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Rockt oder Ramsch? Xiaomis Billig-GoPro im Test

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Xiaomis „Yi Action Camera“ kostet gerademal knapp 80 Euro, in manchem China-Shop sogar nur um die 60 Euro – das sind zwischen 50 und 70 Euro weniger als das günstigste GoPro-Modell. Allerdings hat die Actionkamera von Xiaomi bessere technische Daten und bietet mehr Features als die Billig-Ausführung des Originals. Ob die Yi Camera eine ernstzunehmende Konkurrenz für GoPros günstigste HERO ist, erfahrt Ihr in unserer heutigen Folge von „Rockt oder Ramsch?“

Wer lieber liest, statt ein Video zu gucken: Nachfolgend findet Ihr den Inhalt des Clips als Text.

Im Bereich der Action-Kameras ist GoPro die Marke. Mittlerweile gibt es auch ein einigermaßen günstiges Einsteiger-Modell der Kult-Action-Cam – die HERO, die man für um die 130 Euro bekommt. Xiaomis Yi Camera kostet hingegen nur knapp 80 Euro und hat einiges mehr zu bieten – zumindest auf dem Papier. Sie hat hardwareseitig beispielsweise eine 16-Megapixel-Kamera mit Exmor-R-Sensor von Sony mit einer f/2.8-Blende und einem 155-Grad-Weitwinkel-Objektiv. Sie kann Videos mit Auflösungen von bis zu 2304 × 1296 Pixel mit 25 fps aufnehmen, bei Full-HD-Clips sind bis zu 50 fps möglich.

Zu den weiteren technischen Daten gehört ein Mikro, Bluetooth, ein integriertes WLAN-Modul zur Verbindung mit iOS- und Android-Smartphones per entsprechender App, ein microUSB-Anschluss zum Aufladen, ein microHDMI-Ausgang zum Anschließen an TV oder Monitor, ein Akku mit einer Kapazität von 1010 mAh und ein microSD-Karten-Slot. Mit der austauschbaren Batterie ist es möglich knapp 1 ½ Stunden lang Videomaterial aufzunehmen. Die Abmessungen der Kamera betragen 60,4 × 42 × 21,2 Millimeter bei einem Gewicht von 76,6 Gramm.

Die Verarbeitung des Gerätes ist gut und bietet keinen Grund zur Kritik. Das Kunststoff-Gehäuse macht einen robusten Eindruck und sieht so aus als würde es den ein oder anderen Sturz – was ja bei einer Action-Kamera durchaus mal passieren kann – problemlos überleben.

Die Bedienung des Gadgets ist simpel: Bei eingeschaltetem Gerät wird zwischen Video und Foto mit kurzem Drücken des Power-Buttons umgeschaltet – LEDs und ausschaltbare Piepstöne signalisieren den entsprechenden Modus. Auch beim Auslösen wird per LEDs und Ton verraten, welche Aktion gerade ausgeführt wurde. Ein beleuchteter Ring um den Ein/Aus-Schalter zeigt den aktuellen Stand der Batterie an – bis 50 Prozent leuchtet er Blau, von 49 bis 15 Prozent Lila und Rot, wenn nur noch wenig Restladung vorhanden ist.

Tiefergehende Einstellungen lassen sich per App – erhältlich für iOS- und Android-Geräte – vornehmen. Das entsprechende Smartphone wird per Wifi verbunden, wobei die Yi Camera ein eigenes Netzwerk aufbaut, in das man sich mit dem Handy einwählt. In der Applikation kann unter anderem die Auflösung für Videos und Bilder eingestellt werden, der HDMI-Ausgang eingeschaltet werden, die Lautstärke der Signaltöne geändert werden und es lässt sich der Standard-Modus beim Einschalten der Cam auswählen.

Und natürlich lässt sich mit der App auch die Aufnahme von Videos und Bildern starten – inklusive Live-Bild vom aktuellen Geschehen vor der Linse. Diesbezüglich gibt es bei Bildern neben dem normalen Knipsen die Modi „Timer“, „Burst“ – also Mehrfachaufnahme – und „Time-lapse“, während es bei Videos neben der Standardaufnahme nur „Time-lapse“ als weitere Auswahlmöglichkeit gibt. Weiterhin hat der Nutzer Zugriff auf alle auf der SD-Karte abgespeicherten Medien und kann diese betrachten, bearbeiten, teilen und direkt aufs Smartphone herunterladen.

Die Qualität von Videos und Fotos weiß in vielen Fällen zu gefallen – und das nicht nur in Relation zum recht günstigen Preis. Das Objektiv liefert sowohl in der Bildmitte als auch in den Kanten und Ecken eine ganz ordentliche Bildschärfe. An Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden treten allerdings chromatische Aberrationen auf, und Lens-Flares sind bei Gegenlicht ebenfalls ein Problem.

Die JPEG-Fotos wirken häufig etwas kontrastarm und flau, weisen dank einer geringen JPEG-Kompression aber erfreulich feine Details auf. Im Videomodus sind teilweise recht deutliche Kompressionsartefakte sichtbar, was angesichts der eher geringen Datenrate von gut 10 MBit pro Sekunde aber auch nicht verwunderlich ist. Der CMOS-Sensor ist ausreichend schnell, sodass auch bei schnellen Bewegungen keine übermäßigen Rolling-Shutter-Effekte auftreten. Bei starken Vibrationen, wie sie etwa bei einer Befestigung an Quadrocoptern entstehen können, muss man jedoch mit Jelly-Effekten rechnen.

Der Dynamikumfang hingegen ist nicht besonders groß, es kommt sowohl im Foto- als auch im Videomodus zu über- und unterbelichten Bildbereichen. Wie groß der Sensor ist, verrät Xiaomi leider nicht, dieser dürfte allerdings eher recht klein sein. Dies würde zumindest erklären, wieso der Dynamikumfang bei den Fotos und Videos eher mau ist. Für knapp 80 Euro bekommt man mit dem Gadget also eine durchaus solide Action-Kamera, die es in manchem China-Shop – wie beispielsweise bei Gearbest – sogar schon für um die 60 Euro gibt.

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