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Mit Telefon und LTE: Huawei MediaPad T1 8.0 im Test

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Immer noch etwas schwer auszusprechen, aber zumindest haben sich die Chinesen inzwischen einen Namen gemacht: Huawei steht für anständige Hardware zu einem mit spitzem Bleistift kalkulierten Preis. Und dazu passt das MediaPad T1 8.0 perfekt.

Für gut 200 Euro bekommt man hier ein 8-Zoll-Tablet mit Telefon-Funktion, LTE und Android 4.3 mit hochwertiger Alu-Rückseite und der bekannten, vergleichsweise leicht zu bedienenden Huawei-Oberfläche Emotion UI. Aber nun der Reihe nach.

Auf den ersten Blick gefällt uns das MediaPad T1 gut. Es ist zwar kein Design-Highlight, weder ultraflach noch rahmenlos oder mit besonderen Schnörkeln versehen, aber eben klassisch und gefällig gebaut. Das 8-Zoll-Display dominiert die Oberfläche, der Rahmen links und rechts ist neun Millimeter dick, oben und unten sind es 1,8 Zentimeter. Das Displayglas zieht sich über die komplette Front und ist eingefasst von einem silbern lackierten Kunststoffrahmen. Er ist das einzige, was uns ein bisschen stört: Er sieht etwas billig aus.

Das Huawei MediaPad T1 8.0 LTE sieht aus, wie Tablets nun mal aussehen. Design-Highlight ist die Alu-Rückseite, während uns der silberne Rahmen an der Front nicht sonderlich zusagt.

Spätestens beim Blick auf die Rückseite wird aber klar, dass das Jammern auf hohem Niveau ist. Matt-weißer Kunststoff oben und unten rahmt einen Deckel aus mattem Aluminium ein. Das sieht gut aus und fühlt sich erfreulich hochwertig an. In der Praxis sammelt sich auf dem Kunststoff hin- und wieder zwar störender Schmutz, doch er lies sich bei uns immer wieder problemlos abwischen.

Auf der rechten Seite befinden sich von oben nach unten alle wichtigen Elemente: Ein-Aus-Taster, Wippschalter zur Lautstärkeregelung sowie eine Klappe, hinter der sich Micro-SIM- und microSD-Kartenslot verstecken. Auf der Unterseite gibt es die obligatorische Micro-USB-Buchse, daneben ein kleines Loch für das Mikro. Links gibt es keine Elemente, oben befindet sich die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschließen von Standard-Kopfhörern. Im Lieferumfang ist kein Headset enthalten. Bei einem Tablet vermissen wir das normalerweise auch nicht, doch hier wäre es aufgrund der Telefonie-Funktion vielleicht gar nicht schlecht. Denn das 8-Zoll-Tablet sieht am Ohr wirklich etwas dämlich aus.

Unter der Haube arbeitet ein Snapdragon 410 von Qualcomm – konkret das Modell MSM8916 mit vier Rechenkernen à 1,2 GHz, dazu gibt es 1 GByte RAM. Solide Mittelklasse, könnte man sagen. Ein erster Frust kam beim Start von Hearthstone auf – ein virtuelles Sammelkartenspiel von Blizzard mit hohem Suchtfaktor und, eben aufgrund der Tatsache, dass es eigentlich „nur“ ein aufgepimptes Kartenspiel ist, mäßiger Hardware-Anforderung. Doch schon beim Start dieses Spiels meldet das Programm, dass die Power des Tablets unter Umständen nicht ausreichen könnte. Doch diese Sorge ist übertrieben. Denn auch bei High-End-Geräten ruckelt das Spiel gelegentlich. Beim MediaPad T1 ruckelt es zwar etwas mehr und lädt etwas länger, ist aber problemlos spielbar.

Vollgas ist anders: Wer das MediaPad hauptsächlich zum Spielen nutzen möchte, sollte sich lieber nach einer Alternative umsehen – und wird mehr Geld investieren müssen.

Diese Erfahrung ist bezeichnend für den Umgang mit dem MediaPad. Im normalen Einsatz läuft es problemlos. Die Navigation durch die Menüs erscheint flüssig, Gedenksekunden gibt es nur selten. Beim Surfen im Internet fühlt sich das T1 wohl. Umfangreiche, große Webseiten bringen das Tablet gelegentlich an seine Grenzen, aber das stört in der Praxis wenig – und wer weniger Ruckeln möchte, muss eben mehr Geld auf den Tisch legen.

8 Zoll und eine Auflösung von 1280 × 800 Pixeln – das entspricht einer Pixeldichte und somit einer Schärfe von 189 ppi (Pixeln pro Zoll). Im Vergleich zu den ultrahochauflösenden Anzeigen teurer Smartphones, die Werte von über 500 ppi erreichen, ist das wenig. Ein Tablet hält man aber weiter weg von den Augen. Natürlich wäre eine höhrere Auflösung beim Huawei MediaPad T1 wünschenswert, aber ganz ehrlich: Das Gebotene reicht aus. Solange man kein iPad Mini mit Retina-Display danebenlegt oder von seinem Galaxy Note 4 verwöhnt ist, wird man nicht viel vermissen.

Doch, eine Sache: Der Schieberegler für die Helligkeit hört zu früh auf. Oder anders: Die Anzeige ist nicht die hellste. Im Freien und bei direkter Sonneinstrahlung ist auf dem Tablet nicht viel zu erkennen.

Beim Display kommt ein IPS-Panel zum Einsatz. Blickwinkel und Farbtreue sind daher relativ hoch, allerdings wird die Darstellung beim Blick von unten oder von der Seite schnell spürbar dunkler. Ein K.O.-Kriterium ist das aber nicht: Man kann problemlos in einer kleinen Gruppe ein Youtube-Video betrachten.

Wobei die Betonung hier auf „betrachten“ liegt. Der Lautsprecher des MediaPads ist nämlich nicht seine Stärke. Es gibt keinen expliziten Lautsprecher auf der Rückseite, sondern nur einen oberhalb des Displays. Bei niedrigen Lautstärken klingt er etwas dumpf. Wenn man den Sound aufdreht, kommt erstaunlich viel Krach: Zu leise ist er definitiv nicht. Aber ab einer Einstellung von etwa 70 bis 80 Prozent übersteuert der kleine Treiber kräftig.

Auf der Rückseite hat Huawei seinem Tablet eine 5-Megapixel-Kamera spendiert, auf der Front gibt es eine 2-Megapixel-Kamera. In der Praxis dürfte vor allem letztere eine Rolle spielen. Und zwar weniger beim Schießen von Selfies als mehr bei der Nutzung von Videotelefonie. Dafür reicht die Kamera vollkommen aus.

Die 5-Megapixel-Kamera ist etwas langsam, macht aber in hellen Umgebungen ansehnliche Bilder. Doch Fotografieren mit dem Tablet? Kommt in der Praxis ohnehin nicht oft vor.

Insgesamt sind beide Kameras – logischerweise in dieser Preisklasse – Schönwetterknipsen. Bei hellen Umgebungen machen sie ordentliche Fotos und sind nicht sonderlich detailreich. Außerdem ist der Autofokus der rückseitigen Kamera relativ lahm. Sobald es etwas dunkler wird, übernimmt das Bildrauschen die Kontrolle. Erfahrungsgemäß knipst man aber ohnehin nur ganz selten mal ein Bild mit dem Tablet. Deswegen ist das nichts, was uns vom Kauf abhalten würde. Es würde uns noch nicht einmal stören, wenn gar keine Kamera verbaut wäre.

Schade: Huawei hat seinem MediaPad T1 nur Android 4.4 spendiert. Aktuell ist die Nachfolgeversion 5.0. Ob es ein Update gibt, steht noch nicht fest – erfahrungsgemäß heißt das meistens „nein“. Wer ein bisschen im Internet surft, nach dem TV-Programm sieht und mal ein paar Casual Games zockt, wird sich daran nicht stören. Wer aber Wert auf alle Funktionen der neuesten Software legt (und allein aus Prinzip schon ein neues Android haben möchte), muss – zumindest aktuell – einen Bogen um das Tablet machen.

Die Oberfläche kennen wir schon. Zum Einsatz kommt Emotion UI 2.3. Auch hier gibt es bereits einen Nachfolger. Insgesamt gefällt uns das User-Interface von Huawei. Es ist vergleichsweise aufgeräumt, leicht zu bedienen und hat an vielen Stellen praktische Extras – etwa ein kleines Fenster in der Kamera-App bei der Aufnahme von Selfies, das den Nutzer dazu bringen soll, in die Kamera statt auf das Display zu blicken.

Größter Unterschied zum „normalen“ Android ist das Fehlen des App-Drawers. Es gibt also kein Hauptmenü, in dem alle Apps zu finden sind. Stattdessen liegen die Icons aller Programme grundsätzlich auf dem Homescreen – das erinnert an iOS.

Das T1 mit LTE kommt standardmäßig mit 16 GByte internem Speicher, von denen gut 9 GByte für Programme und Nutzerdaten wie Fotos, Filme und Musik zur Verfügung stehen. Wenn das nicht reicht, lässt sich der Speicher des Tablets per microSD-Karte erweitern.

Neben LTE nach Kategorie 4 (bis zu 150 MBit/s im Download) sind WLAN nach dem n-Standard und Bluetooth 4.0 an Bord. Außerdem gibt es GPS und Glonass zur Ortsbestimmung.

Der Akku hat eine Kapazität von 4800 mAh. Bei gelegentlicher Nutzung auf dem Wohnzimmertisch muss das MediaPad nur alle paar Tage mal ans Ladegerät. Wer sich aktiv mit dem Gerät beschäftigt, surft und zockt, kann sich einen Abend unterhalten lassen – dann schreit das MediaPad T1 nach Strom-Nachschub.

Das MediaPad T1 ist ein rundes Angebot. Es hat keine besonderen Stärken, leistet sich aber auch keine krassen Schwächen. Uns gefällt die hochwertige Anmutung mit Metall-Rückseite und die Oberfläche, allerdings würden wir uns eine neuere Betriebssystem-Version und ein helleres Display wünschen.

Im direkten Vergleich gibt es durchaus günstigere Geräte – aber welche mit ähnlicher Ausstattung sind schwer zu finden. Nur wer auf LTE verzichten kann, hat eine deutlich größere Auswahl.

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