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Test: Eken H9 Actioncam – Billig-Kamera mit 4K

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Günstige Actionkameras aus China sind ihr Geld nicht wert und können mit GoPro & Co. nicht mithalten. Dieses Vorurteil ist verbreitet, doch hat es seine Berechtigung? Wir haben uns eine aktuelle Kamera angesehen und getestet, was so ein Billigheimer für unter 100 Euro überhaupt kann.

Das Äußere der Eken H9 4K Kamera erinnert stark an die GoPros der ersten bis vierten Generation. Das eckige Kunststoffgehäuse ist gummiert und fühlt sich angenehm griffig und verhältnismäßig leicht an. Die Verarbeitung ist gut, aber das Gehäuse knarzt, sobald wir etwas fester zupacken. Auch der verbaute 2-Zoll-Monitor erscheint nicht wirklich stabil. Er lässt sich leicht eindrücken und quittiert das mit Verfärbungen am Display.

Es handelt sich nicht um einen Touch-Monitor. Die Bedienung erfolgt per Tastendruck.

Zur Steuerung der Kamera stehen uns insgesamt vier Bedientasten zur Verfügung. Ein Auslöser auf der Oberseite, ein Taster für Menü, An und Aus auf der Vorderseite und zwei Pfeiltasten auf der rechten Seite.

Auf der Vorder- und der Oberseite gibt es außerdem je eine Status-LED. Auf der linken Gehäuseseite sind eine microHDMI- und eine microUSB-Buchse sowie der microSDXC-Kartenslot untergebracht. Auf der Unterseite befindet sich die Zugangsklappe zum Akkufach.

Der Lieferumfang ist ordentlich und umfangreicher als bei den meisten Marken-Kameras. Neben Kamera und Akku befinden sich noch Netzteil, USB-Kabel, Putztuch, Transporttasche und diverse Halterungen im Karton der H9. Auch ein offener Rahmen für die Nutzung eines Stativs und ein spezielles Unterwassergehäuse für Tauchtiefen bis 30 Meter sind mit dabei.

Das mitgelieferte Zubehör ist umfangreich.

Die H9 leistet laut Datenblatt wirklich viel: Für Videos stehen die Auflösungen 4K mit 25fps, 2.7K mit 30fps, 1080p mit 30 oder 60fps und 720p bei 120fps zur Verfügung. Fotos knipst die Eken mit einer Auflösung von 12 Megapixeln. Außerdem gibt es eine Serienbild- und eine Zeitrafferfunktion. Optional ist eine Fernbedienung erhältlich, diese war bei unserem Bundle aber nicht inbegriffen.

Um die H9 bequem per Smartphone zu steuern, gibt es die kostenlose App EZ iCam für Android oder iOS. Das Verbinden der beiden Geräte klappt, sobald wir bei eingeschalteter Kamera den Runter-Pfeil-Taster drücken. Nun erscheint die Eken-Kamera als verfügbares WLAN. Jetzt das Standard-Passwort eingeben und wenige Sekunden später ist die App verbunden. Was uns an diesem Punkt wundert: Warum wird ein Passwort genutzt, wenn wir es nirgendwo ändern können? Die App selbst ist intuitiv aufgebaut und bedarf keiner Erklärungen. Sehr gut umgesetzt. Sowohl der Aufnahmemodus als auch die anderen Einstellungen lassen sich schnell und unkompliziert auswählen oder ändern.

Auch die Datenübertragung von Videos und Fotos auf das Smartphone funktioniert nicht nur sehr einfach, sondern auch angenehm schnell.

Den Fotos und Videos fehlt es an Dynamikumfang. Das Ergebnis ist aber nicht unbrauchbar.

Die Kamera läßt sich auch ohne Smartphone ohne Probleme oder Einschränkungen bedienen. In unserem Test haben wir das auch weitgehend so gemacht, um den Kamera-Akku zu schonen. Die maximale Reichweite für eine WLAN-Verbindung beträgt etwa 10 Meter bei direkter Sicht.

Wir haben alle möglichen Auflösungen und Lichtsituationen getestet und waren erstaunt, wie gut einige der Aufnahmen geworden sind - allerdings nur bei idealen Lichtverhältnissen. Bei wenig Licht verblassen die Farben und die Aufnahmen zeigen starkes Rauschen. Bei extrem hellem Licht sind die Farben dafür sehr knallig und es fehlt an Dynamikumfang. Die dunklen Bereiche saufen also ab, und die hellen Bildbereiche werden weiß. Diesen Effekt kennen wir bereits von vielen Smartphone-Kameras aus dem Einsteigersegment.

Testvideos der H9 (Full HD-Material zusammengeschnitten)

Die 4K-Videos haben bei uns zudem stark geruckelt, was aber weder an der Speicherkarte noch am Plyer liegen liegen kann. Beim Test der Gopro hatten wir die gleiche Karte im Einsatz, ohne Probleme bei der Wiedergabe von 4K. Die Aufnahmen in niedrigerer Auflösung waren je nach Ausleuchtung ganz akzeptabel bis gut. Ein Bildstabilisator ist nicht vorhanden.

Die Batterielaufzeit in unseren Tests lag bei knapp über einer Stunde bei Aufnahmen in Full-HD-Auflösung. Ersatzakkus sind für unter 10 Euro erhältlich.

Mit einer um das Vielfache teuren GoPro Hero kann die Eken H9 definitiv nicht mithalten. Gerade die 4K-Videos und Aufnahmen bei schlechtem Licht sind einfach enttäuschend. Wenn es um hohe Bildqualität geht, muss man mehr Geld ausgeben.

Trotzdem hat die H9 durchaus eine Daseinsberechtigung. Bevor wir unser teures Smartphone oder eine teure Systemkamera bei actionreichen Aufnahmen auf dem Quadrocopter oder dem Skatepark riskieren, tut es auch die günstige Actioncam - wenn Abstriche bei der Qualität okay sind.

Die Fotos sind in Ordnung – die Qualität ist ähnlich wie bei Mittelklasse-Smartphones.

Wer also eine kleine Kamera für den Strand oder gelegentliche Einsätze beim Sport sucht, muss nicht hunderte von Euro ausgeben. Gerade wer sich nicht sicher ist, ob und wie oft er so eine Kamera überhaupt nutzen wird, sollte sich die H9 ruhig einmal ansehen, bevor er eine Marken-Kamera kauft. Durch das stabile Unterwassergehäuse ist sie auch hervorragend als Kamera für Kinder geeignet: Sand, Stürze oder Wasser können ihr nicht viel anhaben. Und wenn doch, sind nicht gleich etliche hundert Euro in den Sand gesetzt.

Die Kamera ist unter verschiedenen Namen erhältlich. Unser Testmodell haben wir direkt aus China bezogen – auch wenn der Eken Schriftzug fehlt, sind die technischen Daten identisch. Die Preise im Ausland liegen zum Teil deutlich unter denen deutscher Händler.

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