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Test: HTC U Play – Schmuckstück mit Nachholbedarf

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Die Auslieferung des vor dem GSMA Mobile World Congress 2017 vorgestellten Mittelklasse-Smartphones U Play von HTC beginnt, unser Testgerät haben wir vor einigen Tagen erhalten. Toll sieht es ja aus. Aber ob auch die Leistung mit der Optik mithalten kann, zeigt unser Test.

Unser U Play trägt auf der Rückseite perlmuttfarbenes Gorilla Glass. Der optische Effekt ist ein Hingucker, außerdem wirkt das Gerät sehr hochwertig, ja fast schon sexy. Für Käufer mit Faible für schöne Dinge kann das schon ein Kaufargument sein. Erhältlich ist das Gerät in schwarz, weiß, blau und rosa. Erfreulicherweise hält die Haptik, was die Optik verspricht. Das kühle, stabile Glas fühlt sich edel an, und dank der abgerundeten Kanten liegt das U Play gut in der Hand. Was HTC gut hinbekommen hat, ist das Verhältnis aus Größe und Gewicht . Das 5,2 Zoll große Gerät liegt super in der Hand und das Gewicht ist mit knapp 145 Gramm ideal. Es ist nicht unangenehm schwer und gleichzeitig nicht so leicht, dass man das Gefühl hat, nur Spielzeug in Händen zu halten. Es bleibt zu hoffen, dass die hübsche Rückseite auch ohne Schutzhülle nicht zu schnell verkratzt. Obwohl das Gorilla Glass vergleichsweise hart ist, können beispielsweise Sandkörner auch hier fiese Kratzer verursachen.

Je nach Lichteinfall, schimmert das Gehäuse in verschiedenen Farben.

Die Ausstattung des 5,2-Zoll-Gerätes ist zeitgemäß, das Arbeitstempo ist flott. Auffällig ist die hohe Auflösung von jeweils 16 Megapixeln bei der Haupt- und bei der Selfie-Kamera. Dass wir es mit einem topaktuellen Gerät zu tun haben, merken wir spätestens beim Blick auf die Anschlussmöglichkeiten: Statt microUSB-Buchse gibt es hier den aktuellen USB Type C. Das ist zwar zeitgemäß, warum HTC aber auch gleich auf den Kopfhörer-Anschluss verzichtet, ist uns nicht ganz klar. In Kombination mit dem neue Ladekabel bedeutet das schließlich das Aus für eventuell vorhandenes Zubehör. Immerhin legt der Hersteller ein USB-C-Kabel sowie ein passendes In-Ear-Headset mit ins Paket. Der 2500 mAh große Akku hält bei normaler Nutzung gut einen Tag lang durch. Der Lautstärke- und der Power-Button auf der rechten Seite benötigen vergleichsweise viel Druck, um zu reagieren. Versehentliches Drücken ist somit zumindest ausgeschlossen, der Druckpunkt ist gut.

Leider verzichtet HTC auf einen eigenen Kopfhöreranschluss und setzt nur noch auf USB-C.

Der Speicher ist mit 32 GByte ausreichend groß bemessen. Wer seine Lieblingsserie gleich staffelweise mit sich trägt und permanent in voller Auflösung filmt, kommt hier dennoch schnell an die Grenzen der Hardware. Immerhin hat das U Play einen microSDXC-Slot zu bieten, der Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu zwei TByte aufnimmt. Als besonderes Highlight des U Play nennt HTC die App Sense Companion, die dem Nutzer das Leben einfacher machen soll. Es handelt sich dabei um eine Assistenz-Software, die das Nutzungsverhalten lernt und beispielsweise selbstständig an Termine, Reservierungen oder andere Dinge erinnert. Leider war die App nicht von Anfang an auf unserem Testgerät installiert, sondern wurde erst nachgereicht. Zum Praxisnutzen können wir also noch nicht viel sagen. Die Idee ist gut, die Umsetzung werden wir in den nächsten Tagen noch testen. Als zweites besonderes Ausstattungsmerkmal nennt der HTC die Audio-Optimierung USonic. Diese vermisst per Kopfhörer und dem Mikrofon des Headsets das Innenohr und passt die Audioausgabe darauf hin an. In der Praxis war der optimierte Sound zumindest subjektiv klar besser.

Das 5,2-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln, also Full-HD. Die Pixeldichte entspricht demnach 424 ppi. In der Praxis steht das für ein angenehm scharfes Bild, ohne dass einzelne Pixel noch erkennbar wären.

Das U Play liegt super in der Hand und fühlt sich hochwertig an.

Die Farben sehen gut und kräftig aus und werden auch durch einen schrägen Blickwinkel nicht verfälscht. Die maximale Helligkeit ist auch bei direktem Sonnenschein ausreichend.

Beide Kameras des U Play knipsen Fotos mit 16 Megapixeln, Videos landen in Full-HD-Auflösung auf der Speicherkarte. Der Autofokus ist präzise und angenehm schnell. Die versprochene, hohe Qualität der Bilder erreichen wir leider nur bei gutem Licht. Trotz der Ankündigung brillanter Fotos selbst bei Kerzenschein zeigen gerade Aufnahmen bei dunkler Umgebung so Ihre Schwächen. Die Bilder werden krisselig und verlieren deutlich an Schärfe. Bei ausreichender Beleuchtung sind allerdings sowohl Foto- als auch Videoqualität wirklich gut.

Als eine nette Spielerei haben wir die Hyperlapse-Funktion empfunden. Diese ermöglicht das komfortable Aufnehmen von stabilisierten Zeitrafferaufnahmen als Videofile. Nach der eigentlichen Aufnahme stellt der Benutzer nur noch die gewünschte Abspielgeschwindigkeit ein, den Rest erledigt das U Play.

So sieht ein Hyperlapse-Video des U Play aus

Im Inneren werkelt der Mittelklasse-Prozessor Mediatek Helio P10 mit satten drei GByte Arbeitsspeicher. Der Antutu Benchmark ermittelt fast 50.000 Punkte. Zum Vergleich, das aktuelle Mittelklasse-Smartphone LG K10 schafft nur einen Wert von knapp 40.000 Punkten. Das letztjährige Sony Xperia XA hingegen schafft trotz eines deutlich niedrigeren Anschaffungspreises auch schon satte 46.740 Punkte. Es hat zwar eine einfachere Ausstattung, aber dafür die selbe Rechenleistung zum halben Preis.

Die Gaming-Performance wird vom Benchmark durchschnittlich ermittelt, die Angabe ist Mid-Level. Das ist ein bisschen ernüchternd für ein Smartphone mit dem Namen U Play. Ähnliche Ergebnisse haben wir auch mit älteren und günstigeren Geräte erreicht. Das leistungshungrige Spiel Asphalt 8 läuft aber zumindest ohne erkennbare Ruckler und lange Ladezeiten.

Und nun kommen wir zum größten Problem des U Play: Das Betriebssystem Android in der Version 6. Bei einem Mittelklasse-Gerät der gehobenen Preisklasse ist es einfach nicht verständlich, warum es mit veralteter Software ausgeliefert wird. Hier besteht absolut Nachholbedarf. Der Antutu-Benchmark weist extra darauf hin, dass die Leistung auch für große Anwendungen und Multitasking ausreicht gerade aber Multitasking mit mehreren Fenstern nebeneinander ist erst mit aktuellem Android verfügbar. Zwar ist das Update bereits angekündigt, einen genauen Termin konnte uns HTC bisher leider nicht nennen.

Abgesehen vom angestaubten Betriebssystem macht das Gerät einen vernünftigen Eindruck. HTC hat nur wenig Apps vorinstalliert und vermeidet so unnötigen Speicherverbrauch oder eine überladene Oberfläche. Die Optik des U Play ist dank diverser Themes, Schriftarten und Icons sehr individuell gestaltbar. Die Soundoptimierung USonic funktioniert zumindest subjektiv wirklich gut, setzt aber ein USB-C-Headset voraus. Den persönlichen Assistenten HTC Sense Companion konnten wir bisher leider noch nicht ausreichend in der Praxis testen, um ein Urteil zu fällen.

Die Optik des U Play dürfte für so Manchen ein Kaufargument sein.

Der Lieferumfang umfasst das Smartphone, ein USB-C-Daten- und Ladekabel, das passende 5V-Netzteil, ein USB-C-Headset mit verschiedenen großen Ohrstöpseln, ein Microfasertuch und eine transparente Kunststoff-Schutzhülle.

Das U Play ist in erster Linze ein echter echter Hingucker mit solider und zeitgemäßer Ausstattung und einem guten Sound. Ansonsten wird es leider nur der Rolle eines Mittelklasse-Smartphones gerecht. Der Preis von fast 400 Euro ist einfach noch zu hoch, wenn bedenkt, dass ein veraltetes Betriebssystem installiert ist und sich die Rechenleistung nicht signifikant von den der Einsteiger-Geräten mit Android 7 unterscheidet.

Für eine Gesamtbenotung mit 2 alias gut muss der Preis noch deutlich fallen und das Update auf Android 7 zur Verfügung stehen.

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