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Test: HTC One A9 – Metall-Smartphone mit Marshmallow

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In der vergangenen Woche hat der taiwanesische Technologiehersteller HTC sein neues Smartphone für das kommende Weihnachtsgeschäft vorgestellt. Es trägt den Namen One A9. Fans der Marke wissen an dieser Stelle: Eine One-A-Reihe gab es bisher nicht; sie ist neu. In der Zukunft wird sie parallel zu der maßgebenden One-M-Produktlinie geführt, dessen derzeitiges Gesicht das One M9 ist.

Das One A9 ist kein High-End-Smartphone, aber auch kein Mittelklasse-, sondern eher ein Oberklassen-Gerät. Zu den Highlights gehören die Kamera, das neue Betriebssystem Android Marshmallow und das Design. In diesem Test lest und seht Ihr alles Wissenswerte über das Neueste von HTC.

HTC One A9, iPhone 6s und Apple iPhone 6s Plus
HTC One A9, iPhone 6s und Apple iPhone 6s Plus

Lasst uns nicht drumherum quatschen, sondern Klartext reden: beim One A9 setzt man auf ein weltbekanntes Design. Jenes Aussehen kommt nicht von HTC, sondern von Apple. Die Kalifornier haben diese Machart als erstes prominent gemacht. Das ist nunmal so, um das einfach mal gehaltlos zu sagen. Das One A9 sieht den iPhones der vergangenen zwei Generationen äußerst ähnlich. Woran das festzustellen ist, fragt Ihr? Da wäre beispielsweise das Ganzkörper-Metallgehäuse, das nicht nur aus demselben Material besteht, sondern auch ähnlich geformt ist, wie das iPhone. Weiterhin hat das Telefon oben und unten die Kunststoffstreifen, worunter sich die Antennen für die Kommunikation befinden. Auch die vordere Seite zeigt Übereinstimmungen: schwarzer Rahmen mit abgerundetem Schutzglas.

Dass das One A9 dem iPhone ähnelt, ist offensichtlich. Das sagen nicht nur wir, sondern auch andere TechStage-Leser und -Zuschauer sowie bedeutende deutsche Technologie-Blogger:

„Das HTC One A9 duerfte wohl die schoenste Kopie eines Apple iPhone 6 darstellen, die jemals bewundert werden durfte“ – schrieb Sascha Pallenberg am 22. Oktober 2015 auf Mobilegeeks

„Ein solches Design ist zwar nicht mehr neu (Apple nutzt es, Samsung nutzt es auf der Rückseite des Note 5), was aber nichts an der Tatsache ändert, dass es einfach gut aussieht.“ – schrieb Carsten Knobloch am 20. Oktober 2015 auf Caschys Blog

„Mir reichen 5 Zoll, es ist sogar meine persönliche Grenze und das Design des iPhone gefällt mir auch, das trifft also natürlich auch auf das A9 zu.“ – schrieb Oliver Schwuchow, am 20. Oktober 2015 auf mobiFlip

„Sieht man mal von der Geschmacksmuster-Argumentation ab: Ein iPhone, auf dem Android läuft hat sich sicher mancher Fan bereits gewünscht – und in gewisser Weise bekommt man das mit dem HTC One A9.“ – schrieb Frank Ritter am 23. Oktober 2015 auf Giga Android

HTC One A9, iPhone 6s und Apple iPhone 6s Plus
HTC One A9, iPhone 6s und Apple iPhone 6s Plus

Also, ist es wirklich so tragisch, dass es da eine Ähnlichkeit gibt? Nein, ist es nicht, finden wir. Das One A9 ist ein schön anzusehendes Smartphone und hochwertig dazu. Mit einer Masse von 143 Gramm liegt es gut in den Händen und fühlt sich nicht billig an. Es hat schmale Ränder und ist mit 7,2 mm dünn. Darüber hinaus vermittelt es ein solides Gefühl. Es sollte also egal sein, wer von wem kopiert und/oder übernimmt.

Uns ist aufgefallen, dass die vordere Seite des One A9 außergewöhnlich glatt ist. Das macht sich zwar positiv an den Fingerkuppen bemerkbar, doch es bringt auch die Gefahr mit sich, dass das Telefon auf gewissen Oberflächen, wie zum Beispiel Polster, rutschen könnte. Ernsthaft, es ist so rutschtig, dass es sich manchmal unbemerkt und schleichend bewegt und plötzlich auf dem Boden liegt. Mir ist es schon viermal passiert. Aber auch die Rückseite ist nicht besonders haftend: ähnlich wie das iPhone rutscht es in den Händen.

Das Gehäuse ist übrigens IPX3 zertifiziert. Das heißt leichte Regentropfen oder Dampf im Badezimmer können dem One A9 im wahrsten Sinne des Wortes nicht das Wasser reichen.

Fingerabdrucksensor im One A9
Fingerabdrucksensor im One A9

Die Bedienung beim One A9 ist einfach: die Taste auf der rechten Seite ist an einer entgegenkommenden Position angebracht. Sie ist auffällig geriffelt, sodass man sie blind von der Lautstärkenwippe unterscheiden kann. Alternativ kann man aber auch zweimal auf die Anzeige tippen und so sieht man den Inhalt des Bildschirms.

Neu ist der Fingerabdrucksensor auf der vorderen Seite. Selbst im gesperrten Zustand akzeptiert das System die Eingabe und öffnet das Telefon zügig, ähnlich wie man's von einigen bestehenden Smartphones kennt. HTCs Fingerabdrucksensor funktioniert zuverlässig und prompt, Fehler gibt es selten. Die Fläche fungiert zudem auch als Homebutton für die Startseite. Egal wo man sich in der Benutzeroberfläche befindet: Eine Berührung und man landet auf den Homescreen.

HTC One A9 vs. One M9
HTC One A9 vs. One M9

Das One A9 von HTC kommt in vier verschiedenen Farben auf den Markt: Carbon Gray, Opal Silver, Topaz Gold und Deep Garnet. Wobei nicht alle Farben zum Marktstart verfügbar sein werden. Die unverbindliche Preisempfehlung wurde mit 579 Euro angegeben. In den USA soll das gleiche Telefon mit der gleichen Ausstattung für eine bestimmte Zeit für 399 USD angeboten werden, statt $499. Darüber hinaus werden die dortigen Mobilfunkanbieter eine zweite Konfiguration mit mehr Speicher im Angebot haben.

Wir haben bei der HTC Konzernkommunikation nachgefragt, warum es diese Preispolitik und diese Unterschiedlichkeiten zwischen Deutschland und den USA gibt. Als Antwort erhielten wir das nachfolgende Statement:

„Die Kosten des HTC One A9 sind für unsere Partner, Distributoren und Mobilfunkanbieter weltweit dieselben. Für die Endverbraucher sind die einzelnen Landesniederlassungen zuständig, ihnen wird die Freiheit über Preis und Marketingmaßnahmen gegeben, um sich an die Bedürfnisse des Marktes anzupassen. Im Rahmen einer kurzen Vorverkaufsaktion wird das One A9 in den USA besonders attraktiv angeboten. Ab dem 7. November 2015 beginnt die übliche Regelverfügbarkeit zu einem Marktpreis von 499 US-Dollar“

Unser Modell in Europa hat zwei GByte RAM sowie 16 GByte Speicher, wovon sich etwa 9,81 GByte frei nutzen lassen. Wer mehr möchte, der kann eine Speicherkarte einsetzen. Das One A9 akzeptiert microSDXC um bis zu zwei TByte, wobei aktuelle Karten bis 200 GByte gehen. Der Hersteller selbst empfielt Speicherkarten mit einer Lese- und Schreibgeschwindigkeit von mindestens 20 MByte pro Sekunde.

One A9: microUSB-Anschluss, Lautsprecher und Mikrofon
One A9: microUSB-Anschluss, Lautsprecher und Mikrofon

Im HTC One A9 sitzt ein 2150 mAh großer Akku. Das ist mehr als im iPhone 6s von Apple, aber deutlich weniger, als das durchschnittliche Android-Smartphone mit rund 2700 mAh. Dieser Wert sagt glücklicherweise nichts über die eigentliche Laufzeit aus. Sie resultiert sich aus der Zusammenarbeit der Software und dem Prozessor. In Falle des One A9 beträgt die Nutzung rund einen Tag. Dabei haben wir die Helligkeit des Displays auf 50 Prozent eingestellt, im WLAN das Internet für Bilder, Videos und Musikstreaming genutzt, sowie über das 4G-Netz von Vodafone telefoniert. Außerdem gibt es in OS 6.0 Marshmallow auch einen intelligenten Stromsparmodus namens Doze. Dieser erkennt, wann das Smartphone nicht genutzt wird und unberührt auf einer Fläche liegt. Dabei aktiviert er einen kurzfristigen Tiefschlaf und drosselt somit den Energieverbrauch mancher Apps runter.

Das Aufladen klappt über ein microUSB-Kabel. Das Smartphone unterstützt zwar die Schnellladetechnik QuickCharge 2.0, aber hierfür braucht Ihr ein optional erhältliches Netzgerät. Mit dem Mitgelieferten ist der Akku in 117 Minuten voll. Der 2 Ampere stromstarke TC P1000 Rapid Charger, den es optional für rund 20€ gibt, schafft die 100-Prozent-Marke in 68 Minuten. Später soll das One A9 einen Upgrade auf Qualcomm QuickCharge 3.0 erhalten. Ein neues Netzgerät werdet Ihr dann nicht brauchen, wenn Ihr bereits ein QC2.0-Gerät habt. Für diejenigen, die den Unterschied nicht kennen: Die dritte Generation ist primär nicht schneller; sie ist Akku-schonender, indem sie eine dynamische Stromspannung mit 200mV-Schritten zwischen 3,2 und 20 Volt ermöglicht. Die maximale Leistung bleibt weiterhin bei 18 Watt. Mehr dazu hier…

Display des One A9
Display des One A9

Das Display des One A9 hat eine Diagonale von 5 Zoll, das sind rund 12,7 Zentimeter. Im Vergleich zum One M9 kommt hier keine Flüssigkristalltechnologie zum Einsatz, sondern eine AMOLED-Anzeige mit einer Auflösung von Full-High-Definition. Der Bildschirm hat eine mehr als ausreichende Schärfe und eine ordentliche Helligkeit. Die Leuchtdichte beträgt 500 Candela pro Quadratmeter, das entspricht dem Niveau des iPhone 6 von Apple.

Die ab Werk eingestellten Farben sind ein wenig übersättigt und können in den Einstellungen der Anzeige etwas blasser und somit realitätstreuer konfiguriert werden. Hierfür muss die Einstellung „sRGB“ ausgewählt werden. Der Schwarzwert bei einem organischen Display ist wie immer einzigartig.

Bei dem One A9 verzichtet HTC auf Stereolautsprecher, wie man sie sonst so von dem stärkeren Bruder One M9 kennt. Stattdessen setzt man den Fokus auf hochauflösende Audiowiedergabe. Das Smartphone unterstützt High-Res-Audio mit einer Samplingtiefe von 24 bit und einer Soundauflösung von 192 KHz. Hierfür gibt es einen speziellen und klangtreuen Digital-Analog-Wandler und eine höhere Stromspannung für die anzuschließenden Kopfhörer.

Aber genau hier wird der Hund begraben: Um dieses Feature nutzen zu können, braucht Ihr nicht nur hochauflösende Musik, zum Beispiel von Tidal oder Deezer Elite, sondern auch die entsprechenden Köpfhörer. HTC selbst bietet welche an, die Pro Studio Earphones für knapp 80 US-Dollar. Wenn Ihr bereits welche habt, auch von anderen Herstellern übrigens, dann seid Ihr anderen einen Schritt voraus.

Im Vergleich zum One M9 verwendet HTC bei seinem One A9 eine Kamera mit 13 Megapixeln, statt 20. Verständlich: der alte Toshiba-Bildsensor war eine Katatstrophe und hat dem Hersteller nur eine schlechte Presse eingebracht. Offensichtlich hat man aus der Erfahrung gelernt. Wie dem auch sei, das System beinhaltet einen optischen Bildstabilisator mit einer Reaktionszeit von 0,125 Millisekunden und einem Korrekturwinkel von 1,4 Grad. Wobei die Mechanik verschoben wird, statt sich zu verneigen. So werden Verwacklungen ausgeglichen und eine gute Schärfe bei schwierigen Lichtsituationen herausgeholt.

One A9: 13 Megapixel Kamera mit OIS
Aus dem Gehäuse herausragende Kamera mit 13 Megapixeln mit einem OIS. Die Kantenlänge der einzelnen Pixel beträgt 1,1 Mikrometer

Zusammen mit dem OIS und eingebauten Kreiselinstrument kann die Kamera Hardware-gestützte Hyperlapse-Videos mit zwölf Wiedergabegeschwindigkeiten aufnehmen. Der Modus hierfür befindet sich in den Einstellungen der Kamera-App. Am Ende kommt dann ein stabilisiertes Video heraus, wie man's beispielsweise von Instagram Hyperlapse auf dem iPhone kennt. Die maximale Aufnahmezeit beträgt 45 Minuten – je nach Tempo verkürzt sich das Material auf wenige Sekunden oder Minuten.

Die lichtstarke f/2-Linse vor der Kamera wird von einem kratzfesten Saphirkristall geschützt, das sorgt nachhaltig dafür, dass Bilder und Videos auch nach einem längeren Zeitraum scharf aufgezeichnet werden können. Neben RAW-Fotografie bietet das One A9 nun auch eine App für RAW-Bildbearbeitung an. Ob das wirklich jemand auf einem Smartphone machen wird?

Videos werden aufgezeichnet im Format Full-HD. Ultra-High-Definition unterstützt der Prozessor nicht. Wenn Euch das hochauflösende Videoformat von morgen wichtig ist und Ihr es in der Hosentasche haben wollt, dann sei an dieser Stelle gesagt, dass das HTC One A9 nichts für Euch ist.

Die Kamera kann über die Lautstärkentasten schnell gestartet werden, während man das Telefon hochhebt. Schaut man sich andere Systeme an, wie die von Samsung, LG oder Huawei Device, dann ist es nicht wirklich schnell. Nur komfortabel. Nichtsdestotrotz kann auch mit dieser Taste das Bild ausgelöst oder gezoomt werden. Ideal für Leute, die etwas Mechanisches brauchen. Die UltraPixel-Kamera auf der vorderen Seite ist insgesamt gut und löst mit vier Megapixeln auf. Die Bildqualität ist überzeugend für eine sekundäre Kamera.

Die Qualität der Hauptkamera ist bei Tageslicht hervorragend. Die Bilder haben viel Feinheit, realistische Farben und sind hell. Selbst bei Dämmerung oder Dunkelheit sind die Motive scharf und gut zu erkennen. Wenn gar kein Licht vorhanden ist, sollte man auf die zweifarbige Dual-LED zurückgreifen.

Kamerabilder

Das One A9 von HTC ist ein gut verarbeitetes Smartphone mit einer einwandfreien Kamera. Auch andere Komponenten machen einen guten Job – zum Beispiel Display, Empfang und Klang sowie Akkulaufzeit. Einzig der Prozessor ist manchmal ein wenig langsamer, als gewünscht. Es ist eben kein High-End-Chip. Diejenigen von Euch, die Höheres und Besseres gewohnt sind, wird es in manchen Situation auffallen.

Das One A9 kann keine UHD-Videoaufnahme machen, das kann für manche wenige ein K.o.-Kriterium sein. Das stark beworbene High-Res-Audio ist ab Werk nicht nutzbar, sofern man die geeigneten Kopfhörer nicht besitzt. Diese sind speziell und meist optional erhältlich. Positiv dagegen ist der Fingerabdrucksensor auf der vorderen Seite. Er ist schnell und zuverlässig. Auch ein Bonus: Android 6.0 Marshmallow aus der Verpackung.

Direkt gefragt: Ist das Telefon empfehlenswert? Es spricht vieles für das One A9 und wenig gegen. Ein Problem: der hohe Preis. Für das gleiche Geld oder weniger bekommt man aktuell mehr geboten.

Ende März dieses Jahres haben wir das Flaggschiff-Telefon von HTC getestet, das One M9. Alles ausführliche dazu gibt es hinter diesem Hyperlink.

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