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Teclast X98 Pro im Test: China-Tablet mit QXGA-Display

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Intels bisherige Fehlschläge im Bereich von Tablets und Smartphones haben mit Sicherheit zum Abbau von Standesdünkeln beim zuvor so erfolgsverwöhnten Unternehmen beigetragen. Chinesische Hersteller nutzen dieses Angebot gern, um ihrer Hardware so “den letzten Schliff” zu geben.

Unser von GearBest bereitgestelltes Teclast X98 Pro ist ein Produkt dieser Zusammenarbeit: Das auf einem Atom X8500 basierende 10-Zoll-Tablet führt sowohl Windows als auch Android aus. Da GearBest unser Testgerät direkt aus China anlieferte, fielen in der Slowakei Zollspesen an – der Versand erfolgte sehr schnell, das Tablet war binnen rund einer Woche bei uns.

In diesem Karton trudelte das Teclast-Tablet bei uns ein.

Die Verpackung des Tablets gab soweit keinen Anlass zur Kritik: Alles war mehr als ausreichend geschützt. Lobenswert ist, dass sich der orange Sticker auf der Displayschutzfolie entfernen lässt – der Bildschirm ist so von Stunde Null an geschützt.

Bis vor wenigen Jahren galt chinesische Hardware als klassischer Billigheimer. Nach dem Auspacken des Techlast X98 Pro muss man diese Ansicht revidieren. Das Gerät wirkt solide verarbeitet, und der Einschalt- sowie die Lautstärke-Knöpfe geben beim Drücken ein befriedigendes Knacken von sich.

Über diesen Einschub lässt sich der integrierte Speicher des Tablets erweitern.

Mit einem Gewicht von 526 Gramm ist das Tablet gerade richtig: nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer. Auf der Unterseite finden sich neben dem zum Aufladen vorgesehenen Mikro-USB-Anschluss auch ein HDMI-Ausgang und eine Kopfhörerbuchse. Auf der Seite gibt es zudem die Möglichkeit, mit einer MicroSD-Karte zusätzlichen Speicher in das Tablet zu integrieren.

Auf der Frontseite finden sich keine Knöpfe. Das wirkt sich für Euch insofern aus, als das Gerät sowohl unter Android als auch unter Windows immer eine Statusleiste einblendet, über die Ihr die bei anderen Geräten in Hardware ausgeführten Knöpfe auslösen könnt.

Hier sind die weiteren Anschlüsse zu sehen.
Beim Starten fragt das Tablet den Nutzer, welches Betriebssystem er starten möchte.

Nach jedem Einschalten müsst Ihr Euch für ein Betriebssystem entscheiden. Da Android-Tablets bei mir im Labor wie im Wald Holz verfügbar sind, beschränke ich mich für den Rest des Tests im Großen und Ganzen auf die Windows 10-Partition: das installierte Android-ROM wirkt trotz des Zugangs zum Play Store ausgegoren.

Nach dem Start des Betriebssystems fällt sofort auf, daß der Bildschirm eine beeindruckend hohe Qualität aufweist. Die Auflösung von 2048 × 1536 Pixel sorgt dafür, dass Fotos und andere Elemente gestochen scharf erscheinen. Die Helligkeit lässt sich vergleichsweise flexibel einstellen, der niedrigste Einstellbereich geht soweit hinunter, dass das Tablet auch im Bett nicht übermäßig hell wirkt.

Leider währt die Freude am Display nicht übermäßig lange: angelsächsische Nutzer berichten von massiver Kratzeranfälligkeit der Oberfläche, Fingerabdrücke traten während unseres Tests vergleichsweise schnell und gnadenlos auf.

Witzigerweise liefert Teclast eine Schutzfolie mit: Das orangefarbene Aufkleber mit den technischen Daten lässt sich – passende Fingernägel vorausgesetzt – von der Transportfolie herunterziehen, um so den ganzen Bildschirm freizugeben.

Teclast betreibt sein X98 Pro mit dem Cherry-Trail-Atom aus dem Hause Intel. Das bedeutet, dass Windows sich wie eine normale Workstation verhält: Ist eine App mit Windows 10 am Desktop kompatibel, so könnt Ihr sie auf dem TecLast-Tablet überall mitnehmen.

Die Rechenleistung des mit vier Kernen ausgestatten Systems liegt auf dem Niveau eines Notebooks aus dem Jahre 2010. Leider ist die thermische Konstruktion des Teclast vergleichsweise grenzwertig. Je härter die Rechenlast, desto eher beginnt das Gerät mit thermischem Throttling.

Unter der Haube steckt ein Intel-Prozessor aus der Atom-Baureihe. Leistungswunder darf man hier nicht erwarten.

Der Arbeitsspeicheraustausch von 4 GByte ist für Android gigantisch; unter Windows kann man damit auch noch leben. Dass heutige Workstations wesentlich mehr Arbeitsspeicher mitbringen, ist indes klar – ein Tablet ist für Multitasking-Orgien und große Kompilationsvorgänge aber auch schlicht und ergreifend die falsche Hardware.

Von dem in unserem Testgerät verbauten, 64 GByte großen Speicher stehen unter Windows nur 32 GByte zur Verfügung. Das liegt daran, dass sich die beiden auf dem TecLast-Tablet installierten Betriebssysteme den Speicher teilen: Nach Abzug des für diverse Apps notwendigen Platzes bleiben in der Windows-Partition letztendlich nur noch 20 GByte Platz.

Teclast stattet sein Gerät mit einer Fixfokus-Frontkamera und einer Autofokus-Rückkamera aus, die die Auflösungen von zwei respektive fünf Megapixeln bieten. Ob des Fehlens einer Foto-LED läßt sich das X98 Pro nicht als Taschenlampe mißbrauchen – das wäre vermutlich gleichzeitig auch die häufigste Anwendung für eine Kamera am Tablet.

Über die Qualität der Bilder können wir nicht wirklich Positives berichten: Die Kamera ist vorhanden, zeigt Farben, verdient sonst aber keinerlei Lob. Die in der Bildergalerie gezeigten Aufnahmen erlauben Euch eine Abschätzung, ob die Bildqualität für eure Bedürfnisse ausreicht.

Die uns vorliegende Version des X98 Pro hat Bluetooth und WLAN; weitere Kommunikationsmöglichkeiten wie 3G sind im Gerät nicht vorgesehen. In Sachen Reichweite fielen uns im Vergleich zu anderen Notebooks, Tablets und Smartphone keine Schwächen auf.

Tablets werden gern zum Ansehen von Filmen genutzt. Die Lautsprecher auf der Rückseite des Teclast-Geräts bieten soweit eine recht brauchbare Tonqualität. Der Kopfhörerausgang ist potent: Mit unseren AKG-Kopfhörern ließ sich die Musik auf ein schmerzhaft lautes Niveau bringen.

TecLast spendiert seinen Kunden die noch einigermaßen aktuelle Android-Version 5.1, die – ob der opulenten Gesamtausstattung – problemlos funktioniert. Leider ist das Tablet mit diversen chinesischen Programmen vollgestopft, die nicht in einer englischen Übersetzung vorliegen.

Die Windows-Installation funktionierte einige Tage nach dem Auspacken problemlos, zeigte aber plötzlich Zähne. Auf der Unterseite des Bildschirms wurde eine Kachel eingeblendet, die auf die Installation eines OneDrive-Updates hinwies – und dann ging gute 60 Sekunden lang gar nichts mehr. Zudem funktionierte die Kamera einige Stunden lang nicht („please connect your camera“), um daraufhin plötzlich wieder problemlos weiterzuarbeiten.

Unter Windows lässt sich die Sprache problemlos umstellen.

Beginnen wir mit einer kleinen Überlegung zum Preis: Bei GearBest kostet das X98 Pro aktuell 239 US-Dollar. Dass das Gerät von der Rechenleistung her nicht mit aktuellen Surface-Geräten (oder klassischen Workstations) mithalten kann, folgt aus der Logik. Für anspruchsvolle Aufgaben sind Atom-Prozessoren prinzipbedingt eher schlecht geeignet, die schlechte Wärmeableitungsfähigkeit des X98 Pro sorgt für zusätzlichen Ärger.

Zudem ist die Software unausgegoren. Die Android-Installation ist zwar bugfrei, dafür aber mit auf Chinesisch vorliegenden Apps vollgestopft. Windows 10 hat leider ebenfalls für Frust gesorgt: Während die zeitweisen Kamera-Aussetzer verzeihbar sind, sorgen festgefahrene automatische Updates und Beißereien zwischen SoC und Treiber für Frust.

Unter dem Strich können wir das X98 Pro trotzdem empfehlen. Wenn ihr schon immer Lust auf ein Windows-Tablet hattet, mit dem Ihr Eure Anwendungen auch unterwegs verwenden könnt, seid Ihr hier richtig. Aus unserer Sicht ist das Gerät seinen Preis wert.

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