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GoPro Karma Drohne im Test: Es ist noch Luft nach oben

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Gegen Ende des vergangenen Jahres enthüllte der kalifornische Actionkamera-Hersteller GoPro seine erste Drohne: die GoPro Karma. Kurz nach dem Verkaufsstart in den USA wurde sie wegen mangelhafter Flugsicherheit zurückgerufen. Ein schlechtes Omen? Nach einer Überarbeitung und mehreren Tests wurde sie wieder für den Verkauf freigegeben. Kann sie jetzt überzeugen – und ist sie besser als die Konkurrenz von DJI? Das und mehr in diesem Testbericht.


Unsere Karma kam in einem schicken Koffer daher. Dieser bietet viel Raum zum Verstauen aller Teile und er lässt sich dank Schulterhalterung auch am Rücken tragen. Je nach Set kann der Lieferumfang allerdings auch anders aussehen. Neben der Drohne wird auch eine Fernsteuerung mitgeliefert. Darüber hinaus sind folgende Gegenstände dabei:

Lieferumfang der GoPro Karma

Kurz nach dem Auspacken, Einlesen und Aufladen ist das Fluggerät betriebs- und flugbereit. Der Lieferumfang Karma-Drohne ist stattlich. Eine willkommene Sache, da originales GoPro-Zubehör bekanntermaßen nicht gerade billig ist. Wer nicht unbedingt das Handgerät für Bodenaufnahmen braucht oder schon eine kompatible Kamera besitzt, der kann sich auch für die kleineren Karma-Sets entscheiden: Sie sind um hunderte Euros günstiger.

Die GoPro Karma ist ein Quadrocopter mit einer Leermasse von 1006 Gramm. Mit Akku, Kamerastabilisator und der Hero5 Black hat er eine Startmasse von 1,893 Kilogramm. Die vier 10 Zoll großen Propeller sind farblich gekennzeichnet und müssen vor dem Start aufgeschraubt werden.

Laut Datenblatt erreicht die Karma eine Reichweite von bis zu 3 Kilometern. Das Gegenprüfen dieser technischen Angabe war aus diversen Gründen nicht möglich, unter anderem wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Einhaltung des Sichtkontaktes. Die maximale Flughöhe soll 3200 Meter über Normalnull betragen, auch hier konnten die Grenzen nicht ausgeschöpft werden: Das Gesetzt beschränkt Copter-Piloten auf maximal 100 Meter über dem Boden oder verlangt nach einer Ausnahmegenehmigung. In der Praxis verlor die Fernsteuerung bei einer Entfernung von etwa 800 Metern das Signal, weshalb die Karma automatisch zum Startpunkt zurückkehren musste.

GoPro Karma Controller

Im Vergleich zu anderen Drohnen fliegt die GoPro Karma lediglich assistiert und teilautomatisiert. Für den Nutzer bedeutet das: achtsam fliegen. Ganz zu schweigen von modernen und fortschrittlichen Sensoren für hochautomatisiertes Fliegen, die beispielsweise Kollisionsschutz oder eine optische Landepunkterkennung mitbringen, besitzt die Karma noch nicht einmal simple Abstandssensoren für weiches Landen.

Für die Orts- und Lagebestimmung verwendet die GoPro Karma GPS und Kompass. Im Test hat sich das satellitengestützte System als sehr schwach erwiesen: ungenaue Lokalisierung sowie kompletter Signalverlust führten zu einem unzuverlässigen Halten der Position beim Schweben.

GoPro Karma in der Luft

Die Karma-Drohne fliegt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde, das entspricht 54 km/h. Kein Vergleich zu einer echten Race-Drohne, aber dynamisch-sportliches Fliegen ist durchaus möglich und macht viel Spaß. Die maximale Beschleunigung kann vom Nutzer angepasst werden – sowohl Anfänger als auch Performance-Piloten sollten auf ihre Kosten kommen.

Wer nicht selbst fliegen möchte, der kann auf die teilautomatisierten Flugfunktionen der GoPro Karma zurückgreifen. Auch dabei gilt es wieder das Gesetz zu beachten: Zumindest in Deutschland ist ein automatischer Flug nicht gestattet – man muss auf jeden Fall die Fernsteuerung in der Hand halten, Sichtkontakt zur Drohne haben und jederzeit eingreifen können. Zum aktuellen Zeitpunkt beherrscht die Karma insgesamt vier automatische Modi:

  1. Dronie – Videoaufnahmen im Selfie-Style, dabei fliegt die Karma von ihrem Nutzer davon.
  2. Seilkamera – der Bediener setzt zwei Punkt auf einer Karte, die von der Karma abgeflogen werden.
  3. Enthüllen – die Karma fliegt eine gerade Stecke, während sich die Kamera zum Horizont neigt.
  4. Orbit – die Karma fliegt einen Kreis um seinen Nutzer.

Der Hersteller gibt eine Flugzeit von bis zu 20 Minuten an. Das ist nicht sonderlich viel, eher der aktuelle Durchschnitt. Im Test hielt die fliegerische Freunde meistens nur 16 bis 17 Minuten an. Danach war der Wunsch nach einem zweiten Akku so groß wie nie zuvor. Das Laden des Akkus dauert um die zwei Stunden.

GoPro Karma Controller

Die Steuerung der Karma erfolgt über den GoPro Controller. Die Steuereinheit erinnert ein wenig an eine trag- und aufklappbare Gaming-Console, wie man sie beispielsweise von Nvidia kennt.

Propeller der GoPro Karma

Lobenswert: Alles was man zum Fliegen braucht, beinhaltet der GoPro Controller: Sogar ein 5 Zoll großer Touchscreen ist integriert. Der ist übrigens sehr hell und damit ideal für Aufnahmen im starken Sonnenlicht. Hier ist GoPro der Konkurrenz voraus und bietet eine praktische Lösung mit Bildschirm an. Die Spark von DJI wird beispielsweise über ein Smartphone und dessen Display gesteuert, optional gibt es noch einen DJI Remote Controller mit Analogsticks wie bei der Karma – als Display muss aber weiterhin das Handy herhalten.

Eine weitere Besonderheit der GoPro Karma ist die Passenger-App für iOS und Android. Mit der Applikation kann ein weiterer Teilnehmer die Bordkamera steuern, während der Pilot sich ganz auf’s Fliegen konzentriert. Im Test mit einem iPad hat das gut und zuverlässig funktioniert. Bei DJI gibt's das nur bei den wirklich teuren Modellen: Etwa bei der Inspire kann ein zweiter Pilot mit zweiter Fernsteuerung die Kamera übernehmen.

Der 625 Gramm schwere GoPro Controller überträgt Live-Bild und Steuerkommandos im 2,6-GHz-Band. Die Akkulaufzeit beträgt 3:25 Stunden.

Braucht man immer und überall eine Drohne? Nein, aber wenn sie mal zum Einsatz kommt, dann sollte sie bequem zum Transportieren sein. Wie kompakt ist nun die Karma? Die Füße sowie Flugarme lassen sich zusammenfalten respektive einklappen. Das macht sie jetzt nicht so klein, dass sie in die Jeanstasche passt, im Koffer oder in einem großen Rucksack lässt sich sich aber gut transportieren.

Der mitgelieferte Rucksack ist gut gepolstert und leicht zu tragen. Gerade bei längeren Wanderungen oder Ausflügen ist das praktisch. In Sachen Kompaktheit kann die Karma aber nicht mit einer Mavic Pro oder der Spark mithalten – vor allem die Mavic ist ein echter Immer-dabei-Copter. Dafür aber hat die Karma eine exzellente Foto- und Videokamera, die auch eigenständig genutzt werden kann. Das können die Systeme von DJI nicht.

Die Karma von GoPro ist zwar eine kompakte Drohne zum Mitnehmen, allerdings ist da noch sehr viel Luft nach oben, wie zwei einschlägige Produkte von DJI zeigen. In Sachen Intelligenz kann die GoPro-Drohne nicht punkten, hierfür fehlt die notwendige Sensorik.

Gut gefallen hat uns die Bild- und Videoqualität aus der GoPro Hero5 Black, die einen deutlichen Mehrwert für die Karma-Drohne schöpft. Aber auch als Stand-alone-device ist eine solche wasserfeste Actionkamera durchaus im Alltag hilfreich.

GoPro muss die Defizite bei der Karma ausgleichen: ungenaues Schweben sowie GPS-Signalverlust sorgt für ein unwohles und unsicheres Gefühl, wenn ein 2-Kilo-Gerät durch die Lüfte fliegt und selbst keine Hindernisse ausweichen kann. Wir empfehlen das Fliegen der GoPro Karma nur auf großen und baumfreien Flächen.

  • Karma Grip
    GoPro Karma Grip (AGIMB-002)
  • Karma Gimbal
    GoPro Karma Stabilisator (AGMBL-001)

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