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Test: Apple iPhone 6 – das beste iPhone aller Zeiten

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von und Kamal Vaid und Christoph Dernbach  //  Twitter Google+

„Endlich“, sagen die Einen: „Das neue iPhone ist da!“ „Oh je“, sagen die anderen, „schon wieder geben Hunderttausende ihre Gehirne ab, stellen sich vor den Apple Stores in Schlangen, um ein überteuertes Smartphone zu kaufen.“ Wir wollen herausfinden, ob das neue iPhone 6 sein Geld wert ist.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Apple sich dazu bereit erklärt, größere Smartphones zu bauen. Die Marktforschungszahlen sagen, dass die Leute große Displays wollen. Nun, hier sind sie: Die neuen iPhones aus Cupertino. Schade nur, dass Apple dem Markt hinterher läuft und das macht, was alle Android-Hersteller auch machen: große Telefone bauen. Stattdessen hätten wir uns lieber gewünscht, dass Apple auch diesen Trend revolutioniert, wie vieles andere zuvor. Um es vorwegzunehmen: Das iPhone 6 ist eine tolle Weiterentwicklung des iPhone 5s. „The next big thing“ ist es aber nicht.

Auf den ersten Blick fällt auf: Das iPhone ist gewachsen. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Apple-Phones hat der Hersteller die Bildschirm-Diagonale vergrößert. 2007 kam das Ur-iPhone mit 3,5-Zoll-Display auf den Markt. Bei dieser Größe blieb es fünf Jahre, bis das iPhone 5 2012 mit 4-Zoll-Display vorgestellt wurde. Jetzt, zwei Jahre später, wächst das Apple-Handy schon wieder – auf 4,7 Zoll.

Damit ist es wirklich spürbar größer als seine Vorgänger. Deswegen musste der Ein-Aus-Taster vom oberen Rand an die rechte Seite rutschen. Das ist für iPhone-Nutzer zunächst etwas ungewohnt, aber eigentlich sehr gut zu bedienen – nicht umsonst haben fast alle Android- und Windows-Smartphones den Knopf an dieser Stelle.

Mindestens genauso auffällig ist die neue Form. Wäre das iPhone 6 nicht so dünn, würde es fast an das allererste iPhone erinnern. Hier wie dort gibt es ein Alu-Gehäuse mit stark abgerundeten Kanten. Damit liegt das Smartphone gut in der Hand; scharfe Ränder gibt es nicht. Sehr gut. Außerdem fühlt es sich hochwertig an. Dennoch wirkt die Optik irgendwie ungewohnt.

Mit 129 Gramm ist das iPhone 6 etwas schwerer als sein Vorgänger, aber immer noch leichter als das 4s. Das 5s brachte 112 Gramm auf die Waage, das 4s 140. In Anbetracht des gewachsenen Gehäuses wirkt das iPhone 6 aber immer noch vergleichsweise leicht und reiht sich unter seinen Konkurrenten ein: Das HTC One der ersten Generation beispielsweise hat ebenfalls ein 4,7-Zoll-Display sowie ein Alu-Gehäuse und wiegt 145 Gramm.

Apple iPhone 6
Das iPhone 6 unterscheidet sich auf den ersten Blick von seinem Vorgänger, dem iPhone 5s: Es ist gewachsen und deutlich abgerundeter.

Die übrigen Änderungen am Gehäuse fallen wenig ins Gewicht. Okay, es gibt noch Kleinigkeiten. Die Lautstärketasten sind nun länglich statt rund, unten gibt es keinen angetäuschten zweiten Lautsprecher mehr neben dem Lightning-Anschluss, das war's. Nur dass die Kamera jetzt hinten aus dem Gehäuse hervorsteht, will irgendwie nicht so ganz ins Bild passen. Jetzt liegt das iPhone nämlich nicht mehr gerade auf dem Tisch. Immerhin: So verkratzt die Rückseite nicht so schnell.

Offiziell verrät Apple kaum Details zur Technik im Gerät. Dort arbeitet der hauseigene A8-Prozessor mit 64-Bit-Architektur, dazu gibt es den Co-Prozessor M8, der sich um die Ansteuerung der ganzen Sensoren inklusive des neuen Baromerters kümmert.

Vergleicht man das iPhone 6 mit den Top-Modellen aus dem Android-Lager, sieht es mau aus. Dual-Core-Prozessor mit gemütlichen 1,4 GHz, dazu 1 GByte Arbeitsspeicher. Ein Androide mit dieser Ausstattung wäre maximal in der Mittelklasse anzusiedeln. Apple schafft es dennoch, mit diesen auf den ersten Blick schwachen Werten ordentliche Ergebnisse herauszukitzeln. Ruckeln gibt es nicht, 3D-Games laufen flüssig, Apps starten schnell – damit das klappt, ist auch die Software in der Pflicht.

Die Funk-Ausstattung kann sich mit der Konkurrenz messen. Es gibt Bluetooth 4.0, WLAN nach dem neuen ac-Standard, 16 LTE-Frequenzbänder, GPS, Glonass und NFC. Also alles, was man halt so braucht. Allerdings: Ähnlich wie Bluetooth auf dem iPhone schon immer einigen Einschränkungen unterlegen war und zum Beispiel Telefonieren oder Musikstreaming unterstützt, aber nicht das Übertragen von Dateien, hat auch NFC so seine Tücken: Aktuell arbeitet es ausschließlich mit dem hauseigenen Zahlungssystem Apple Pay zusammen. Und das ist für den deutschen Markt noch nicht einmal angekündigt.

Dass das iPhone 6 Voice over LTE (VoLTE) und Telefonie über WLAN unterstützt, nützt dem deutschen Käufer derzeit nichts. Schade, denn der US-Provider Sprint wagt sich aktuell mit einem neuen, interessanten Tarif in den Markt: Wer im Ausland mit einem WLAN verbunden ist, telefoniert kostenlos nach Hause und spart sich die Roaminggebühren. Hierzulande arbeiten die Provider zwar an VoLTE (Interview mit Vodafone), lehnen WiFi-Calling aber bislang ab.

Der Lautsprecher des iPhone 6 ist noch ein bisschen kräftiger geworden als der des Vorgängers – aber es bleibt bei einem. Der Stereo-Sound an der Front des HTC One (M8) klingt noch ein Stück besser. Der Fingerabdruckscanner Touch-ID wurde verbessert. Ob er nun auch zuverlässig mit schwitzigen Fingern funktioniert, muss der Langzeittest zeigen.

Mehr Details zur Leistung des Smartphones inklusive ausführliche Benchmark-Tests haben unsere Kollegen von c't ermittelt. Alle Informationen findet Ihr in c't 21/14 ab Seite 18, die ab Samstag erhältlich ist.

Technische Daten vom Apple iPhone 6
Modell Apple iPhone 6 (A1586)
Straßenpreis 617 Euro
Betriebssystem iOS
Display 4,70 Zoll / IPS-LCD
Auflösung 1334 × 750 Pixel / 326 ppi
Kamera 8 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Auflösung (Video) 1920 × 1080
Frontkamera 1,2 Megapixel
Prozessor Apple A8 / 1,39 GHz / 2 Kerne
Speicherkartenslot nein / k. A.
LTE ja / k. A.
WLAN 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4.0
NFC ja
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter nein / nein
Akku-Kapazität 1810 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A.
Abmessung 68 × 138 × 7 mm
Gewicht 127 Gramm

Das Display hat nicht nur bei der Größe, sondern auch bei der Auflösung ein Upgrade bekommen. Jetzt sind es 1334 × 750 Bildpunkte – das entspricht einer Pixeldichte von 326 ppi. Somit ist die Darstellung genauso scharf wie bei den früheren iPhones mit „Retina-Display“. Mehr Pixel pro Zoll und somit eine schärfere Anzeige gibt's nur beim großen Bruder, dem iPhone 6 Plus (401 ppi) – oder bei der androiden Konkurrenz. LGs G3 schießt dort derzeit mit 538 ppi den Vogel ab.

Apple iPhone 6: Display
Das Display hat eine Auflösung von 1334 × 750 Pixel. Im Verhältnis zum nun größer gewordenen Display ist die Pixeldichte mit 326 ppi gleich geblieben – diesen Wert hatte bereits das iPhone 4. Es war das erste Modell, bei dem Apple den Markennamen „Retina-Display“ eingesetzt hat.

Ob man so viele Pixel wirklich braucht? Nun ja – eine schärfere Darstellung schadet sicherlich nicht, auch wenn man von Ihr bei größerem Abstand zwischen Smartphone und Auge nichts mehr hat. Unterm Strich kommt es aber auf die Qualität des Displays an, und hier enttäuscht uns Apple nicht. Das iPhone 6 hat ein tolles Display mit kräftigen Farben, harten Kontrasten und ist so wenig blickwinkelabhängig, dass wir schon fast an ein OLED-Panel glauben. Ist es aber nicht, wie eh und je ist ein LCD verbaut. Aber eben ein – subjektiv gesehen – besonders gutes.

In der Praxis freuen wir uns über das größere Display: Für Inhalte im Webbrowser ist bei gleicher Zoomstufe mehr Platz, und Videos sowie Fotos werden größer dargestellt. Apps, die von ihren Entwicklern noch nicht an die größeren Anzeigen angepasst wurden, erscheinen allerdings hochskaliert und wirken etwas unscharf. Gerade bei den Top-Apps dürfte es aber nur eine Frage von wenigen Tagen bis Wochen sein, bis ein Update dieses Problem behebt.

Die Aufnahmen mit dem iPhone 6 geraten detailreich und homogen.

Bei Sony sind aktuell 20,7 Megapixel State of the Art (zum Beispiel im Xperia Z3 oder Xperia Z3 Compact), Nokia hat gar sein Lumia 1020 mit 41 Megapixeln im Programm, Samsungs Galaxy S5 hat 16 hinten und 2,1 vorne. Und Apple? Die Hauptkamera des iPhone 6 hat 8 Megapixel, die Frontkamera 1,2. Ja, wollen die uns denn vergackeiern?

Mitnichten – auch wenn die vergleichsweise geringe Auflösung bei der Vorstellung des Telefons durchaus als Enttäuschung aufgenommen wurde. Trotzdem sind wir nach unserem ersten Test nicht enttäuscht. Traditionell hatte Apple immer eine vergleichsweise gute Kamera, und diesen Trend setzt das iPhone 6 fort. Ein neuer Bildsensor fokussiert bei Foto- und Videoaufnahmen flotter als bisher und es gibt weiterhin den zweifarbigen LED-Blitz, der die Farbtemperatur des Blitzes an das Umgebungslicht anpasst.

Auch bei näherer Betrachtung wirken die Bilder erfreulich detailstark.

Die große Stärke der früheren iPhone-Kameras bleibt erhalten: Fast unabhängig von der Umgebung schießt das 6er homogene Fotos, ohne, dass sich der Nutzer mit Einstellungen auseinander setzen müsste. Auch feine Details wie die Blätter von Bäumen bleiben weitgehend erhalten und fallen nicht einer zu aggressiven Bildverarbeitung respektive JPEG-Kompression zum Opfer. Außerdem fällt auf, dass der Sensor zumindest bei guten Lichtverhältnissen vergleichweise rauscharme Fotos liefert. Das bedeutet unter anderem, dass sich bei kontrastreichen Motiven dunkle Bildbereiche nachträglich noch gut aufhellen lassen. In der Kürze der Zeit hatten wir leider nicht die Gelegenheit, das iPhone 6 in dunklen Umgebungen ausführlich zu testen oder Spezialfunktionen wie den HDR-Modus auszuprobieren.

Auch bei den Video-Aufnahmen überzeugt das iPhone 6 im ersten Test. Es nimmt Zeitlupen mit 120 oder 240 Bildern pro Sekunde auf, Full-HD-Videos mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde und Zeitraffer-Clips. Schade: Der optische Bildstabilisator bleibt dem größeren Bruder vorbehalten. Vor allem in dunklen Umgebungen und bei zittrigen Händen hilft er, bessere Fotos einzufangen.

Mehr Infos zur Kamera bekommt Ihr ab Samstag in c't oder demnächst auf TechStage.

iOS 8 bringt interessante neue Funktionen mit – unter anderem aus dem Fitness- und Gesundheitsbereich.

Auf dem iPhone 6 läuft iOS in der neuen Version 8. Mehr Details zu den neuen Funktionen zeigen wir nächste Woche, wenn sich der App-Store mit den ersten Angeboten füllt, die die neuen Features ausnutzen.

Ausführliche Akku-Tests stehen noch aus. Unsere Kollegen von c't und Mac & i haben bereits erste Messungen durchgeführt, die auf gute Ergebnisse hoffen lassen. Erwartungsgemäß hält der größere Stromspeicher des iPhone 6 Plus noch ein gutes Stück länger durch als der des iPhone 6.

Dual-Core, Quad-Core, echtes NFC und wenig RAM hin- oder her: Zweifelsfrei gehört das iPhone zu einem der besten Smartphones auf dem Markt. Das gilt auch für das neue Modell. Wie gehabt gibt es Einschränkungen. Wer beispielsweise nicht damit leben kann, dass ein NFC-Chip verbaut ist, der in Deutschland derzeit für nichts zu gebrauchen ist, hat seine Entscheidung schon getroffen: Ein iPhone ist der falsche Kauf.

Wem solche Details egal sind, der sollte das iPhone in die engere Wahl aufnehmen. Und ganz subjektiv nach eigenem Geschmack entscheiden, ob es ihm gefällt. Dann folgt die Preishürde. Bei happigen 700 Euro geht es los – für das kleine Modell mit frech wenig Speicher, nämlich 16 GByte. Wer sich nicht zu den Wenignutzern zählt, sollte schon 800 Euro für die 64-GByte-Variante auf den Tisch legen. Und vielleicht noch kurz bedenken, dass er für das Geld zwei bis vier Android-Smartphones der Top-Klasse bekommt.

Aber wie hieß es so schön in einem Apple-Werbespot: Wenn Du kein iPhone hast, hast Du kein iPhone. Wer das Bargeld für den Kauf seines neuen Smartphones schon abgezählt auf dem Tisch liegen hat, weiß, was gemeint ist. Und alle anderen greifen sinnvollerweise lieber zur Konkurrenz.

Das iPhone 6 ist leistungsstark und punktet vor allem in Sachen Display, Kamera und Akku. Das Design ist etwas gewöhnungsbedürftig – aber schlecht ist es nicht. Wer ein iPhone 5s oder ein älteres Modell hat und schon immer ein großes Display haben wollte, der sollte ein Upgrade machen. Ältere iPhones lassen sich gut bei Ebay verkaufen.

Und wer noch zwischen iPhone 6 und 6 Plus schwankt: Bis auf ein paar Punkte – vor allem Akkulaufzeit und Bildstabilisator – gibt es so gut wie keine Unterschiede zwischen den beiden Geräten. Das macht die Entscheidung einfach: Wollt Ihr ein wirklich großes Telefon mit starkem Akku, dann nehmt das iPhone 6 Plus. Ist Euch eher ein handliches Apple-Smartphone wichtig, dann schaut Euch das iPhone 6 genauer an.

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