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HTC One mini im Vorab-Test: Schicker als der große Bruder?

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Fast alle Gerüchte haben sich bewahrheitet: HTC bringt mit dem One mini den kleinen Bruder des "großen" One – mit erfreulich vielen Gemeinsamkeiten und absolut ertragbarem Verzicht.

Eins ist klar: Das One mini muss günstiger sein als sein großer Bruder. Frei nach Samsung mit dem Galaxy S3 Mini respektive Galaxy S4 Mini möchte HTC ein Massenmodell auf den Markt schieben. Für diejenigen, die nicht gleich fünf- oder sechshundert Euro ausgeben wollen, sprich: Für die "Ein-Euro-mit-Vertrag"-Käufer. Nur: Günstig bedeutet Verzicht.

Hands-on mit dem neuen HTC One mini im Video

Erster Punkt: das Gehäuse. Hier hat HTC mit dem Alu-Unibody des One ordentlich vorgelegt. Und man wird doch wohl nicht etwa auf schnödes Plastik setzen, um die Kosten zu drücken?! Nein! Wird man nicht. Auf den ersten Blick gleicht das One mini seinem großen Bruder wie ein Ei dem anderen. Nur wer genau hinsieht, bemerkt feine Unterschiede im Detail. Die Rückseite ist hier wie dort aus mattem Alu gefräst, der Rahmen ist aus Kunststoff gefertigt. Das fällt beim Kleinen stärker auf als beim Großen, denn das Plastik zieht sich bis in die Front und ist glänzend statt matt. Man könnte fast sagen: Es ist eine kleine Spur von Samsung zu entdecken – aber der Unterschied zu einem S4 Mini ist dennoch groß: Dank des hohen Metallanteils auf der Rückseite wirkt das One mini deutlich hochwertiger.

Links das große, rechts das kleine Modell. Offensichtliches Unterscheidungsmerkmal: Dem mini fehlt der isolierende Kunststoffstreifen oberhalb der Kamera.

Auf den ersten Blick sieht auch die Vorderseite sehr bekannt aus. Das Display des mini misst zwar mit 4,3 Zoll 0,4 Zoll weniger in der Diagonalen; ober- und unterhalb gibt es aber auch hier jeweils einen Lautsprecher. Während HTC beim großen One auf Blenden aus Aluminium setzt, kommt beim kleinen Modell ein anderes Material zum Einsatz. Was das genau ist, wissen wir nicht. Wir würden auf aufgerauhtes Glas tippen, es kann aber auch eine ungewöhnliche Kunststoffzusammensetzung oder ein Metall sein. Bei der geringen Anzahl an Prototypen, die derzeit zur Verfügung stehen, haben wir uns einen Kratztest lieber gespart ;-) Apropos: Die Scheibe über dem Display besteht aus Gorilla Glass 3 von Corning.

Die Oberseite trägt den Ein-Aus-Taster, der einfach aus Kunststoff gefertigt ist und nicht, wie das große Modell, eine Infrarot-Schnittstelle integriert. Weiter rechts sitzt die Klinkenbuchse. Am rechten Rand sind zwei einzelne Tasten zur Regelung der Lautstärke anstelle eines Wippschalters, unten befindet sich die Micro-USB-Buchse, links der versenkte Micro-SIM-Slot. Hier kann man eine potentielle Schwachstelle des One mini erahnen: Durch häufige Wechsel der SIM-Karte beim Prototypen zeigt der Plastik-Rahmen schon leichte Ermüdungserscheinungen – sprich Kratzer und Abschabungen. Also: Vorsicht mit der Büroklammer.

Vorsicht mit dem Werkzeug: Kunststoff ist empfindlich.

Zunächst eine Warnung – oder Entwarnung, je nach Standpunkt: "Mini" ist das One mini definitiv nicht. Mit seinem 4,3 Zoll großem Display liegt es zwar deutlich besser in der Hand als das große Modell, doch im direkten Vergleich ist der Größenunterschied marginal. Nur ein paar Millimeter steht das One über.

Gefühlt ist der Größenunterschied gewaltig – und im direkten Vergleich erschreckend gering.

Beim Display setzt HTC auf ein LCD-Panel mit HD-ready-Auflösung, also 1280 × 720 Pixel. Das 4,7 Zoll große Display des One löst Full-HD mit 1920 × 1080 Pixel auf. Auf dem Papier ist das ein großer Unterschied – in der Praxis fällt das hingegen kaum auf. Denn selbst das One mini hat noch eine Pixeldichte von 342 ppi. Damit ist das Display schärfer als das des iPhone 5, das auf 326 ppi kommt. Na klar, das große One erreicht mit 469 ppi einen noch deutlich höheren Wert, doch den Unterschied sieht man nur, wenn beide Geräte direkt nebeneinander liegen.

In unserer Helligkeitsmessung kommt das Display des One mini auf gut 430 cd²/m, ein anderes Modell erreichte sogar noch höhere Werte. Das entspricht dem Niveau des HTC One und sorgt auch in hellen Umgebungen noch für eine ordentliche Lesbarkeit. Bei direkter Sonneneinstrahlung dürfte es allerdings knapp werden. BlackBerry zeigt, dass es deutlich heller geht. Die Schwarzwerte – und damit der Kontrast – sind okay, wobei das große One hier bessere Werte erreicht als das günstigere, kleine Modell.

In dunklen Umgebungen ist die Display-Darstellung farbenfroh, gut zu lesen und gestochen scharf.
Um gegen die direkt einstrahlende Sonne anzukämpfen, hat das Display aber zu wenig Power.

Die Farbdarstellung wirkt kräftig und realistisch, aber wie bei LC-Displays üblich, eben nicht so peppig wie die von AMOLEDs. Bei den Blickwinkeln haben wir keinen Grund, uns zu beschweren.

Die meisten Gerüchte rund um das One mini waren korrekt – aber bei der Kamera stand lange Zeit ein großes Fragezeichen. Nun wissen wir: Hier kommt fast die Kamera zum Einsatz, die wir schon kennen. Auf den ersten Blick ist sie sogar komplett identisch, schließlich gibt HTC wie beim One "4 Ultrapixel" an. Eigentlich sind das "nur" 4 Megapixel, die sich allerdings auf einem vergleichsweise großen Bildsensor verteilen. Damit kann jeder einzelne Bildpunkt mehr Licht einfangen. Das reduziert das Bildrauschen und erhöht die Qualität der Bilder in dunklen Umgebungen. Der Preis dafür ist die niedrigere Auflösung – und damit gibt es einfach weniger Details bei Fotos, die im Hellen aufgenommen wurden. Für Facebook und Ausdrucke in Postkartengröße reichen die vier Megapixel aber problemlos aus.

Erfreulich: Die Linse der Kamera ist leicht nach unten versetzt – das verhindert Kratzer.

Und was heißt nun "fast identisch"? Ganz einfach: Den optischen Bildstabilisator gibt es beim One mini nicht. Das spart weiter Geld, könnte aber dazu führen, das Bilder vor allem im Dunkeln schneller verwackeln. Ausführliche Tests stehen noch aus.

Dafür bekommen wir beim kleinen HTC aber auch Zoe und die anderen feinen Optionen, die die Kamera des One so liebenswert machen. Wer sich auf Zoe verlässt, schießt künftig keine schnöden Standbilder mehr, sondern grundsätzlich kurze Videoclips. Daraus lassen sich Fotos in voller Auflösung extrahieren, um sie zum Beispiel auf Facebook zu stellen oder per E-Mail zu versenden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Bild zu haben, bei dem das Timing perfekt ist. Außerdem bastelt Zoe auf Wunsch vollautomatisch kleine Videoclips zusammen – einen 30-Sekünder über den Tag am See oder im Freizeitpark zum Beispiel. Neu beim One mini: Wer möchte, kann jetzt auch eigene Lieder in den Hintergrund einspielen. Hier haben wir ausführlich über Zoe berichtet.

Zumindest auf dem Papier gibt es den von HTC als "Boom Sound" bezeichneten Effekt auch beim günstigeren Modell. Ober- und unterhalb des Displays befindet sich je ein Lautsprecher. Die Position ist so genial, dass man sich fragt, warum nicht andere Hersteller auf diese Idee kommen – schließlich wird der Zuschauer oder -Hörer direkt beschallt, statt den Ton wie sonst üblich auf der Unter- oder Rückseite auszugeben. Und zum anderen ermöglicht das einen Stereo-Effekt.

Ein Lautsprecher oben, einer unten – und beide auf den Nutzer gerichtet.

Bei einem ersten kurzen Test hinterlassen die Lautsprecherchen einen sehr ordentlichen Eindruck. Der direkte Vergleich zum One sowie zum iPhone 5 steht aber noch aus, ebenso der Test der mitgelieferten Kopfhörer und der Leistung der Klinkenbuchse.

Auf dem mini läuft Android in der aktuellen Version 4.2.2, ergänzt um HTCs Sense-Oberfläche in der Version 5. Damit gibt es keinen offensichtlichen Unterschied zum großen One. Die klassische Android-Oberfläche mit mehreren, frei konfigurierbaren Homescreens wird ergänzt um BlinkFeed. Das ist Übersicht, die Neuigkeiten aus den Sozialen Netzen sowie Nachrichten aus verschiedenen, abonnierbaren Quellen optisch hübsch zusammenfasst. Übrigens: Ihr könnt auch TechStage in BlinkFeed abonnieren.

HTCs Oberfläche gehört traditionell zu den beliebteren im Markt. Das gilt auch für die aktuelle Version. Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt Sense wenig verspielt und ziemlich ausgereift und behält gleichzeitig mit dem klassischen App Drawer und den konfigurierbaren Homescreens eine gesunde Nähe zu Vanilla Android. Wer sich mit Sense nicht anfreunden kann, hat Android-typisch die Möglichkeit, einen alternativen Launcher zu installieren. Eine Ausführung des One mini mit Vanilla Android ab Werk hat HTC im Gegensatz zum großen One bisher nicht angekündigt.

Merkwürdig: Die 1,6-Megapixel-Auflösung der Frontkamera ist ungewöhnlich. Üblich sind 1,3 (HD-ready) oder 1,9 (Full-HD) Millionen Bildpunkte.

Im Inneren werkelt ein Snapdragon 400 mit zwei Rechenkernen und einer Taktfrequenz von 1,4 GHz. Dazu gibt es 1 GByte RAM. Im Vergleich zum Quadcore-Snapdragon-600 und dem doppelten Arbeitsspeicher des großen Bruders ist hier der Verzicht unübersehbar. Das geben natürlich auch die Benchmark-Ergebnisse wieder. Im Antutu erreichte unser mini-Prototyp 11192 Punkte. Das HTC One legt hier einen ungefähr doppelt so guten Wert aufs Parkett.

In der Praxis spielt der Unterschied keine so gewichtige Rolle. Aktuelle Android-Smartphones in dieser Preisklasse funktionieren flüssig und ruckelfrei und sind in der Lage, alle Apps zu starten, die der Play Store hergibt. Auch der Wechsel von Anwendungen klappt flüssig. Nur Fans von wirklich rechenintensiven Programmen wie Video-Schnitt oder von anspruchsvollen 3D-Games werden hier einen Unterschied merken. Allerdings: Das gilt jetzt. Mit immer höher werdender Leistung der Smartphones wächst der Ressourcen-Hunger der Anwendungen und Spiele. Und da wird es beim One mini einfach mindestens ein Jahr früher ruckeln als beim One. Bis dahin dürfte aber noch einige Zeit vergehen.

Mit seinem nicht wechselbaren 1800-mAh-Akku ist das kleine HTC nicht gerade ein Rekordhalter. Das Galaxy S4 Mini bringt es auf 1900 mAh. Zwar sind die Stromfresser im Vergleich zum One auch etwas reduziert: Das energiehungrige Display fällt kleiner und niedriger auflösend aus, und die CPU ist langsamer. Aber wir befürchten, dass der Akku dennoch nicht so lange durchhält wie beim One. Doch das müssen erst ausführliche Tests zeigen.

Klein gegen groß: Man muss an der Front genau hinsehen, um die Unterschiede zu erkennen.

Die folgende Tabelle informiert über die technischen Daten des HTC One mini. Hier findet ihr den Vergleich von HTC One mini und Galaxy S4 Mini und könnt in unserer Produktdatenbank auch eigene Vergleichstabellen zusammenstellen.

Hersteller HTC
Straßenpreis unbekannt
Betriebssystem Android
Display 4,30 Zoll / IPS-LCD
Auflösung 1280 × 720 Pixel / 342 ppi
Kamera 4 Megapixel / BSI-CMOS
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Bildstabilisator nein
Auflösung (Video) 1920 x 1080
Frontkamera 1,6 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 400 / 1,4 GHz / 2 Kerne
Speicherkartenslot nein / k. A.
LTE ja / 800, 1800, 2600
WLAN 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4
NFC nein
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter ja / nein
Akku-Kapazität 1800 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A.
Abmessung 63 × 132 × 9.4 mm
Gewicht 122 Gramm

Lecker! Viel mehr fällt uns nicht ein. Der Formfaktor ist sogar sympathischer als der des großen Bruders, denn es liegt einfach gut in der Hand. Nur eine kleine, minimal scharfe Kante am Übergang zwischen Kunststoff und Alu stört uns etwas – und das Plastik des Rahmens muss erst noch beweisen, dass es auch nach einigen Monaten im harten Alltagseinsatz noch annehmbar aussieht. Dazu gesellt sich eine für Android-Smartphones wirklich vorbildliche Software mit netten Zusatzfunktionen wie Zoe.

Außerdem gebührt HTC ein großes Lob für die Sparmaßnahmen. Die Taiwaner haben es geschafft, ihr Flaggschiff eine Stufe günstiger zu bauen – und zwar ohne, dass man die Unterschiede auf den ersten Blick sehen würde. Zwar stehen die ausführlichen Tests noch aus, aber bereits ein erstes Hands-on in Kombination mit dem Blick aufs Datenblatt bringt bei uns eine klare Präferenz zu HTC im Vergleich zum Galaxy S4 Mini von Samsung.

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