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Test: Nokia 3310 – nostalgisch und cool, aber zu einfach für 2017

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Nokia ist zurück im Konsumentengeschäft. Zumindest der offizielle Lizenznehmer HMD Global, der die Marke der Etikette entsprechend nutzen darf. Neben einigen Smartphones mit Googles Android OS, wie das Nokia 6 (Testbericht) oder Nokia 5, bringt der Hersteller aus Finnland auch das legendäre Handy Nokia 3310 auf den Markt. In diesem Test erfahrt Ihr kurz und bündig, warum das Telefon zwar etwas Nostalgisches und Cooles an sich hat, aber für den Internet-lastigen Alltag – jedenfalls hier im Westen – kaum zu gebrauchen ist.


Im Lieferumfang der bunt gehaltenen Verpackung befindet sich neben dem 3310 auch ein Ladegerät mit microUSB-Anschluss. Optisch erinnert es ein wenig an die alten Zeiten. Warum das? Das dünne Netzgerät ist fest mit dem Aufladekabel verbunden und nicht modular aufgebaut, wie man’s heute von den Smartphones kennt. Eine Kleinigkeit, die sicherlich nicht wichtig ist. Aber wenn man täglich Netzgeräte mit einem Kabel zusammensteckt, fällt das einem irgendwie auf.

Die mitgelieferten Stereo-Kopfhörer sind zum Telefonieren und das Hören von Musik geeignet. Die Qualität des Headsets ist nicht sonderlich gut, auch wenn sie eine Hochglanzoptik besitzen. Tasten für die Steuerung sind am Mikrofonstück nicht vorhanden; man muss also zum Telefon greifen, wenn ein Anruf kommt.

Nokia 3310: Beleuchtete Tasten
Die Tasten des Nokia 3310 sind großflächig und beleuchtet.

Kennt Ihr diese lustigen Bilder, die ständig durch das Internet und damit auch Web hin und her geschickt werden? Man nennt sie Memes und sie sollen vorwiegend eine Botschaft vermitteln. Auch für das Nokia 3310 aus dem Jahr 2000 gibt es Memes. In den meisten Fällen wird überspitzt über die Robustheit oder legendäre Akkulaufzeit des Handys gesprochen. Zum Beispiel ist das Gerät mit einer Bildunterschrift wie diese abgedruckt: „Es ist so kräftig, wenn es in deiner Tasche vibriert, brichst du dir die Beine.“ oder „Akkulaufzeit am 13.05.2003: 100 Prozent. Drei Jahre später ist der Energiebalken erst bei 97,5 Prozent angekommen.“ Lustig. Okay nicht.

So stabil und robust, wie das Ur-3310 ist die Neuauflage nach fast 17 Jahren nicht. Das muss man nicht unbedingt in unsinnigen Extremtests erprobt haben, das haptische Gefühl sagt es einem. Es fühlt sich leichter und schlanker an, als das damalige dicke, klobige und schwere Nokia 3310. Trotzdem ist es widerstandsfähig. Während des Tests ist es uns des Öfteren hingefallen. Mal vom Tisch, mal aus der Jeanstasche. Und siehe da: weder hat es einen Kratzer, noch ist der Bildschirm gesprungen.

Nokia 3310: 3,5 mm Klinke
Auf der unteren Seite des Nokia 3310 ist die Klinkenbuchse mit 3,5 mm.

Wer bereits damals ein Nokia 3310 hatte, wird das Design im Remake wiederfinden. Gerade dieses Dunkelblaue mit silbergrauen Akzenten kommt einem bekannt vor. Im Vergleich zu damals ist das Schutzglas dreidimensional abgerundet und nicht flach oberhalb der T9-Tastatur eingelassen. Das Ansammeln von Schmutz in den Rändern der Vertiefung ist somit nicht möglich.

Doch darüber hinaus fühlt sich das Telefon gut und einigermaßen wertig an. In den Händen liegt es wie eine kleine und kompakte Fernbedienung eines Fernsehers. Mit seiner kleinen Größe ist es schnell in der für heutigen Smartphones angepassten Jeanstaschen versteckt.

Das Handy hat keinen Touchscreen; die Eingabe läuft über physische und großflächige Tasten. Sie haben einen exzellent weichen Druckpunkt und sind beleuchtet, wie man’s erwartet. Im Vergleich zu dem damaligen Modell ist bei diesem 3310 ein Vierwegesteuerkreuz dazu gekommen. In der Mitte ist die Selektionstaste, daneben zwei Optionstasten sowie Anrufen und Auflegen. Texteingabe läuft über die „Text on 9 keys“-Methode, kurz T9.

Nokia 3310: microUSB-Anschluss
Der microUSB-Anschluss ist unpassend auf der Kopfseite des 3310 angebracht worden.

Die technische Ausstattung des Nokia 3310 (2017) ist nicht der Rede wert: kein Multikernprozessor, kein Arbeitsspeicher im GByte-Bereich und auch kein großer Flash-EEPROM. Klar: Es ist auch kein Smartphone, noch nicht einmal Featured Phone mit 3G oder 4G, sondern ein ganz simples Handy im Dualband mit 900 und 1800 MHz. Stattdessen ist es mit der zweiten Generation der Mobilfunktechnologie ausgerüstet und verschickt Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 53,6 Kilobit pro Sekunde. Nur um ein Beispiel zu geben: das Herunterladen einer 2 MByte großen Bilddatei würde 4 Minuten und 59 Sekunden in Anspruch nehmen. Mit den heute verfügbaren Hochleitungsnetzen in Nordamerika, Europa und in einigen asiatischen Ländern ist das Ergebnis in Zeit im vierstelligen Nachkommabereich; ein Wimpernschlag.

Nokia 3310: Display
Das Display des Nokia 3310 ist 2,4 Zoll in der Diagonale groß.

Das Nokia 3310 speist eine microSIM-Karte nach dem 3FF-Standard. Der eigene Speicher des Telefons hat eine Größe von 16 MByte. Nicht sonderlich viel. Eine Speicherkarte kann eingesetzt werden: microSDHC bis maximal 32 GByte. Karten mit microSDXC-Spezifikationen konnten im Test nicht gelesen werden.

Das Farb-Display des Nokia 3310 hat eine Diagonale von 2,4 Zoll und löst im Vektor QVGA auf, 320 × 240 Pixeln. Die Helligkeit ist nicht besonders hoch. Als Erschwernis kommt hinzu, dass zwischen der Anzeige und dem Schutzglas ein Luftraum existiert, der ein klares und schrägwinkeliges Ablesen beeinträchtigt. Optische Laminierung nennt man diese Selbstverständlichkeit bei Smartphones.

Nokia 3310: Akku
Der Akku des 3310 hat 1200 mAh und kann von dem Nutzer problemlos ausgetauscht werden.

Das Highlight des Nokia 3310 ist der austauschbare Akku mit einer Nennladung von 1200 Milliamperestunden. Im Test haben wir eine dauerhafte Gesprächszeit über 19 Stunden erreicht. Im Netz von Telefónica Germany wurde das Telefonat schon vorzeitig nach 120 Minuten beendet. Wie dem auch sei, der Akku hält. Und hält. Und wird weiter halten. Offizielle Angabe von HMD Global ist ein Monat Betriebszeit. So lange haben wir es nicht da und können das entsprechend nicht prüfen. Die aktuelle Tendenz in der Praxis schenkt der Werbeaussage jedoch Glauben.

Auf der Rückseite des 60-Euro-Handys gibt es eine Kamera. Sie löst Bilder mit 2 Megapixeln auf und kann auch Videos aufzeichnen. Eine kleine LED ist ebenfalls an Bord. Der Sensor des Telefons ist klein, die davor gelegte Optik hat einen fixen Fokus. Das Gerät und dessen Software können also nicht zwischen einem Vorder- und Hintergrund unterscheiden. Die kleine Bildauflösung und geringe Qualität machen die Kamera des Nokia 3310 zu einer Schnappschusskamera. Geschweige denn, dass es keine Apps wie Instagram und Co. für die Plattform gibt, eigenen sich die Bilder nicht für soziale Netzwerke.

  • Blau
    Nokia 3310 (2017) blau
  • Gelb
    Nokia 3310 (2017) gelb
  • Grau
    Nokia 3310 (2017) grau
  • Rot
    Nokia 3310 (2017) rot
Nokia 3310: Kamera
Die Kamera des Nokia 3310 hat 2 Megapixel und besitzt einen Fixfokus.

Das auf dem Nokia 3310 zum Einsatz kommende Betriebssystem ist Nokia OS mit der Benutzeroberfläche Series 30+. Es ist ein Handy-Betriebssystem und bietet grundlegende Funktionen an. Ab Werk sind viele Apps installiert und in einer übersichtlichen und sinnvoll geordneten Form untergebracht. Im Hauptmenü gibt es einen Browser von Opera, zahlreiche Spiele, unter anderem auch Snake, eine App zum Abspielen von MP3-Dateien sowie ein UKW-Radio, das mit dem mitgelieferten Headset funktioniert.

Das System ist nicht schnell, es reagiert etwas träge auf die Eingaben. Aber was erwartet man? Mit dem hochmodernen Android OS von Google oder iOS von Apple kann und darf man es nicht gleichsetzen. Die Dinge, die es tun soll, die tut es schon ordentlich.

Ja, das Nokia 3310 hat etwas Cooles an sich. Vor allem für all jene, die damit aufgewachsen sind und heute ein großes Smartphone mit schnellen Breitbandzugang in der Tasche haben. Kann man damit telefonieren? Absolut, sogar sehr lange. Kann man damit im Internet surfen? Nein. Eigentlich schon, aber niemand wird es machen, wegen fehlendem WLAN und 4G. Außerdem ist das Display zu klein, auch für responsive Inhalte.

Warum soll man es dann kaufen? Wenn man ein Faible für nostalgische Dinge oder 60 Euro über hat, dann tut der Kauf sicherlich nicht weh. Benutzen wird man das kaum. Es sei denn, Euch sind die Kernfunktionen von Handys wichtig: Telefonieren, Kurznachrichten schreiben, Wecker, Rechner und Erreichbarkeit. Das Nokia 3310 ist auch ein hervorragendes Handy für Senioren: die Tasten sind groß, die Schrift ist leserlich und viel falsch kann man nicht machen.

Auch wenn zunächst wie ein Spaß klingt: Das Nokia 3310 ist ein ernst gemeintes Produkt von HMD Global, das hauptsächlich für Entwicklungsländer konzipiert wurde. Es sind Länder wie Brasilien, China, Indien oder Südafrika, in denen der Anteil von Nicht-Smartphones im Mobilfunkmarkt teilweise höher ist, obwohl eine Smartphone-Penetration stattfindet.

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