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Test: Nokia Lumia 630 – schönes Design, starke Software

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Ende April hat Nokia das Lumia 630 vorgestellt, das kleine Windows-Smartphone ist nun seit ca. einem Monat verfügbar. Es ist das erste Smartphone mit Windows Phone 8.1, der neusten Version von Microsofts mobilem Betriebssystem. Das Nokia Lumia 630 ist ein Einsteiger-Gerät und der direkte Nachfolger des Lumia 620 und des Lumia 625. Nokia will vor allem mit den üblichen Lumia-Attributen überzeugen: schönes und zeitloses Design, ausgereifte Software und gute Hardware. Ob das Lumia 630 gelungen und sein Geld wert ist, lest Ihr in den folgenden Absätzen…

Die technischen Daten des Lumia 630 sind im Vergleich zur Konkurrenz in Ordnung. Das ClearBlack IPS-LCD ist 4,5 Zoll groß und löst mit FWVGA (854 × 480 Pixeln) auf, die daraus resultierende Pixeldichte beträgt 217 ppi. Im Smartphone arbeitet ein Quad-Core-Snapdragon-400-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 GHz. RAM und Speicher fallen mit 512 MByte beziehungsweise 8 GByte eher gering aus, der interne Speicher lässt sich über eine microSDHC-Karte um bis zu 128 GByte erweitern. Die Kamera schießt Fotos mit maximal 5 Megapixel, auf LED muss der Nutzer verzichten. Als Betriebssystem kommt, wie bereits erwähnt, Windows Phone 8.1 zum Einsatz. Bluetooth 4.0, WLAN 802.11 b/g/n sind im Gegensatz zu NFC auch dabei, der Akku ist 1830 mAh stark.

Verpackung des Lumia 630
Verpackungsinhalt des Nokia Lumia 630

Der Lieferumfang ist recht überschaubar: in der Box befinden sich, neben dem Smartphone, ein Akku und ein Netzteil. Ohrhörer liefert Nokia ebenso wie ein USB-Kabel nicht mit. Mal was Neues, denn für gewöhnlich verzichten Hersteller auf ein Netzteil und liefern stattdessen ein USB Kabel mit.

Das Smartphone hat ein typisches Lumia-Gehäuse aus Polycarbonat. Auch, wenn das Wort typisch bei diesem Gerät nicht ganz zutrifft, denn es ist eines der ersten Geräte mit dem neuen kantigen Design des finnischen Herstellers. Der Nutzer kann zwischen den Farben Grün, Orange, Gelb, Schwarz und Weiß wählen.

microUSB-Anschluss und die seitlichen Tasten
microUSB-Anschluss und die seitlichen Tasten

Die Front des Smartphones wirkt sehr ruhig. Über dem 4,5 Zoll Display befindet sich ein kleines Nokia-Logo und eine Hörmuschel. Bis auf ein winziges Mikrofon unterhalb des Displays, bleibt die Frontseite frei, denn das Smartphone wird über Softwaretasten gesteuert, dazu später mehr. Auf der rechten Seite befinden sich die Lautstärke-Wippe und die Standby-/An-Aus-Taste, die linke Seite ist frei von jeglichen Elementen. Der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss ist auf der oberen Seite platziert. Der microUSB-Anschluss auf der Unteren. Die 5-Megapixel-Kamera befindet sich auf der Rückseite des Smartphones, auch dort aufzufinden sind ein weiteres Nokia-Logo und eine kleine runde Öffnung für den Lautsprecher. Der Nutzer kann die Schale entfernen und erhält somit Zugriff auf den Akku und kann eine microSIM- (3FF-Standard) sowie eine microSDHC-Karte einlegen.

Das Smartphone ist schön, wirklich schön. Das liegt nicht zuletzt wegen des ruhigen und guten Designs. Die Kunststoff-Rückseite ist matt. Die kantige Bauform ist auch gelungen, sie liegt optimal in der Hand. Mit 134 Gramm ist es nicht das leichteste Smartphone, die Masse fällt aber nicht negativ auf. Nicht gut aufgefallen ist die Standby-/An-/Aus-Taste, die zu tief auf der rechten Seite liegt, für Rechtshänder ist sie nicht so leicht erreichbar. Die Verarbeitung des Smartphones ist einwandfrei, die Qualität gleicht der eines High-End-Smartphones, es gibt keine Spaltmaße und die wenigen Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt und sitzen fest. Auch das Entfernen der Rückseite gestaltet sich einfacher als es noch bei älteren Nokias der Fall war.

4,5 Zoll großes Display mit einer geringen Auflösung von FWVGA
4,5 Zoll großes Display mit einer geringen Auflösung von FWVGA

Für ein angenehmes Arbeitstempo sorgt ein 1,2 GHz starker Quad-Core-Snapdragon-400-Prozessor von Qualcomm. Der Arbeitsspeicher beträgt 512 MByte. Die Performance ist insgesamt sehr gut. Alltägliche Aktionen werden flott erledigt und im System gibt es weder Ruckler noch Leistungsverluste. Die ist vor allem Windows Phone zu verdanken. Bei aufwändigen und großen Spielen oder anderen rechenintensiven Anwendungen kommt das Gerät jedoch an seine Grenzen. Für ein Smartphone dieser Preisklasse ist die Leistung aber top! Vor allem im direkten Vergleich mit der Konkurrenz kommt es gut weg.

Kommen wir zu einem der Highlights des Lumia 630: dem Betriebssystem. Das Gerät ist nämlich das erste seiner Art, das Windows Phone 8.1 ausgeliefert wird. Das neue System bringt viele große und auch kleine Features mit sich. Im Folgenden haben wir Euch die wichtigsten Funktionen aufgelistet und beschrieben.

Action Center im Windows Phone OS 8.1

Action Center

Mit dem Action Center kriegt das Windows Phone endlich eine Funktion, die sich viele Nutzer bisher gewünscht haben: eine Benachrichtigungsleiste. Die Nachrichtenzentrale wird, wie bei Android OS und iOS, mit einer Wischgeste von oben nach unten aufgerufen. Für jede einzelne App kann der Nutzer in den Einstellungen auswählen, ob und wie Benachrichtigungen aktiviert werden sollen. Dabei kann man die Banner, die oberhalb des Displays angezeigt werden, deaktivieren. Über den eigentlichen Benachrichtigungen befinden sich sogenannte „Schnelle Aktionen“ – das sind Kurzeinstellungen. Es gibt vier Plätze für schnelle Aktionen, die der Nutzer frei belegen kann. Mit dem Öffnen der Benachrichtigungsleiste erhält man zusätzliche Informationen, wie das genaue Datum und den Akkustand in Prozent dargestellt. Das Action Center funktioniert so wie es soll und stellt einen sehr großen Mehrwert für das Betriebssystem und deren Nutzer dar. Für uns ist es das größte und vor allem sinnvollste Feature von Windows Phone OS 8.1

Tastatur im Windows Phone OS 8.1

Neue Tastatur

Die neue Word-Flow Tastatur auf Windows Phone verbessert das Schreiben enorm. Mit Shape Writing kann der Nutzer nun über Wischgesten tippen. Die Tastatur arbeitet schnell, die Software erkennt präzise welches Wort man im Augenblick schreiben möchte. Namen aus der Kontaktliste werden automatisch ins Wörterbuch importiert, sodass die Eingabe auch hier schneller erfolgt. Die Tastatur ist intelligent und erkennt welche Wörter der Nutzer am häufigsten gebraucht.

Mehr Individualisierung

Das eigene Smartphone individualisieren konnte man Windows Phone bislang recht gut, mit der neuen Version klappt das noch besser. Beispielsweise kann man nun endlich Hintergrundbilder auf der Startseite einstellen. Hintergrundbilder sind es dabei nicht im klassischen Sinne, denn nur die Kacheln nehmen das Bild an, der Hintergrund bleibt schwarz beziehungsweise weiß. Wer mehr Kacheln auf einen Blick haben will, kann jetzt eine dritte Spalte auf dem Startscreen verfügbar machen. Das macht bei Phablets mit großem Display und hoher Auflösung Sinn. Die Navigationsleiste lässt sich außerdem am Hintergrund oder an der Akzentfarbe anpassen, wenn man das Schwarz nicht mag.

Von links nach rechts: Display-Sperre, Cortana und die neuen Live Tiles
Von links nach rechts: Display-Sperre, Cortana und die neuen Live Tiles

Cortana

Mit Cortana will Microsoft mit Google und Apple gleichziehen und ebenfalls einen Sprachassistenten anbieten. Einen Haken gibt es hier allerdings: Cortana spricht noch kein Deutsch. Wer den Sprachassistenten nutzen möchte, muss die Systemsprache auf Englisch (US) setzen. Wenn man dies getan hat, kann man Cortana nutzen. Aktuell weist Microsoft darauf hin, dass es sich um eine Beta-Version handelt, und das merkt man. Die Spracherkennung funktioniert wunderbar. Das System ist aber, was die Möglichkeiten betrifft, noch eingeschränkt. Cortana soll überwiegend im Hintergrund arbeiten und Daten aus der Umgebung, E-Mails und mehr sammeln, um den Nutzer an wichtige Termine zu erinnern oder gezielte Informationen zur Verfügung stellen, wenn er einen bestimmten Standort erreicht. In der Praxis funktioniert das Ganze noch nicht optimal. Nach dem Wetter oder nach berühmten Personen fragen klappt aber. Microsoft hat sehr viel vor mit dem Sprachassistenten, wir können also gespannt sein, was die Zukunft so bringt.

Und mehr…

Es gibt noch sehr viele weitere Features, wie die universelle Suche, mit der man jetzt das gesamte Telefon durchsuchen kann. Die Lautstärke lässt sich nun separat für Wecker, Medien & Apps und den Klingelton regeln, und dank HERE Maps und HERE Drive+ kann man weltweit kostenlos navigieren. Zusätzlich zu den genannten Funktionen gibt es noch viele kleinere Neuerungen, die nicht alle genannt werden können, weil das wohl den Rahmen des Testberichts sprengen würde. Alles in allem macht Windows Phone 8.1 das System kompletter und fertiger. Microsoft ist definitiv auf dem richtigen Weg.

5-Megapixel-Kamera des Lumia 630
5-Megapixel-Kamera des Lumia 630

Die 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus auf der Rückseite wird von keiner LED unterstützt. Auch eine Frontkamera sucht man vergebens. Die Kameraqualität ist nichtsdestotrotz gut. Bei gutem Tageslicht entstehen scharfe Fotos mit realitätsnahen Farben. Bei weniger Licht werden die Fotos unscharf und fangen an, stark zu rauschen. Der Autofokus ist schnell und gut. Nokia bleibt sich hier also treu und verbaut keine allzu schlechte Kamera, die fehlende LED und Frontkamera bleiben aber ein Manko.

Die 4,5-Zoll-ClearBlack-IPS-Anzeige löst mit FWVGA (854 × 480 Pixel) auf und wird von Cornings kratzfestem Gorilla Glass 3 geschützt. Das Display ist kontrastreich und nicht blickwinkelstabil. Es ist ausreichend hell und auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesbar. Die Auflösung ist für das große Display zu gering – das merkt man nicht nur auf dem Datenblatt; Pixel sind auf der Anzeige klar zu erkennen, auch, wenn man nicht aus nächster Nähe auf das Display schaut. Vor allem kleinere Texte im Internet lassen sich anstrengend lesen.

IPS-LCD des Nokia Lumia 630
IPS-LCD des Nokia Lumia 630

Die Akustik während den Telefonaten ist Nokia-typisch gut. Bis auf ein paar übliche Störgeräusche ist uns nichts negativ aufgefallen. Es gibt zwar nur ein Mikrofon, dieses wurde jedoch so platziert, dass es die Stimme laut und mit so wenigen Hintergrundgeräuschen wie möglich aufnimmt. Der Lautsprecher eignet sich für ein kurzes Video oder ein Spiel, für mehr jedoch nicht. Bei hohen Lautstärken leidet die Qualität. Der Akku ist 1830 mAh stark und austauschbar. Bei moderater Nutzung hält dieser knapp einen Tag. Ein Laden über die Nacht ist hier Pflicht. Moderate Nutzung heißt in unserem Fall: viel Internet und viel Messaging, dazu ein bis zwei Telefonate. E-Mail, Twitter und Facebook laufen dabei so gut wie immer.

Nokia MD-12

Zusammen mit dem Lumia 630 führt Nokia auch den MD-12-Bluetooth-Lautsprecher ein. Dieser kleine Lautsprecher ist optional erhältlich, getestet haben wir auch ihn. Das MD-12 ist 38 mm hoch und 84 mm breit. Der 180 g schwere Bluetooth-Lautsprecher mit rundem Formfaktor hat NFC, Bluetooth 3.0 und einen 1020 mAh großen Akku. Der Lautsprecher funktioniert nicht nur mit Nokia-Geräten, sondern mit allen Smartphones/Tablets mit Bluetooth und/oder 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Unter dem Lautsprechergrill befinden sich zwei LEDs, die den Akkustand anzeigen. Der Sound ist trotz der kleinen Größe des MD-12 sehr gut.

Nokia MD-12

Es besitzt einen Schallwandler und nutzt die Oberfläche auf der es liegt als Resonanzkörper um den Bass wiederzugeben. Je nach Oberfläche ist der Bass unterschiedlich stark, aber auf jeden Fall immer präsent. Der Lautsprecher ist laut, wirklich laut. Auch im Freien macht das Musikhören damit Spaß. Das Teil ist klein genug, um es in der Jackentasche zu transportieren und der Akku hält mehr als 13 Stunden (Nokia verspricht 15 Stunden). Der Lautsprecher kommt bald auf den Markt und ist sicherlich eine sinnvolle Ergänzung zum Smartphone. Das MD-12 wird in den Farben Gelb, Weiß, Orange und Grün verfügbar sein. Der Preis liegt bei etwas weniger als 50 Euro.

Nokia Lumia 630 und MD-12 Bluetooth Lautsprecher

Mit dem Lumia 630 wirft Nokia ein günstiges und vor allem Software-starkes Smartphone auf den Markt. Es überzeugt vor allem dank den Features von Windows Phone 8.1, aber auch durch ein schönes Design, einer guten Kamera und der flotten Geschwindigkeit. Schade ist, dass der Nutzer auch viele Abstriche machen muss und das fängt schon bei dem Lieferumfang an, bei dem Nokia nicht mal mehr ein USB-Kabel beilegt. Die fehlende LED und Frontkamera sind ebenso negativ, wie das gering auflösende Display.

Auch bemängeln muss man die Akkulaufzeit, obwohl der Akku nicht so klein ausgefallen ist. Eine Alternative zum Lumia 630 stellt das Motorola Moto E dar, es hat ähnliche Stärken und Schwächen, ist aber etwas günstiger. Wer mit den Kritikpunkten leben kann, wird sicherlich zufrieden sein. Aktuell kann man das Nokia Lumia 630 ab 130€ erwerben.

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