S2 classic sind die ersten runden Smartwatches von Samsung. Sie wurden im Rahmen der IFA im September 2015 vorgestellt. Ganz so aktuell ist das Modell demnach also nicht. Neu ist jedoch die Besonderheit, dass die Uhr mit einer eSIM ausgestattet ist. Damit ist sie die Erste ihrer Art. Deshalb geht's in diesem Test auch nicht primär um die Kernfunktionen dieses Wearables, sondern um die eSIM-Fähigkeit.

Die eSIM ist vom Nutzer nicht erreichbar und an der Platine angelötet. Ab Werk ist die Hardware ohne ein Profil für die Verbindung zu einem Mobilfunknetz ausgestattet. Die einmalige Einrichtung wird jedoch mittels einem QR-Code über die Kamera eines Smartphones und der dazugehörigen Samsung-App erledigt. Einen Voucher mit einer eigenen Rufnummer gibt es derzeit bei Vodafone oder Telefónica Germany zu kaufen und beinhaltet alles was benötigt wird. Unsere Gear S2 classic 3G wurde über das Netz von Vodafone betrieben, die uns ebenfalls die Uhr zur Verfügung gestellt haben.

Ist die Smartwatch einmal fertig eingerichtet, stehen dem Anwender drei Modi zur Verfügung:

  1. Bluetooth – in diesem Szenario ist die Gear S2 classic 3G mit Eurem Smartphone über den PAN-Standard Bluetooth verbunden. Vorausetzung: Ihr verfügt über ein Handy und seid in unmittelbarer Nähe des Gerätes – 10 bis 100 Meter. Dann werden alle Benachrichtungen und Anrufe weitergeleitet, wie man's klassisch von anderen Wearables kennt.
  2. Remote – Ihr habt ein Smartphone und seid jedoch nicht in der Nähe. In diesem Fall schaltet die Samsung-Uhr auf die Remote-Verbindung und holt sich alle Informationen über das Mobilfunknetz. Wichtigste Bedingung: das Android-Smartphone ist eingeschaltet, die Applikation läuft im Hintergrund und es gibt eine Verbindung in das Internet. Anrufe werden über die Rufumleitungfunktion auf die Rufnummer der Smartwatch weitergeleitet.
  3. Standalone – in diesem Modus arbeitet die Gear S2 classic 3G komplett eigenständig und ist weder auf ein Smartphone angewiesen, noch auf Bluetooth oder WLAN. Möchte man telefonieren oder Kurzmitteilungen senden, so geschieht das über die eigene Rufnummer der eSIM.

Das klingt alles komplex und wirklich verstehen muss man es nicht, da die Uhr automatisch je nach Situation, Ort und Zeit zwischen den Modi wechselt und die kostengünstigste Verbindung auswählt. Ist man Zuhause und in der Nähe des eigenen Smartphones, läuft alles über Bluetooth. Hat man beispielsweise das Büro verlassen und das Telefon nicht mitgenommen, kommen alle Meldungen über Remote auf die Gear S2 classic 3G an. Und wenn es unabhängig sein soll, dann aktiviert wird die Smartwatch allein lauffähig gemacht. Als Besitzer lässt es sich entscheiden, ob und wann eine Verbindung zustande kommen soll oder nicht. Der Wechsel wird per Vibrationsalarm angekündigt und dauerhaft auf dem 1,2 Zoll großen Bildschirm angezeigt.

Während Bluetooth und Remote in unserem Test hervorragend funktioniert haben, konnten wir mit Standalone nicht wirklich viel machen: telefonieren, Nachrichten senden und empfangen und kleine Online-Apps starten, wie Wetter, Nachrichten oder Navigation. Allerdings kommt man schnell an die Grenzen: so lässt sich die Temperatur des eigenen Standortes abfragen, aber nicht einen neuen Ort hinzufügen. Hierfür verlangt die Gear S2 classic 3G eine Eingabe über die Smartphone-App. Grundsätzlich ist die Texteingabe über die virtuelle Tastatur mühselig. Hier hilft Samsungs eigene Spracherkennung S Voice. Bei kürzeren Sätzen ohne Geräusche im Hintergrund klappte das prima. Alles andere führte zu Fehlinterpretationen.

Die 3G-Variante der Samsung-Uhr, die wir vor Ort hatten, verfügt über einen A-GPS. So kann das Smartphone bei der nächsten Joggingrunde gerne Zuhause bleiben und springt nicht mehr wuchtig in der Trainingshose hin und her. Das Problem an dieser Funktion, zumindest für uns: die Aufzeichnung der Strecke klappt nur über die Samsung eigene Applikation S Health, wo auch andere Daten gespeichert werden – wie beispielsweise der Puls. Und wir nutzen Dienste wie Runkeeper, Runtastic oder UA Record von Under Armour. Diese Apps gibt es nicht für das proprietäre Betriebssystem Samsung Tizen OS.

Die Gear S2 classic 3G kann zwar eigenständig in das Internet, aber die technischen Möglichkeiten sind nicht groß. Es fehlen Apps und eine perfekt funktionierende Eingabemethode. In Kombination mit einem Smartphone bietet die Ergänzung dann schon mehr. Wem es lediglich ums Telefonieren und Lesen von Nachrichten geht, der wird glücklich mit der Smartwatch von Samsung. Dieser Luxus hat seinen Preis, denn die Uhr verbraucht Daten über das Mobilfunknetz. Und Daten kosten Geld. Bei dem Netzanbieter Vodafone gibt es Lösungen für Neu- als auch Bestandskunden. Die Laufzeitverträge gibt es mit und ohne Hardware-Subvention. Ein Beispiel: die Uhr kostet einmalig 129€, dazu kommen 15€ pro Monat für den Vertrag. Das ist viel Geld für etwas, das sich nicht wirklich von der Masse abhebt und im Grunde wenig kann – ohne ein Smartphone. Also doch keine runde Sache…

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige