TechStage
Suche

Ein Angebot von

Test: Gigaset ME pro – High-End aus Deutschland

3
von  //  Facebook Twitter Google+

Der deutsche Hersteller Gigaset Mobile hat im Rahmen der vergangenen IFA in Berlin seinen Start in das Smartphone-Geschäft angekündigt. Am selben Tag wurden drei Produkte präsentiert: ME pure, ME sowie das ME pro. Die Geräte positionieren sich in Mittel-, Ober- und High-End-Klasse. Das Hardware-Design und die Software der ME-Linie sind nahezu identisch, Unterscheidungen gibt es in der Ausstattung.

Seit wenigen Wochen ist das ME pro nun auf den Markt erhältlich. Den kleinen Bruder haben wir bereits im November unter die Lupe genommen: Gigaset ME im Test. Jetzt ist das Vorzeigeprodukt an der Reihe.

Gigaset ME pro

Es wird schwierig für Gigaset Mobile. Sie haben sich leider zu viel Zeit gelassen. Erst vor wenigen Wochen fand der MWC 2016 in Barcelona, Spanien statt. Interessierte und Kenner wissen: ein großer Teil der Highlights für das laufende Jahr wurde dort gezeigt. Welche Motivation bleibt also für einen potentiellen Käufer, 549 Euro für ein Smartphone auszugeben, das der Welt vor rund fünf Monaten präsentiert wurde? In diesem Test lest und seht Ihr, was Euch das ME pro von Gigaset Mobile bietet.

Der Bildschirm des ME pro hat eine Diagonale von 5,5 Zoll. Das ist groß und für viele zu unhandlich; die meisten Nutzer haben sich jedoch damit zurecht gefunden. Proteste von Individualisten gibt es nach wie vor. Die Anzeige nutzt die Flüssigkristalltechnologie und ist besonders dünn. Die Auflösung des Bildschirms ist Full-HD, das sind 1920 × 1080 Pixel. Mit einer Schärfe von 401 ppi (Pixel pro Zoll) und einer Helligkeit von 500 Candela pro Quadratmeter ist das IPS-LCD des ME pro überzeugend. Farben wirken echt und auch die Blickwinkel mit bis zu 178 Grad stimmen.

Gigaset ME pro

Wie gesagt: Das ME pro ist ein High-End-Smartphone. Entsprechend ist auch seine Ausstattung. Im Inneren hat der Hersteller einen Snapdragon 810 vergebaut. Der Achtkernprozessor von Qualcomm arbeitet mit einer Taktfrequnz von 1,8 GHz. Das System ist mit Android OS 5.1 zwar nicht mehr ganz aktuell, aber die hauseigene Oberfläche Gigaset UI macht einen guten Job. Sie ist sauber und übersichtlich gestaltet. Lediglich die ab Werk installierte Tastatur wirkte etwas fortschrittsfeindlich. Wir haben schnell ein Substitut gefunden. Tut Euch selbst einen Gefallen und ahmt uns nach. Das Betriebssystem soll aber in Zukunft auf die neueste Version, Android 6 alias Marshmallow, aktualisiert werden. Wann es soweit ist, das kommentiert Gigaset Mobile nicht.

USB-Type-C-Anschluss des Gigaset ME pro
USB-Type-C-Anschluss des Gigaset ME pro

Der Zwischenspeicher für laufende Anwendungen ist 3 GByte groß. Für das dauerhafte Speichern von Dateien stehen 32 GByte zur Verfügung. Wer damit nicht klar kommt, der kann mittels einer microSDXC-Karte den Speicher um bis zu 200 GByte erweitern.

Die Energie kommt aus einem großen Akku mit 4000 mAh. Damit hält das Telefon gut zwei Tage durch. Voll aufgeladen ist es in knapp 2 Stunden und 17 Minuten. Das passende Schnellladekabel befindet sich bereits im Lieferumfang, außerdem gibt es hochwertige Kopfhörer. Apropos Strom: Das Gigaset ME pro nutzt den neuen USB-Standard Type C. Sein größter Vorteil gegenüber dem alten Micro-USB ist, dass sich der Stecker in beiden Richtungen mit dem Smartphone verbinden lässt. Außerdem überträgt USB C Daten schneller und erlaubt höhere Ladeströme.

Kamera des Gigaset ME pro
Kamera, Dual-LED, UV-Sensor und Pulsmesser

Was gibt es sonst noch zu wissen? Das ME pro hat viele Schnittstellen. Neben einer zweifarbigen LED und schnellem WLAN verfügt es über einen Pulsmesser, über eine Infrarot-Schnittstelle, einen UV-Sensor und einen Fingerabdrucksensor. Im Vergleich zum iPhone oder Galaxy S7 erfolgt die Erkennung des Besitzers aber langsamer. Die nötige Zuverlässigkeit ist in der Praxis jedoch gegeben.

Das Telefon unterstützt Dual-SIM: Ihr könnt entweder zwei Nano-SIM-Karten einsetzen oder eine SIM-Karte plus eine Speicherkarte – das ist Euch überlasen. Die Gesprächsqualität des ME pro ist klasse, allerdings muss man sich erst an die Schallübertragung per Schädelknochen gewöhnen. Einen normalen Lautsprecher, wie man ihn sonst von nahezu allen Smartphones kennt, gibt es nicht. Wenn möglich: Probiert das System vor dem Kauf irgendwo aus. Wir denken, dass es nicht jedem gefallen könnte.

Das Gehäuse des ME pro ist zu einem großen Teil aus Glas gefertigt, sowohl vorne, als auch hinten. Dabei ist das Material an den Rändern abgerundet. Das macht sich erfreulich in der Hand bemerkbar. In der Mitte gibt es einen robusten Rahmen aus Edelstahl. Er sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch wertig an. Das Design des Gigaset-Smartphones gefällt uns. Immerhin kommt es aus Deutschland. Da muss man es doch mögen, oder nicht?

Design des Gigaset ME pro

Doof allerdings: Sowohl die Vorder- als auch die Rückseite sind außergewöhnlich glatt. Das ist einerseits schön, aber auch schlecht. Warum? Ganz einfach: Auf ebenen Oberflächen bietet es keinen Haft. Null. Einfach mal nichts. Es ist so rutschig, dass es sich des Öfteren unbemerkt und schleichend bewegt und plötzlich auf dem Boden knallt.

Bei dem ME pro verwendet Gigaset eine 20- und eine 8-Megapixel Kamera. Sie haben eine Blende von f/2.2 respektive f/2.0. Das sorgt dafür, dass eine vergleichsweise große Menge Licht auf den Sensor trifft und Bilder so eine natürliche Helligkeit haben sollen. Bei der Hauptkamera gibt es einen schnellen Autofokus, der das Motiv zügig scharf stellt. Außerdem wird die Optik durch einen mechanischen Bildstabilisator ruhig gestellt. Abgedeckt wird die hintere Kamera übrigens von kratzfestem Saphirglas. Die Kamera macht gute Bilder bei viel Licht. Auch bei Kunstlicht oder bei Dämmerung bekommt man brauchbare Ergebnisse. Jedoch sind die Farben ein wenig schwach und wirken verwaschen. Auch die Schärfe ist nicht immer richtig, der Kamera fehlt es an Feinheit.

Gerade beginnt der dritte Monat des Jahres 2016. Der vergangene September ist nicht weit weg, zumindest nicht weiter weg als der kommende. Ist das ME pro also altes Eisen? Nein, ist es nicht, denken wir. Aber dennoch wird sich das Gigaset-Smartphone an den aktuellen Flaggschiffen von Samsung und LG messen (müssen).

Gigaset ME pro

Dass das Telefonieren nicht über eine Hörmuschel funktioniert, sondern über Schwingungen, sollte Euch bewusst sein. Wir sagen nicht, dass das schlecht ist – okay, vielleicht klingt das so. Es ist aber eine gewöhnungsbedürftige Sache. Auch solltet Ihr Euch Gedanken über ein Case machen. Das Design ist wunderschön, aber es muss versteckt werden. Zumindest darf sich das Gerät nicht mehr selbstständig machen. Mit einem Gewicht von 195 Gramm ist das ME pro kein leichtes Gerät, aber mit einer Höhe von 7,7 Millimetern erfreulich dünn.

Zu den Stärken des ME pro zählen die Performance, der große Akku, das helle Display sowie vielen Schnittstellen und ein guter Lieferumfang. Wer 549 Euro übrig und genug von den großen Herstellern hat, kann jetzt etwas anderes ausprobieren: Das Smartphone designed in Germany ...

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige