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HTC One: Technische Daten, Hands-on, Fotos und Video

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Am heutigen Dienstag hat HTC sein neues Android-Topmodell gezeigt, das vor allem mit seinem Full-HD-Display, einem hochwertigen Alu-Gehäuse und mit einem mutigen Kamera-Konzept glänzen will. Gerüchte dazu sind vorab unter dem Namen HTC M7 durchs Netz gegangen. M7 ist tatsächlich der interne Codenamen des Smartphones, das ab März als HTC One in Deutschland erhältlich sein wird. Wir hatten bereits die Möglichkeit, uns das HTC One im Detail anzusehen und zeigen alle technischen Daten, Bilder und ein ausführliches Hands-on-Video.

Das HTC One hat wahlweise ein schwarzes oder silbernes Aluminium-Gehäuse. Auf Rückfrage sagten uns die Produktmanager von HTC, dass das schwarze Modell nicht so kratzempfindlich sein soll wie das iPhone 5 – natürlich, was sollen sie auch anderes sagen. Wir werden das baldmöglichst testen.

Die Rückseite ist gebogen. Am höchsten Punkt in der Mitte geht das Gerät 9,3 Millimetern in die Höhe, an den Seiten ist es nur 4 bis 5 Millimeter dick.Die bisherigen Kunststoff-Elemente, die HTC gerne im oberen und unteren Bereich des Gehäuses verbaut hat, um die Antennen darunter zu verbergen, hat das One nicht. Dafür ziehen sich ein paar dünne Kunststoff-Isolatoren durch das Metall – ähnlich wie am Rahmen von iPhone 4, 4S und 5. Der Kunststoff ist höhengleich zum Metall. Wenn wir mit dem Finger über das Gehäuse streifen, merken wir keine Kanten.

Der Rand zwischen Ober- und Unterseite des Gehäuses ist übrigens nicht aus Metall, sondern aus Polycarbonat. Was auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken mag, stört in der Praxis nicht, denn das Metall überdeckt den Rahmen auf beiden Seiten. Nur links und rechts von der Displayscheibe kommt noch ein dünner Streifen Kunststoff zum Vorschein.

Auf der Oberseite sitzen Klinkenbuchse (links) und Ein-Aus-Taster. Letzterer ist aus schwarzem Kunststoff, während der Wippschalter zur Lautstärkeregelung auf der rechten Seite aus Metall gefertigt ist. Der Grund für den Plastikeinsatz: Hinter der schwarzen Kappe befinden sich Infrarot-Dioden, dank derer das HTC One zur Universalfernbedienung wird. Die nötige Software ist vorinstalliert.

Auf der linken Gehäuseseite befindet sich der Slot für die Micro-SIM. Einen weiteren Einschub für eine Speicherkarte gibt es ebensowenig wie die Möglichkeit, das Gehäuse zu öffnen, um den Akku auszutauschen. Das HTC One misst 13,7 mal 6,8 Zentimeter und bringt 143 Gramm auf die Waage.

Auf der Front dominiert das 4,7 Zoll große Display. Es handelt sich dabei um ein LCD mit Full-HD-Auflösung. Bei dieser Diagonale bedeutet das eine Pixeldichte von rekordverdächtigen 468 Pixel pro Zoll (ppi). Zum Vergleich: Das iPhone 5 kommt mit seinem Retina-Display gerade einmal auf 326 ppi. In der Praxis hinterlässt die Anzeige einen hervorragenden Eindruck. Die Schwarzwerte sind sehr gut und verändern sich auch nicht, wenn wir seitlich von den Ecken her aufs Display blicken – das ist die übliche Schwachstelle bei LCDs. Die Farben wirken kräftig und akkurat. Ein genauer Test steht aber erst noch aus. Unter dem Display-Panel haben zwei Android-Tasten für Home und Zurück ihren Platz auf der Glasfläche gefunden. Menü oder einen Taskswitcher gibt es nicht mehr, zwischen den Soft-Touch-Buttons prangt das HTC-Logo.

Im Inneren kommt nicht, wie vorab teilweise vermutet, ein Achtkern-Prozessor zum Einsatz. HTC bleibt seinem Haus- und Hof-Chiplieferanten Qualcomm treu. Im Inneren arbeitet der neue Snapdragon 600 mit vier Kernen und 1,7 GHz Taktfrequenz. Dazu gibt es 2 GByte RAM und 32 GByte internen Speicher.

Das Mobilfunkmodul unterstützt Quad-Band-GSM, HSPA mit bis zu 42 MBit/s im Downstream sowie über Tri-Band-LTE. Bei LTE unterstützt das HTC One die in Deutschland gebräuchlichen Frequenzen 800 und 2600 MHz; außerdem 1800 MHz. Zusätzlich stehen Bluetooth 4.0, WLAN nach 802.11 a/ac/b/g/n sowie GPS, Glonass und NFC zur Verfügung.

Wie bereits bei Leak-Fotos im Vorhinein zu sehen war, hat das HTC One tatsächlich Stereo-Lautsprecher. Sie sind ober- und unterhalb des Displays auf der Vorderseite angebracht. Damit entfällt der Klingeltonlautsprecher auf der Rückseite. Laut HTC soll das One bei der Wiedergabe von Sound viermal lauter sein als das iPhone 5. Im Praxistest können wir das auf Anhieb nicht bestätigen. Ja, es ist laut, und ja es klingt verhältnismäßig gut – aber rekordverdächtig, wie die Angabe klingt, kommt es uns nicht vor. Auf Rückfrage sagte uns ein Vertreter von HTC, dass es auch mit der Messmethode zusammenhängt. Bei einem Abstand von einem Meter wirken sich eben auch die beim Blick aufs Display frontal auf den Nutzer ausgerichteten Lautsprecher positiv aus. HTC nennt seine Audio-Technik übrigens BoomSound und druckt weiterhin das Beats-Logo auf die Rückseite des Gehäuses.

Der LiPo-Akku im Inneren hat eine Kapazität von 2300 mAh. Laut Hersteller reicht das für ein 26-stündiges Dauertelefonat per GSM oder fast 18 Stunden per UMTS sowie für circa 18 Tage Standby-Betrieb. Werte für aktive Nutzung, etwa Surfen im Internet oder das Betrachten von Videos, nennen die Taiwaner nicht. In der Praxis dürften die Werte deutlich darunter liegen – wir erwarten, dass auch das One im Alltagsbetrieb täglich an die Steckdose muss.

Das Rätsel um die sagenumwobenen Ultrapixel ist gelöst! Unsere Vermutungen im Vorfeld, dass HTC entweder drei Bildsensoren, einen Lichtfeld-Sensor oder ein Foveon-X3-Sensor einsetzen könnte, haben sich nicht bestätigt. Auch die Vermutung, dass das Unternehmen einen Weg wie Nokia bei seinem 808 PureView mit 41-Megapixel-Sensor einschlagen könnte, ist falsch.

Stattdessen sind die Taiwaner erfreulich mutig – und verpassen ihrem Flaggschiff einen 4-Megapixel-Sensor. Was sich auf Anhieb nicht gerade nach einer erfolgreichen Sieger-Strategie anhört, ist eigentlich ganz intelligent. Die Fläche des Bildsensors ist nämlich vergleichbar groß wie bei Konkurrenzsmartphones mit bis zu 13 Megapixeln. HTC gibt 1/3" an, Apple verpasst dem iPhone 5 einen mit 1/3,2" minimal kleineren Chip – wobei wir nicht sicher wissen, ob HTC den Wert nicht gerundet hat. Unabhängig davon bedeutet der Verzicht auf Millionen Pixel in der Praxis, dass jeder einzelne Bildpunkt auf dem Foto-Chip eine deutlich größere Fläche hat und viel mehr Licht einfällt. Und das wiederum führt zu einer deutlich höheren Bildqualität in dunklen Umgebungen, zu weniger Verwacklern sowie zu weniger Bildrauschen.

Soweit die Theorie. Die Testfotos, die HTC uns gezeigt hat, bestätigen diesen Eindruck logischerweise. Dennoch müssen wir hier zunächst abwarten, bis wir ein finales Testgerät in die Finger bekommen, um die Leistung der Kamera tatsächlich bewerten zu können. Zusätzlich zum lichtempfindlichen Chip gibt es beim HTC One einen optischen Bildstabilisator, wie ihn auch Nokia im Lumia 920 verbaut.

Die Frontkamera kennen wir schon aus dem Windows-Smartphone HTC 8x. Dort wurde sie mit ihren 2,1 Megapixeln als Highlight beworben, da sie vergleichsweise lichtempfindlich ist und einen mit 88 Grad besonders großen Öffnungswinkel bietet, der Selbstporträts und Gruppenaufnahmen vereinfacht.

Auf dem von uns untersuchten Vorseriengerät läuft Android in der Version 4.1.2 (Jellybean). Bis zum Verkaufsstart, der Mitte März sein soll, ist ein Update auf Android 4.2 möglich, aber durch HTC noch nicht final bestätigt.

Die Oberfläche hingegen ist final. Es kommt erstmals die neue Version 5 von HTCs eigenem Sense-Interface zum Einsatz. Das auffälligste Merkmal ist der fast vollständige Verzicht auf die klassischen Android-Homescreens. Der Grund dafür: Untersuchungen von HTC hätten ergeben, dass immerhin 35 Prozent aller Nutzer nur einen einzigen Homescreen einsetzt und gigantische 80 Prozent drei oder weniger. Und, obwohl das Prinzip der Widgets eigentlich genial ist, kommen sie in der Praxis kaum zum Einsatz.

Die neue Startseite hört auf den Namen BlinkFeed. Optisch erinnert sie auf den ersten Blick ein wenig an die Kacheln von Windows Phone, allerdings verweisen die einzelnen Elemente nicht auf Apps, sondern auf News oder andere Inhalte im Internet. Was hier auftaucht, definiert der Nutzer über seine Vorlieben und über das, was über die Social Networks eingeht. Zusätzlich tauchen E-Mails und Kalender-Einträge auf dieser Seite auf.

Ein Fingertipp auf das Menü-Icon in der Mitte des unteren Bereichs zeigt den App-Drawer, in dem die Logos aller installierten Anwendungen auftauchen. Der Anwender kann das Raster festlegen, wie viele der kleinen Symbole gleichzeitig zu sehen sein sollen, kann die Position ändern und erstmals an dieser Stelle auch Icons per Drag-and-Drop übereinander ziehen und somit Ordner anlegen.

Wer von rechts nach links über den Homescreen wischt, bekommt den einzigen klassischen Android-Homescreen zu sehen. Standardmäßig gibt es hier nur das Google-Suchwidget. Wie gehabt lässt sich der Homescreen aber anpassen und mit weiteren Icons und Widgets versehen – und wer auf den klassischen Android-Look nicht verzichten mag, kann auch weitere Homescreen-Seiten hinzufügen.

Auf den ersten Blick wirkt das neue HTC Sense 5 auf uns sehr attraktiv und aufgeräumt. Der BlinkFeed ist eine tolle Idee, aber inwieweit das Konzept in der Praxis wirklich überzeugt, ob beispielsweise Termine einlaufen und gut zu erkennen sind, müssen wir ausprobieren.

Die folgende Tabelle zeigt das Datenblatt des HTC One im Überblick.

Technische Daten: HTC One
Hersteller HTC
Gerät One
Display 4,7 Zoll LCD
Auflösung 1920 × 1080, 468 ppi
Prozessor Qualcomm Snapdragon 600, Quad-Core 1,7 GHz
Arbeitsspeicher 2 GByte
interner Speicher 32 GByte
Speicherkartenslot nein
SIM-Kartenslot Micro-SIM
Kamera 4 Megapixel
Bildsensor 1/3" BSI
Foto-LED ja
Frontkamera 2,1 Megapixel
GSM Quad-Band
HSPA bis 42,2 MBit/s
LTE 800/1800/2600 MHz, bis 100 MBit/s
NFC ja
GPS ja
Bluetooth 4.0
WLAN 802.11 a/ac/b/g/n
Anschlüsse Micro-USB mit MHL, 3,5-Millimeter-Klinke, IR-Diode als Universalfernbedienung unter Ein-Aus-Taster
Betriebssystem Android 4.1.2
Akku 2300 mAh LiPo
Akkulaufzeit 1061 bis 1574 Min. Gesprächszeit, 442 bis 479 Stunden Standby laut Hersteller
Abmessungen 13,7 × 6,8 × 0,9 cm
Gewicht 143 Gramm
UVP ca. 670 Euro
Verkaufsstart ca. Mitte März 2013

Mit dem One könnte HTC es schaffen, das dringend benötigte Erfolgsmodell auf den Markt zu werfen. Die Hardware wirkt erfreulich solide und sexy, das Gerät ist nicht übertrieben groß, hervorragend verarbeitet und sehr gut ausgestattet. Auch die Kamera könnte in der Praxis viele Freunde finden, wobei der Verzicht auf die Megapixel sehr mutig ist – wer nur die technischen Daten vergleicht, greift eventuell schnell zur Konkurrenz.

Auch die neue Oberfläche macht optisch einen sehr guten Eindruck. Wie sie sich in der Praxis schlägt, muss sie aber ebenso noch beweisen wie die Kamera die Qualität ihrer Aufnahmen.

Positiv auf den Verkaufserfolg könnte sich auswirken, dass sich der Hersteller ausschließlich auf dieses Gerät konzentriert. Es wird zum Mobile World Congress keine anderen Modelle geben, keine Windows Phones, nichts größeres und nichts kleineres. Sollte der Plan allerdings nicht aufgehen, dürfte HTC noch dünnere Luft zum Atmen bleiben. Blöd für die Taiwaner: Angeblich will Samsung sein neues Top-Modell Galaxy S4 am 14. März präsentieren – das ist in etwa der Termin für den Verkaufsstart des HTC One. Und mit einem Preis von 670 Euro ist das Gerät sicherlich kein Schnäppchen. Dennoch wird es mindestens 100 Euro billiger sein als ein vergleichbar ausgestattetes iPhone 5.

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