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Test: Lenovo Yoga Book – innovatives Tablet mit Style

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Wann habt Ihr das letzte Mal ein richtig stylisches und innovatives Tablet gesehen? Eins, das nicht im Wohnzimmer zum Surfen oder als Second-Screen dient. Sondern eins, das Ihr gerne mitnehmt, weil es leicht, funktional und etwas Neuartiges ist. Das Yoga Book von Lenovo ist ein solches Gerät. Ich hab's jetzt seit fünf Wochen bei mir im Test und ich bin begeistert. Warum das so ist, was ich gut und schlecht finde, das lest und seht Ihr in diesem Test von TechStage!

Zu der Internationalen Funkausstellung 2016 in Berlin hat der weltweit größte PC-Hersteller Lenovo das Yoga Book präsentiert. Traditionell werden zu dieser Zeit die Yoga Tabs in der Pro-Variante enthüllt, sie kommen meistens mit experimentellen Funktionen wie einem integrierten Beamer oder 2.1-Lautsprechersystem.

Dieses Mal geht das chinesische Technologieunternehmen einen anderen Weg und setzt Akzente, die man bereits aus der Notebook-Division kennt. Die Rede ist von dem Gliederscharnier, das sich um 360 Grad bewegen lässt – in wenigen Sekunden wird so aus dem Tablet ein Notebook, und umgekehrt. Dann gibt es noch das Halo Keyboard – eine Tastatur, die verschwindet, wenn sie nicht benötigt wird. Das Highlight ist die Eingabemöglichkeit wahlweise per Stylus oder Kugelschreiber. Ihr könnt es Euch aussuchen. In jedem Fall wird das Geschriebene digitalisiert.

Mit 9,6 mm ist das YOGA Book von Lenovo flacher und sogar leichter als so manche Bücher.

Im Lieferumfang befindet sich neben dem eigentlichen Tablet auch ein USB-Kabel zum Laden und Übertragen von Daten, falls das jemand noch nicht drahtlos macht. Aus welchen Gründen auch immer, hat man sich hier für den älteren Anschluss microUSB, statt USB-C entschieden. Big dislike, Lenovo. Bei den Smartphones der Moto-Reihe denkt man schon zeitgemäßer. Die weibliche Schnittstelle befindet sich direkt neben einem Typ-D-Anschluss (microHDMI) zum Spiegeln des Bildschirms auf einem Projektor oder Fernseher.

Das mitgelieferte Netzgerät lädt das Yoga Book phasenweise schnell auf: In weniger als drei Stunden ist der 8500-mAh-Akku voll. Im Test erreichte das Tablet eine durchgehende Video-Wiedergabezeit von 7:11 Stunden. Die Helligkeit war dabei maximal eingestellt, die Lautstärke bei 50 Prozent und die Netzwerkfunktion aktiviert. Laut Lenovo sollen sogar 15 Stunden möglich sein, dann aber unter minimalen Verbrauchsbedingungen, vermuten wir.

Der Lenovo Real Pen ist ab Werk mit einer Stylus-Spitze aus Kunststoff ausgestattet. In einer beliegenden Schachtel befinden sich drei Tintenminen, die aus dem Computerstift einen Kugelschreiber machen. Das Wechseln ist kinderleicht; eine kleine Anleitung ist vorhanden. Mit den Minen kann nach Aussagen von Lenovo eine Strecke von zwei bis drei Kilometer zurückgelegt werden. Sollten alle aufgebraucht sein, gibt es ein 3er-Paket für 14,99 US-Dollar.

Zum Digitalisieren der eigenen Notizen oder Zeichnungen wird Papier benötigt. Handelsübliches Schreibpapier reicht vollkommen aus. Trotzdem gibt es von Lenovo das Book Pad dazu – ein kleines Notizbuch, schick gemacht. Außerdem richtet es sich magnetisch auf dem Tablet aus. 20 Seiten sind dabei.

Der Lenovo Real Pen kann entweder als Stylus oder als Kugelschreiber genutzt werden. Die Minen lassen sich schnell auswechseln.

Der Bildschirm des Lenovo Yoga Book hat eine Diagonale von 10,1 Zoll und löst für seine Verhältnisse hoch auf: 1920 × 1200 Pixel. Die eingesetzte Technologie ist Flüssigkristall-IPS mit 16,7 Millionen Farben und einem Erfassungsvermögen von 70 Prozent. Die Helligkeit wird mit 400 Candela pro Quadratmeter angegeben. Als Vergleich: Apples aktuellstes High-End-Tablet, das iPad Pro 9.7, erreichte 458 cd/m2, siehe Messung.

Das Gehäuse des Yoga Book ist größtenteils aus einer Magnesiumlegierung gemacht. Die Masse beträgt 690 Gramm, wohingegen die Dicke lediglich 9,6 Millimeter misst. Auf Bildern und Videos wirkt es bereits schmal und handlich, das Gefühl wird bei einer persönlichen Begegnung noch einmal getoppt. Im Inneren arbeitet der Intel AtomTM x5-Z8550. Der Prozesor besitzt vier Kerne mit je 2,4 GHz. Dazu gibt es 4 GByte RAM und einen internen Speicher von 64 GByte, wovon dem Nutzer unterm Strich knapp 52 GByte übrig bleiben. Wem das zu wenig ist, der kann mittels einer microSDXC-Karte den Speicher um bis zu 2 TByte erweitern.

Die Halo Keyboard ist eine Tastatur im Create Pad des YOGA Book

Das Tablet gibt es entweder mit Googles Betriebssystem Android OS 6.0.1 Marshmallow oder Microsofts Windows 10. Ob Home oder Pro ist unklar. Vor Ort sagten mir Lenovo-Repräsentanten, dass es die Pro-Variante sei, aber in den technischen Daten steht „Home“. Wie dem auch sei, ein nachträgliches Installieren von Android auf Windows ist nicht möglich. Obwohl die Hardware nahezu identisch ist, wird für Windows ein spezieller Chip verlangt. Außerdem gibt es Unterschiede bei der Tastatur und dem Trackpad. Dem Nutzer stehen zwei Kameras mit zwei und acht Megapixel zur Verfügung. Sie sind für Videotelefonie und kleine Schnappschüsse in Ordnung. Uns hat der Sound des Tablets gefallen. Mag man sich gar nicht vorstellen, bei einem so dünnen Gehäuse.

Wie der Name bereits sagt, ist es ein Produkt der Yoga-Reihe. Diese Geräte sind Multimode-fähig. Heißt: Man kann sie in unterschiedlicher Bauform nutzen. Ob flach als Tablet, Laptop mit vorstehender Tastatur auf dem Schoß, mit Standfunktion, zum Beispiel um einen Film zu schauen oder als Magazin mit einer Hand.

Das Zeichnen und Notieren funktioniert mit dem Real Pen. Entweder digital auf dem so genannten Create Pad oder mit einer Tintenmine auf einem Papier. Das System erfasst 2048 Druckstufen und einen Schreibwinkel von 100 Grad. Weil der Stift mit elektromagnetischer Resonanz arbeitet, kann der Nutzer schon auf dem Bildschirm sehen, wo er die Spitze ansetzen muss. Das analoge Schreiben funktioniert in der Regel auf jedem Untergrund. Wir haben testweise einfach einen Collegeblock genommen. Wichtig ist nur, dass sich darunter das Create Pad befindet. Die Notizfunktion auf dem Tablet funktioniert sogar aus dem Bereitschaftszustand: Ist man unterwegs und will schnell etwas aufschreiben, sodass es später digital verwendet werden kann: kein Problem. Stift raus und los. Das Geschriebene befindet sich anschließend auf einer App im Tablet.

Auf Android werden die Apps als kleine Fenster gestartet und können optional vergrößert werden. Beim Schließen und Minimieren werden sie in der Taskleiste abgelegt, so wie man's von Windows und macOS kennt. Diese Umsetzung finden wir großartig, weil Android in diesem Kontext viel produktiver ist als sonst. Außerdem ist der Arbeitsfluss effizient. Die ab Werk installierten Apps für Notizen sind gut und umfangreich. Allerdings können sie keine PDFs bearbeiten, was für Studenten wichtig ist. Hier muss man etwas Geld in die Hand nehmen und sich die gut bewerteten Alternativen aus dem Google Play Store herunterladen. Dann können auch problemlos Notizen und Markierungen in den Dokumenten gemacht werden.

Bekannt aus der YOGA-Serie: das 360-Grad-Scharnier…

Wer aber gar nicht mit Stift arbeiten will, sondern eher ein 2-in-1-Geräte möchte, für den gibt es noch ein weiteres Highlight: die Halo Tastatur. Sie sitzt im Digitizer von Wacom, den Lenovo als „Create Pad“ bezeichnet. Sie leuchtet auf, wenn man sie braucht. Im Grunde ist es eine elektronische, statt mechanische Tastatur, die einzelnen Tasten reagieren auf Touch. Ein blindes Tippen ist aufgrund der fehlenden Oberflächensensibilität, sprich der Haptik, nicht möglich. Trotzdem kann man gut auf der Tastatur tippen. Die Tasten sind groß und die Autokorrektur prima – hinzu kommt eine gute Textvorhersage, die sich im Test nützlich erwies.

Das Yoga Book von Lenovo ist ein Tablet anderer Art. Es bringt viele Eingabemöglichkeiten mit sich: Touch, Tastatur und Stift in zwei verschiedenen Möglichkeiten. Uns gefallen die Optik sowie die Qualität des Produktes. Material und Verarbeitung sind exzellent. Mit seinem Gewicht und dem Formfaktor ist es komfortabel zu tragen und kann allseitig verwendet werden. Für Studenten und Schüler ist das Tablet eine gute Alternative zum Alleskönner iPad. Auch die Preise von 500 und 600 Euro finden wir fair – für 100 Euro Aufpreis gibt es LTE dazu. Uns persönlich reizt die Windows-Variante mehr als Android, da wir darin mehr Potential für Produktivität sehen.

Verbesserungsbedarf sehen wir bei der Klappe des 2-in-1-Systems: das Schließen ist einfach. Jedoch ist das Öffnen meistens schwierig, da es keine Vertiefung für die Finger gibt. Hier muss man sich mit dem Fingernagel durchboren bis irgendwann genug Widerstand entsteht. In der ersten Zeit hatten wir durchaus Koordinationsstörungen: Wann muss man mit Touch ran, wann mit Tastatur und wann mit dem Stylus? Das legte sich zwar nach zwei Wochen, aber anfangs war man überfordert. Wir mögen das Yoga Book von Lenovo und werden privat definitiv noch einen genaueren Blick auf die Windows-Variante werfen...


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