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Günstig, aber nicht gut: Alcatel One Touch Fire E mit Firefox OS

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Alcatels One Touch Fire E ist ein ganz besonderes Smartphone. Nicht aufgrund seines Designs oder der eher spartanischen Ausstattung: Hier geht es um die Software. Es ist eines der wenigen Smartphones mit Mozillas Android-Alternative Firefox OS. Das Betriebssystem ist nicht gerade weit verbreitet – was vielleicht daran liegt, dass es noch kein wirklich attraktives Smartphone mit Firefox OS auf den Markt geschafft hat. Kann Alcatel One Touch das mit dem Fire E ändern und ist Firefox OS auf dem Weg, eine ernstzunehmende Konkurrenz für Android OS zu werden – außerdem gibt es große Netzanbieter wie o2 Telefónica Germany, die sich für das Betriebssystem einsetzen? Das und mehr erfahrt Ihr in unserem Testbericht.

Ein Blick auf das Datenblatt verrät schnell: Es handelt sich bei dem Fire E um ein Einsteiger-Smartphone. Ein 4,5 Zoll großes LCDisplay, ein 1,2 GHz starker Dual-Core-Prozessor mit 512 MByte RAM und 4 GByte interner Speicher, der über eine microSDHC-Speicherkarte um bis zu 32 GByte erweiterbar ist. Die primäre Kamera löst 5 Megapixel auf und wird gegebenenfalls von einer kleinen LED unterstützt. Bei Selbstportraits muss man sich mit VGA-Auflösung zufrieden geben – also mit 0,3 Megapixeln. Mit der Außenwelt verbindet es sich über WLAN und Bluetooth. LTE gibt es nicht, aber HSPA mit maximal 42 MBit/s. Der fest verbaute Akku hat eine Kapazität von 1700 mAh.

Das Fire E sieht unauffällig und unspektakulär aus. Bis auf einen Soft-Touch-Button und der silbernen Hörmuschel erscheint die Front komplett schwarz. Der Rand unter dem Display fällt etwas groß aus – das wirkt unmodern. Auf der Rückseite ist es weniger ruhig, dort befindet sich neben einem Herstellerlogo ein Firefox-OS-Schriftzug. Die Kamera ragt – ganz im Stil der neuen iPhones – etwas aus dem Gehäuse heraus. Der Deckel auf der Rückseite ist nicht abnehmbar. Die Slots für microSDHC-Speicherkarte und microSIM sind von außen erreichbar.

Mit einer Masse von 103g und der leicht abgerundeten Kanten liegt das Fire E sehr fest in der Hand. Das Smartphone ist gut verarbeitet, die Spaltmaße stimmen, alles ist fest, nichts klappert oder knarzt. Einzig die Tasten an der Seite sind nicht optimal. Der Druckpunkt ist uns etwas zu schwach und sie sitzen nicht fest. Eine Einhandbedienung ist problemlos möglich. Man merkt, dass das Fire E kein teures Smartphone ist, aber es ist nicht das typische Einsteiger-Smartphone. Es wirkt teurer, als es in Wahrheit ist.

Kommen wir zu dem Punkt, der das Fire E zu dem Smartphone macht, was es ist: Firefox OS in der Version 1.3. Firefox OS setzt komplett auf offene Web-Technologien. Im Klartext: Die Oberfläche verhält sich fast wie ein großer Browser. Das System ist zudem ein Open-Source-Projekt.

Firefox OS ist schlicht und einfach aufgebaut. Anwender, die vorher ein anderes Smartphone-Betriebssystem genutzt haben, werden sich schnell einfinden. Es gibt keine Widgets und keine Homescreens, wie man sie von Android kennt – stattdessen hauptsächlich einen App-Drawer. Er bietet Zugriff auf eine universale Suche; außerdem bietet Firefox OS eine Benachrichtigungsleiste. Der Funktionsumfang und die Individualisierungsmöglichkeiten sind groß, das System gefällt uns.

Es sind eine Menge Applikationen vorinstalliert. So sieht es jedenfalls auf den ersten Blick aus. Die meisten „Apps“ sind aber nur Lesezeichen zu der jeweiligen Web-Präsenz. Das Angebot „echter“ Apps ist stark limitiert. Es gibt ein paar Spiele und eine Handvoll mehr oder minder interessanter Programme, aber sehr viel fehlt: Auf WhatsApp, Instagram und Co. muss man verzichten. Das dürfte für die Masse der potentiellen Käufer, vor allem für Schüler, ein K.O.-Kriterium sein. Auch sollte man das Smartphone nicht kaufen und erwarten, dass die eigenen Lieblings-Apps noch kommen werden.

Wir haben geschrieben, dass uns das System grundsätzlich gefällt: Es ist einfach zu benutzen und bietet viele Funktionen. Aber abseits des geringen App-Angebots wartet noch ein weiteres Problem auf die potentiellen Käufer: die miese Performance. Das Fire E ist verdammt träge. Es ruckelt, reagiert ab und zu gar nicht und gönnt sich viel Zeit für die einfachsten Aufgaben. Ob es an dem 1,2 GHz schnellen Prozessor, dem mit 512 MByte eher kleinen Arbeitsspeicher oder an Firefox OS selbst liegt, können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Fakt ist aber, dass sich im Jahre 2014 keiner mehr mit so einer Performance zufrieden gibt.

Das 4,5 Zoll große LCDisplay löst 960 × 540 Pixel auf, die Pixeldichte – und damit die Schärfe – beträgt 245 ppi. Das ist für diesen Preisbereich okay, aber dennoch nicht sonderlich scharf; einzelne Bildpunkte sind deutlich zu erkennen. Die Farben wirken etwas blass und es mangelt insgesamt an der Helligkeit. Das größte Problem ist aber das Touchscreen-Panel: Beim Tippen kommt es häufig zu Fehleingaben. Das nervt und raubt jeden Spaß.

Die Anzeige ist typisch für Einsteiger-Smartphones. Motorola und Co. zeigen aber, dass man auch mehr für sein Geld bekommen kann.

Auf der Rückseite verbirgt sich die Linse der Digicam hinter dem Buckel. Der Sensor hat eine Auflösung von 5. Die Kamera hat einen Autofokus und einen 4-fachen digitalen Zoom zu bieten. Zusätzlich gibt es eine kleine LED für Aufnahmen in dunklen Umgebungen.

Die Qualität der Fotos ist in Ordnung. Die Farben und Kontraste sind in okay, weniger gut gefällt uns die Schärfe der Fotos. Außerdem ist der Autofokus teilweise sehr langsam. Wenn es dunkler ist, wird die Kamera unbrauchbar – das ist aber ein typisches Problem. Vor allem Geräte in dieser Preisklasse leiden darunter, aber auch signifikant teurere Premium-Handys sind keine Wunderknipsen bei Nacht

Die Auflösung der Frontkamera ist sehr gering. Dafür sind die Ergebnisse jedoch moderat bis gut. Für ein gelegentliches Selfie reicht die vordere Digicam aus, aber einen Preis gewinnt man damit auf Instagram wohl nicht.

Der Klang der integrierten Lautsprecher ist ebenso durchwachsen wie der Rest des Smartphones. Es fehlt an Bässen und der Sound wirkt blechern. Je lauter, umso mehr fallen diese Schwächen auf. Kopfhörer oder ein externer Lautsprecher lösen das Problem. Über den 3,5-mm-Klinkenanschluss macht Musikhören erheblich mehr Spaß. Für ein kleines Video oder Spiel reicht der Lautsprecher natürlich aus, aber eine Gruppe an der Bushaltestelle mit neuem Sound beschallen? Besser nicht.

1700 mAh speichert der Akku im Fire E. Während des Testzeitraumes sind wird im Schnitt auf 1,5 Tage gekommen. In unserem Testzeitraum haben wir das Fire E im normalen Gebrauch gehabt, sprich: Etwas Telefonie und SMS, soziale Netzwerke abgecheckt und das ein oder andere Spiel gespielt – mangels großer Auswahl aber eben nicht sonderlich viel. Der Akku ist nicht durch den Nutzer austauschbar. Sollte der Stromspeicher im Laufe der Zeit an Kapazität verlieren, muss man das Fire E einschicken. Außerhalb der Garantiezeit kann das teuer werden.

Was die Konnektivität betrifft, gibt es kaum etwas zu bemängeln. Typisch für diese Preisklasse ist die Abwesenheit von LTE und NFC, aber WLAN, Bluetooth und GPS sind an Bord. Die WLAN-Verbindung ist stabil und das mobile Internet – getestet im o2-Netz – hat flott und problemlos funktioniert. Und: Die Sprachqualität während Telefonaten ist gut bis sehr gut.

Wir tun uns schwer damit, das Fire E weiterzuempfehlen. Zwar sammelt es im Test viele positive Punkte: die gute Verarbeitung, das funktionale Design, der interessante Preis. Aber es mangelt einfach an Apps. Außerdem wiegen die Performance-Schwächen und die Probleme bei der Bedienung einfach zu schwer. Die Hardware ist einfach nicht gut genug, um die Wogen zu glätten.

Wer das Fire E trotzdem haben möchte, kann es bei o2 Telefónica Germany oder Congstar erwerben. Der blaue Netzanbieter listet das Smartphone aktuell für 121 Euro ohne Vertrag.

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