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LG K10 (2017) mit Android 7 im Test: preiswerter Hingucker

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LG hat auf dem diesjährigen MWC das Mittelklasse-Smartphone K10 M250N vorgestellt. Wir haben getestet, was das günstige Android-7-Smartphone wirklich drauf hat.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Hoffentlich trifft das nicht auf das schicke LG K10 mit der Modellbezeichnung M250N zu. Denn ein Teil des Rahmens von unserem eigentlich schwarzen Testgerät hat genau diese auffällige Farbe. Gut, dass es die Koreaner damit aber nicht übertrieben haben, sondern nur einen Akzent setzen. So sind die Ober- und Rückseite in unauffälligem schwarz gehalten; nur ein Teil der Ränder und die Unterseite des K10 glänzen golden. Das Display sitzt hinter sogenanntem 2.5D-Glas, was letztendlich bedeutet, dass die Kanten des Displays abgerundet sind. Optik und Haptik profitieren davon: Das LG K10 liegt toll in der Hand und sieht wirklich hochwertig aus. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Kunststoff-Rückseite; diese will irgendwie nicht zur sonst wirklich hochwertigen Optik passen.

Das K10 sieht gut aus und liegt super in der Hand.

Die Ausstattung ist für ein 200-Euro-Gerät gut, es handelt sich aber trotzdem nur um ein Einsteiger- bis Mittelklasse-Smartphone. Das beginnt mit der Auflösung des Displays: Es löst 1280 × 720 Pixel auf; weiter geht es mit dem gerade noch ausreichenden 16-GByte-Speicher. Es gibt zwar auch eine 32-GByte-Version, diese ist aktuell aber nicht in Deutschland erhältlich. Ebenso fehlt bei uns der im Power-Button auf der Rückseite integrierte Fingerabdruck-Sensor, welchen LG nur für den amerikanischen Markt anbietet. Das ist wirklich schade und aus unserer Sicht auch nicht nachvollziehbar. Diese Produktpolitik ist aktuell aber typisch bei LG: Beim G6 gibt es ähnliche Einschränkungen für die europäische Version.

Um den Speicher zu erweitern, gibt es die Möglichkeit, eine Micro-SD-Karte mit bis zu 2 Tbyte einzusetzen. Die Slots für SIM- und Speicherkarte sind nur nach dem Öffnen der Rückseite erreichbar. NFC und das selten gewordene UKW-Radio gehören neben der 13-Megapixel-Kamera ebenfalls zur Ausstattung. Wirklich klasse ist, dass das K10 bereits mit der aktuellen Android-7-Version ausgeliefert wird. Eine aktuelle Android-Version bei günstigen Geräten ist leider nach wie vor nicht selbstverständlich.

Das 5,3-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1280 × 720 Pixeln und somit eine Pixeldichte von 277 ppi. Das ist in der Praxis zwar tatsächlich ausreichend, um ein scharfes Bild darzustellen; ähnlich teure Geräte legen da aber noch eine Schippe drauf. Das Einsteigergerät Honor 5C beispielsweise hat bei einem ähnlichen Preis ein 5,2-Zoll-Display mit 1920 × 1080 Pixeln und somit eine Pixeldichte von weitaus besseren, weil schärferen 424 ppi. Als Faustregel gilt: Alles ab etwa 300 bis 350 ppi ist so hoch aufgelöst, dass das durchschnittliche menschliche Auge keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennt. Beim LG fällt uns das zugegebenermaßen aber auch schon sehr schwer.

Die Farben sehen gut aus und die Helligkeit ist zumindest im Innenbereich ausreichend. Bei der Benutzung im Freien ist uns das K10 auch bei maximaler Bildschirmbeleuchtung eine Spur zu dunkel; in Kombination mit starken Spiegelungen ist der Bildschirm schwierig abzulesen.

Leider spiegelt das Display und macht die Bedienung bei Sonnenschein schwierig.

Die Hauptkamera des K10 hat eine Auflösung von 13 Megapixeln und die Selfie-Kamera schafft ausreichende 5 Megapixel. Videos landen in Full-HD-Auflösung auf der Speicherkarte. LG hat eine handvoll Filter integriert, die sowohl für Fotos, als auch für Videos funktionieren. Was uns aber fehlt, ist ein optischer Bildstabilisator (OIS) – in der Praxis wäre dieser gerade für gleichmäßige und unverwackelte Kameraschwenks in Videos sinnvoll.

Leider kämpft auch die Kamera des K10 mit dem klassischen Problem der Mittelklasse-Smartphones: Die Qualität der Aufnahmen ist sehr stark von der Beleuchtung abhängig. Während Bilder bei Sonnenschein wirklich toll aussehen, mangelt es bei schlechteren Lichtverhältnissen einfach an Kontrast und knackigen Farben.

Als durchaus praktisch hat sich die Weitwinkel-Selfie-Kamera herausgestellt: Es geht einfach mehr auf das Foto; praktisch, wenn mehr als eine Person auf das Bild möchte. Als überflüssig empfinden wir die Möglichkeit, Selfies automatisch zu retuschieren. Die Ergebnisse sehen irgendwie unscharf aus und es gehen Details verloren. Dafür sind spezielle Portrait-Apps wie facetune definitiv besser geeignet – wenn man denn auf manipulierte Fotos steht.

Dank Weitwinkel geht einfach mehr auf ein Selfie.

Für den Alltagsgebrauch ist das K10 mit zwei GByte Arbeitsspeicher ausreichend ausgestattet. Der 1,5-GHz-Octacore-Prozessor von MediaTek sorgt für eine flüssige Performance ohne Ruckler oder lästig lange Ladezeiten. Im AnTuTu-Benchmark erreicht das K10 eine anständige Gesamtpunktzahl von 39712. Zum Vergleich, das Einsteiger-Smartphone HTC Desire 530 schafft nur einen Wert von 23242 Punkten, das letztjährige Sony Xperia XA hingegen schafft trotz eines noch niedrigeren Preises satte 46740 Punkte.

Die Gaming-Performance ist mit Mid-Level angegeben; das ist ein ausreichendes Ergebnis für so ein günstiges Handy. Das leistungshungrige Spiel Asphalt 8 beispielsweise läuft ohne nennenswerte Ruckler. Gerade grafisch anspruchsvolle Spiele benötigen allerdings auch jede Menge Platz. Das ist insofern schwierig, da etwa die Hälfte des internen Speichers bereits von Android und den vorinstallierten Apps belegt ist. Leider ist es bis jetzt nicht möglich, alle Daten einfach auf die Micro-SD-Karte auszulagern.

Wir finden gut, dass der Akku austauschbar ist. Das Wechseln ist insbesondere dann sinnvoll, wenn das Gerät schon etwas älter ist und die Leistung nachläßt. Wer also plant, sein Smartphone lange zu benutzen, sollte auf dieses Merkmal achten. Angenehm, wenn das K10 für einen Austausch nicht gleich in die Werkstatt muss.

Die 2800 mAh sind ausreichend, um das LG den ganzen Tag mit Energie zu versorgen. Bei nur gelegentlicher Nutzung hält das K10 sogar bis zu zwei Tage durch. Das ist angesichts des großen Bildschirms und im Hinblick auf die Konkurrenz eine wirklich gute Leistung: Das leistungsstarke Xperia XA beispielsweise hält maximal einen Tag lang durch; aber auch nur dann, wenn man es nicht intensiv nutzt.

SIM- und Micro-SD-Karte werden hintereinander eingesetzt.

Als Betriebssystem ist das aktuelle Android 7 vorinstalliert; das ist gerade in dieser Preisklasse leider nicht Standard und ein absoluter Pluspunkt. Viele Geräte, für die Android „Nougat“ bereits angekündigt wurde, warten derzeit noch auf das Update. Neben sicherheitsrelevanten Aspekten und einigen kleineren Änderungen beispielsweise in der Systemsteuerung finden wir vor allem die Multi-Window-Funktion sehr praktisch: Damit lassen sich zwei Apps parallel nebeneinander darstellen. Dies ist in der Praxis wirklich sehr angenehm – endlich entfällt das Wechseln von App zu App, wenn man beispielsweise etwas vergleichen möchte. Leider unterstützen noch nicht alle Apps diese Funktion.

Zwei Apps nebeneinander sind dank aktuellem Android möglich.

Die Oberfläche des K10 wirkt trotz einiger vorinstallierter Apps angenehm aufgeräumt und übersichtlich. LG konzentriert sich auf das wirklich Wichtigste. Abgesehen von Evernote gibt es keine Bloatware auf dem Gerät. Die Anzahl der vorinstallierten Programme ist somit deutlich niedriger als bei anderen Modellen. Gut so, denn alles, was wir brauchen, finden wir im Google Play Store.

Der Lieferumfang ist gewohnt knapp gehalten und beinhaltet lediglich das Smartphone, einfache In-Ear-Kopfhörer, ein Micro-USB-Kabel und das passende 5V-Netzteil.

Das K10 gefällt uns besonders wegen des erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Eine UVP von knapp über 200 Euro und ein tatsächlicher Marktpreis von aktuell 199 Euro für ein wirklich schönes und aktuelles Gerät, das geht absolut in Ordnung. Da Android Nougat bereits installiert ist, muss man sich auch erst einmal keine Gedanken wegen eines Updates machen – ob und welche Updates dann aber kommen, steht allerdings in den Sternen.

Wer plant, das K10 für mehrere Jahre zu nutzen, profitiert vom austauschbaren Akku. Die Hardware ist ausreichend schnell; auch Spielen ist kein Problem – auch wenn die Leistung natürlich nicht an die von High-End-Geräten herankommt. Das Display sieht in der Praxis erstaunlicherweise weit besser aus, als es der niedrige ppi-Wert vermuten lässt. Wer mit 16 GByte internen Speicher, einem Standard-HD-Display und einem Kunststoffgehäuse leben kann, ist mit dem LG gut beraten.

Wer eine Spitzenkamera oder noch mehr Leistung braucht, sollte einen Blick auf das Xperia XA werfen. Ein besseres Display gibt es in dieser Preisklasse beispielsweise beim Honor 5c. Weitere Android-7-Geräte unter 200 Euro finden sich in unserer Marktübersicht.

Eines haben allerdings all diese Smartphones gemeinsam: durch den niedrigen Preis geht der Käufer automatisch Kompromisse ein. Wer sowohl eine sehr hochwertige Kamera als auch ein High-End-Display und zusätzlich jede Menge Speicher braucht, muss einfach tiefer in die Tasche greifen.

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