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Test: Google Nexus 6P – der erste Versuch von Huawei

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Ende September hat Google ein Hardware-Event in London und San Francisco abgehalten und gleich zwei neue Smartphones vorgestellt: das Nexus 5X sowie das Nexus 6P. Das größere Modell kommt dieses Mal von Huawei und ist in diesem Jahr das Flaggschiff. Es ist der Nachfolger des fast gleichnamigen Nexus 6, das im letzten Jahr von der ehemaligen Google-Tochter Motorola hergestellt wurde. Der hinzugekommene Zusatz „P“ steht für Premium – und das strahlt das Telefon durch und durch aus. In diesem Test lest und seht Ihr alles Wissenwerte zum neuen Android-Vorzeigegesicht, dem Nexus 6P.

Google Nexus 6P und Nexus 5X
Google Nexus 6P und Nexus 5X

Im Vergleich zur vorherigen Generation hat das Nexus 6P ein Unibody-Gehäuse aus Aluminium. Es fühlt sich überaus edel an. Das ausgewählte Material wirkt stets solide und robust. Die Verarbeitung ist erstklassig: Alles sitzt stabil. So stabil, dass die Onlineseite iFixit die Reparierbarkeit mit 2 von insgesamt 10 Punkten bewertet hat, weil alles miteinander verklebt und eng zusammengebaut wurde. Das ist einerseits positiv, aber andererseits dann wiederum auch nicht.

Google Nexus 6P Design
Aus Metall gemacht: das Nexus 6P von Google

Sprechen wir über das Design: Beim Chassis setzt Huawei auf eloxiertes Aluminium aus der Luft- und Raumfahrt. Es ist an den Rändern geschwungen, um besser in der Hand zu liegen. Die Kanten des Telefons wurden mit einem Diamant abgeschrägt und glänzen bei einem bestimmten Lichtfall. Das Nexus 6P hat ein Gewicht von 178 Gramm und ist 7,3 Millimeter dünn. Dafür, dass es ein verhältnismäßig großes Telefon ist, passt es noch halbwegs gut in die Hand. Allerdings rutscht es etwas; das ist der Nachteil eines Smartphones, dessen Rückseite aus Metall besteht. Das Nexus 6P kommt in den Farben Aluminium, Graphit sowie Kristallweiß auf den Markt. Alle drei Ausführungen sollen auch in Deutschland angeboten werden. Während des Tests ist mir aufgefallen, dass sich Fingerabdrücke auf der Rückseite besonders sichtbar machen. Bei den helleren Ausführungen dürfte dies nicht der Fall sein.

Preise des Nexus 6P
Preise des Nexus 6P

Das Nexus 6P wird von Google in drei unterschiedlichen Speichergrößen angeboten: 32, 64, und 128 GByte. Wir haben hier das kleinste von allen Modellen; nach Abzug des Betriebssystems sowie den grundlegenden Apps standen uns 25,01 GByte frei zur Verfügung. Eine Speicherkarte lässt sich nicht einsetzen. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf gut überlegen, wie viel Platz man braucht.

Das Nexus 6P lässt sich auf mehrere Arten einschalten. Die einfachste Methode ist das Betätigen der Ein/Aus-Taste auf der rechten Seite. Sie ist für Rechts- sowie Linkshänder optimal positioniert und mit Daumen und Zeigefinger bequem zu erreichen. Auch kann man sie blind von der Lautstärkenwippe unterscheiden, weil ihre Oberfläche fein geriffelt ist.

Nexus 6P: Einschaltetaste
Geriffelte Ein- und Ausschaltetaste des Google Nexus 6P

Eine weitere Möglichkeit, wie man das Telefon aufwecken und gleichzeitig sicher entsperren kann, ist der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Früher eine Seltenheit, mittlerweile ein essentieller Standard im High-End-Bereich. Der Nexus Imprint – so nennt Google sein System – reagiert wie bei den meisten Telefonen auch im Standby-Zustand. Er ist präzise, schnell und funktioniert tadellos. Es können mehrere Abdrücke im zertifizierten Speicher des Betriebssystems abgelegt werden. Aber weil sich der Sensor auf dem Rücken befindet, kommen meistens nur die Zeigefinger zum Einsatz.

Die dritte und letzte Option, wie man das Telefon öffnen kann, ist das Ambient Display. Neue Sensoren registrieren, wenn das Nexus 6P in die Hand genommen wird und schalten dann eine stromsparende Graustufenanzeige ein. Vorrangig soll sie dazu dienen, dem Nutzer Benachrichtigungen anzuzeigen – damit es aber nahtlos weitergehen kann, lässt sich von hier aus auch der Sperrbildschirm bedienen.

USB Typ C im Google Nexus 6P
Das Nexus 6P von Google verfügt über den neuen Anschluss USB Typ C

Für das Nexus 6P haben sich Google und Huawei für einen großen Akku mit 3450 mAh Kapazität entschieden. Bei einer ausgewogenen Nutzung erreicht man in der Regel eine Laufzeit von etwas mehr als einem Tag. Neu ist die vom Betriebssystem angebotene Funktion Doze. Sie leitet einen Halbschlaf für Apps und Dienste ein, wenn das Telefon nicht aktiv benutzt wird, sondern auf einem Tisch oder sonstigem Untergrund liegt.

Das Nexus 6P wird über einen neuen Anschluss aufgeladen: USB Typ C. Der Vorteil ist die beidseitige Verwendung. Im Lieferumfang gibt es sowohl ein USB-C-zu-USB-C-Kabel als auch ein USB-C-zu-USB-A für Euer Notebook oder sonstige Geräte. Google hat dem Nexus 6P eine Schnellladetechnik verpasst, die es wirklich in sich hat: Bei einer Haushaltsspannung von 230 Volt lädt das 3 Ampere starke Netzgerät, das übrigens mitgeliefert wird, das Smartphone innerhalb von 1:36 Stunden voll auf. Das ist großartig.

Auf dem Nexus 6P arbeitet Googles neueste Betriebssystem: Android OS 6.0 Marshmallow. Die Oberfläche ist die hauseigene Vanilla UI. Sie ist komplett frei von Drittanbieter-Apps und folgt dem Ansatz: „Weniger ist mehr“. Zu den optischen Neuheiten zählt das neue Hauptmenü, das die vier am häufigsten verwendeten Apps ganz oben aufzählt. Darüber hinaus funktioniert das Scrollen jetzt nach dem Buchstaben der Apps. Neu ist auch die dedizierte Nachfrage der Apps nach der Zugriffsberechtigung: Bis vor kurzem wollte eine App bei der Installation alle benötigen Rechte haben vorab haben, um arbeiten zu können. Jetzt wird speziell für jeden Zugriff einmalig nachgefragt. Das ist nicht nur sicherer, sondern auch transparenter für den Nutzer.

Software des Nexus 6P

Im Nexus 6P arbeitet ein Octa-Core-Prozessor vom Typ Qualcomm Snapdragon 810 V2.1, dazu gibt es 3 GByte RAM. Ins Internet verbindet sich das Telefon über WLAN 802.11 ac mit MIMO-Technologie sowie per LTE mit bis zu 300 Mbit pro Sekunde im Downstream. Neben NFC gibt es noch Bluetooth 4.2.

Die Performance auf dem Nexus 6P ist großartig. Einige Nutzer berichten von einer übermäßigen Hitzeentwicklung bei Spielen und anderen grafiklastigen Apps. Wir konnten das Problem in unserem Test nicht reproduzieren und waren mit der Leistung zufrieden.

5,7 Zoll großes AMOLED-Display im Nexus 6P

Anders als das Nexus 6 kommt das Nexus 6P nicht mit einem 6-Zoll-Panel, sondern mit einem 5,7 Zoll großen Display daher. Das sind zwar stolze 14,5 Zentimeter in der Diagonale, aber weil die Ränder des Telefons schmal gehalten wurden, ist das Nexus 6P nur so groß wie das iPhone 6s Plus von Apple, das ein 5,5-Zoll-Display besitzt.

Das Panel ist ein AMOLED, so wie man es von Samsung kennt. Die Farben der Anzeige sind ab Werk übersättigt und können in den Entwicklereinstellung etwas nach unten geschraubt werden, sollte Euch das stören – uns gefallen sie allerdings. Die Auflösung beim Nexus 6P beträgt QHD – das sind 2560 × 1440 Pixel. Es ist ein gutes Display mit exzellenten Blickwinkeln. Auch die Helligkeit zeigte sich in vielen Fällen ausreichend.

Camera bump beim Nexus 6P
„Camera bump“ beim Nexus 6P

Der nächste Punkt ist die Kamera: Endlich können die neuen Nexus-Smartphones richtig gut fotografieren und müssen sich dieses Mal nicht vor der Konkurrenz verstecken. Im Nexus 6P wurde eine 12,3-Megapixel-Kamera mit großen Bildpunkten eingebaut: Der Pixel Pitch beträgt 1,55 Mikrometer. Die Kamera liefert schöne, helle und authentische Bilder. Darüber hinaus hat das System einen Dual-LED-Blitz sowie einen optischen Distanzmesser, der den Autofokus beschleunigt.

Das Aufzeichnen von Videos funktioniert im hochauflösenden Format Ultra-High-Definition. Auf einen OIS verzichtet der Hersteller in dieser Generation allerdings – dies gilt im Übrigen nicht nur für das große, sondern auch für das kleine Modell. Stattdessen hat das Nexus 6P eine virtuelle Videostabilisierung, die ihrer Aufgabe bei schnellen Bewegungen jedoch nicht wirklich gut nachgeht. Eine mechanische Lösung wäre an dieser Stelle besser gewesen. Dank des eingebauten Prozessors kann das Google-Smartphone Zeitlupenvideos mit 240 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Das resultierende Material ist beeindruckend und sorgt immer wieder für erstaunte Gesichter.

Testbilder

Die neue Kamera-App ist simple gehalten und bietet nicht viele Funktionen. Dadurch ist sie jedoch übersichtlich und schnell. Google integriert im Nexus 6P sowie im Nexus 5X einen intelligenten Hochkontrastmodus namens HDR+. Das Plus am Ende steht für einen Modus, der das Rauschen bei schlechten Lichtverhältnissen reduziert. Ich habe diese Funktion ständig in der Automatik eingeschaltet gelassen, weil die Dynamik in fast allen Fällen korrekt oder weitgehend korrekt interpretiert wurde. Insgesamt ist die Kamera ausgezeichnet, und die Bilder gelingen außerordentlich gut. In den Ergebnissen lässt sich viel Feinheit und Schärfe finden. In dunklen Szenarien zeigt die Kamera dann ihr richtiges Können.

Die Knipse auf der vorderen Seite schießt Selfies mit 8 Megapixeln und hat 1,4 Mikron große Pixel. Videos kommen auf eine Auflösung von 1080p. Auch hier ist die Qualität hervorstechend und nennenswert.

Google Nexus 6P

Das Nexus 6P von Google ist ein gelungenes Smartphone, das immens viel kann: Es ist groß, aber dennoch handlich – massiv, aber dennoch gut verarbeitet. Die Kamera liefert gute Fotos bei Tag und Nacht, und auch die Slowmotion-Funktion wird sicherlich viele Fans finden. Viel Negatives gibt es über das Gerät nicht zu sagen: Einen optischen Bildstabilisator vermissen wir allerdings schmerzlich. Das wäre für Videoaufnahmen hilfreich. Ansonsten überzeugen uns noch besonders das Display, der Empfang sowie der Klang über die lauten und klaren nach vorne gerichteten Stereolautsprecher.

Mir persönlich hat das Nexus 6P gefallen, und ich kann es mir durchaus als Haupttelefon vorstellen. Wer das Smartphone in Betracht zieht, macht hier sicherlich nichts falsch. Allerdings ist der Preis ab 649 Euro nicht gerade günstig.

Knapp heute vor einem Jahr haben wir den Vorgänger, das Nexus 6 von Google und Motorola, getestet. Vielleicht wollt Ihr einen Schritt zurückgehen und noch einmal die Evolution bewundern. Außerdem haben wir auch das Nexus 5X getestet – hinter diesem Hyperlink lernt Ihr den kleinen Bruder des 6P genauer kennen.

Umfrage: Bestes Smartphone der zweiten Jahreshälfte
Antwort-Optionen
Ergebnis
  1. „Apple iPhone 6s“ (11%)
    11%
  2. „Apple iPhone 6s Plus“ (3%)
    3%
  3. „BlackBerry PRIV“ (7%)
    7%
  4. „Gigaset ME“ (3%)
    3%
  5. „Gigaset ME Pro“ (2%)
    2%
  6. „Google Nexus 5X“ (11%)
    11%
  7. „Google Nexus 6P“ (9%)
    9%
  8. „HTC One A9“ (2%)
    2%
  9. „HUAWEI Mate S“ (3%)
    3%
  10. „Microsoft Lumia 950“ (7%)
    7%
  11. „Microsoft Lumia 950 XL“ (4%)
    4%
  12. „OnePlus 2“ (4%)
    4%
  13. „OnePlus X“ (3%)
    3%
  14. „Samsung Galaxy S6 edge+“ (5%)
    5%
  15. „Sony Xperia Z5“ (10%)
    10%
  16. „Sony Xperia Z5 Compact“ (23%)
    23%
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