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Garmin vivoactive im Test: tolle Smartwatch für Sportler

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Es ist derzeit interessant zu sehen, wie die klassischen Smartwatch-Hersteller sich in den Bereich Fitness wagen und die klassischen Fitness-Hersteller gleichzeitig ihre Produkte smarter machen – und irgendwo in der Mitte trifft man sich dann. Mit der vivoactive traut sich Garmin so weit ins Smartwatch-Territorium vor wie nie zuvor. Ob das klappt, verrät der Test.

Hier seht Ihr den Video-Test zur Garmin vivoactive.

Die Garmin vivoactive erinnert auf den ersten Blick an die Smartwatches der ersten Stunde. Sowohl die Uhr als auch das Display sind eckig, mit acht Millimetern ist das Gehäuse aber ein ganzes Stück flacher als etwa die ersten Gear-Modelle von Samsung. Auch das Gewicht ist mit 38 Gramm inklusive Armband erfreulich niedrig. Mit Abmessungen von 4,4 mal 3,9 Zentimetern ist die Uhr noch einigermaßen kompakt und wirkt auch an filigraneren Handgelenken nicht komisch groß.

Im direkten Vergleich mit der fenix 3 ist die vivoactive geradezu winzig.

Das rechteckige Farbdisplay löst 205 × 148 Pixel auf. Die Ablesbarkeit geht bei direkter Sonneneinstrahlung in Ordnung. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich – darüber hinaus gibt es rechts und links am Gehäuse noch zwei Buttons. Der linke Knopf aktiviert die Displaybeleuchtung und schaltet bei längerer Betätigung die Uhr aus. Die rechte Taste ruft das Menü auf.

Wer das ab Werk mitgelieferte, schwarze Silicon-Armband zu langweilig findet, bekommt bei Garmin auch bunte Alternativen (jeweils 15 Euro) und auch Trageriemen aus Leder (jeweils 30 Euro). Leider gibt es keine Möglichkeit, die Armbänder per Schnellverschluss zu wechseln – wie etwa bei der Withings Activité Pop. Damit lässt sich nicht mal eben zum Sport ein Siliconarmband einsetzen, um die Lederversion zu schonen. Außer, man hat immer einen Torx-Schraubenzieher dabei.

Die Bedienung der vivoactive ist sehr straight forward. Ausgehend vom Startbildschirm mit Uhrzeit und Datum wischt sich der Nutzer durch diverse andere Bildschirme. Diese von Garmin „Widgets“ getauften Homescreens zeigen beispielsweise den Tagesfortschritt und die Aktivität an, oder aber auch anstehende Kalendereinträge, Benachrichtigungen vom Smartphone oder eine Wettervorhersage. Diese lassen sich auch austauschen, dazu aber später mehr.

Darüber hinaus gibt es auch noch Apps, die die Uhr im per rechtem Button aufrufbaren Menü gruppiert. Bei den ab Werk vorinstallierten Apps handelt es sich im Wesentlichen um die verschiedenen Sportarten, außerdem findet sich hier noch eine Verknüpfung in die Einstellungen der Uhr. Unterhalb des Displays befinden sich noch zwei Icons für „Zurück“ und „Menü“, die eine Ebene nach oben wechseln beziehungsweise kontextbezogen weitere Optionen einblenden.

Ein Druck auf die rechte Taste ruft dieses Menü auf.

Noch einmal zurück zu den Einstellungen: Hier gibt es die Möglichkeit, externe Sensoren mit der vivoactive zu koppeln, ein paar persönliche Parameter wie Geschlecht, Größe und Gewicht festzulegen sowie die Benachrichtigungen zu konfigurieren und Alarme einzurichten. In den Systemeinstellungen finden sich noch Optionen zu Sprache, Uhr, Beleuchtung und Einheiten.

Die Garmin vivoactive verbindet sich per Low-Energy-Bluetooth mit dem Smartphone. Das hat bei uns im Test stets einwandfrei funktioniert. Obwohl Bluetooth an Bord ist, unterstützt die vivoactive nur Zubehör, das den ANT+-Standard nutzt. Bluetooth-Brustgurte? Keine Chance. Schade.

Bei ANT+ ist die Auswahl dafür groß: Es gibt Pulsgurte, Schuhsensoren, Temperatursensoren sowie Geschwindigkeits- und Kadenzsensoren. Praktisch ist auch, dass die vivoactive mehrere Sensoren eines Typs unterstützt. Das ist beispielsweise praktisch, wenn man mehrere mit Trittfrequenzsensoren ausgestattete Fahrräder nutzt.

Zu guter Letzt bietet das mitgelieferte Dock noch einen USB-Port. Über diesen lässt sich einerseits der Akku in der vivoactive laden, weiterhin ermöglicht er aber auch das Übertragen von Daten auf den Computer. Die dafür erforderliche Software Garmin Express ist sowohl für Windows als auch für Mac OS X erhältlich.

Die Garmin vivoactive gibt es in zwei verschiedenen Varianten: mit und ohne Pulsgurt. Wer sich nicht sicher ist, ob er den Gurt benötigt, kann auch erst einmal nur die Uhr kaufen und den Pulsmesser später separat erwerben. Einen integrierten optischen oder elektrischen Herzfrequenzsensor hat die vivoactive nicht an Bord.

Dafür verbindet sich die vivoactive problemlos mit ANT+-Pulsgurten, beispielsweise dem Premium Herzfrequenz-Brustgurt. Zwar verbindet sich die vivoactive auch mit dem HRM-Run-Brustgurt von Garmin. Doch die fortgeschrittenen Laufstilanalyse-Funktionen – etwa die Bodenkontaktzeit oder die vertikale Bewegung beim Laufen – unterstützt die vivoactive leider nicht.

Wie die anderen Fitness-Uhren von Garmin zählt auch die vivoactive die Schritte des Trägers und die zurückgelegte Distanz und schätzt anhand dessen den Tageskalorienverbrauch ab. Branchenüblich legt der Nutzer vorher ein Schrittziel fest, dass er dann über den Tag hinweg erreichen muss, standardmäßig sind 5000 Schritte eingestellt.

Die Garmin vivoactive überwacht die Schritte des Trägers.

Darüber hinaus gibt es noch einen Inaktivitätsmelder, der sich per Vibrationsalarm und „Los geht’s“ meldet, wenn der Nutzer zu lange auf seinem Hintern sitzt (oder auch unbeweglich herumsteht). Ein Gang zur Kaffeemaschine reicht nicht aus, um die Uhr zu besänftigen – sondern eher einen kleinen Spaziergang zum nächsten Café.

Mit einem Druck auf die rechte Taste ruft der Nutzer das App-Menü auf – und hier lassen sich auch die Workouts starten. Ab Werk finden sich hier Laufen, Radfahren, Schwimmen, Golf, Gehen sowie Laufen, Gehen und Radfahren in Gebäuden – also ohne GPS. Weitere Sportarten lassen sich eingeschränkt mit Apps hinzufügen, ansonsten muss der Nutzer eine ähnliche Sportart wählen und nachträglich im Webinterface Garmin Connect korrigieren.

Wenn ich den Kalorienverbrauch von Krafttraining-Workouts tracken möchte, dann wähle ich fürs erste eine Disziplin ohne GPS aus – also beispielsweise Laufen in Gebäuden – und korrigiere das nachher. Funktioniert auch, eine ausführlichere Liste mit verschiedenen Disziplinen für die Workouts wäre hier schön gewesen – oder auch einfach die Möglichkeit, häufig benutzte Workouts zu der Liste hinzuzufügen.

Leider gibt es keinen Schnellverschluss, um zwischen Büro und Studio schnell das Armband zu wechseln.

Trägt man während eines Workouts einen Brustgurt, kann die vivoactive die verbrannten Kalorien genauer berechnen. Das macht insbesondere bei eher stationären Workouts wie Gewichtheben oder Yoga einen Unterschied, die für einen Schrittzähler unspektakulär erscheinen, den Puls und den Kalorienverbrauch aber kräftig nach oben treiben.

Während den Workouts zeigt die vivoactive auf drei Seiten jeweils drei konfigurierbare Datenfelder an, beispielsweise das aktuelle Tempo, die bereits zurückgelegte Strecke oder den aktuellen Puls. Auf Wunsch gibt es auch Benachrichtigungen während der Workouts, etwa zu Herzfrequenz, Geschwindigkeit, zurückgelegter Entfernung oder aber beispielsweise auch Erinnerungen daran, regelmäßig etwas zu Essen oder zu Trinken.

Die Garmin vivoactive hat ein integriertes GPS-Modul. Dank aGPS funktioniert die Ortung sehr schnell, manchmal reichen wenige Sekunden aus, bis die Uhr ihre Position bestimmt hat. Die Genauigkeit macht ebenfalls einen guten Eindruck. Im Test haben wir die Garmin-Uhr beispielsweise parallel mit der Epson Runsense SF-810 getragen, und die gemessenen Wegstrecken sind quasi deckungsgleich – die Abweichung lag im unteren Promillebereich.

Navigationsfeatures bietet die vivoactive nicht – das höchste der Gefühle ist eine „Zurück zum Start“-Funktion. Hier wird der User allerdings nicht anhand der zurückgelegten Strecke, sondern per Luftlinie dirigiert. Nachdem kein Kompass an Bord ist, muss sich der Nutzer außerdem bewegen, so dass die vivoactive eine Ist-Richtung ermitteln und anhand dessen wiederum eine Soll-Richtung bestimmen kann.

Die vivoactive vermisst auch den Schlaf des Trägers und unterscheidet dabei leichten und tiefen Schlaf.

Eine gute Nachricht vorweg: Inzwischen erkennt die vivoactive automatisch, wenn sich der Träger schlafen legt. Wir haben dazu die Garmin-Uhr zeitgleich mit der Basis Peak getragen, die ebenfalls eine automatische Schlaferkennung bietet. Die Zeitpunkte fürs Einschlafen und Aufwachen liegen jeweils nur wenige Minuten auseinander. Und auch für die Schlafphasen sind die Ergebnisse zumindest ähnlich. Allerdings unterscheidet die vivoactive nur leichten und tiefen Schlaf, während die Basis Peak auch REM-Phasen anzeigt.

Die diversen Funktionen bei der vivoactive sind in Widgets und Apps unterteilt. Bei den Widgets handelt es sich im Wesentlichen um Homescreens, durch die der Nutzer ausgehend von der Standard-Uhrzeitanzeige durchwischen kann. Diese zeigen dann etwa die den aktuellen Tagesfortschritt, das Wetter und Kalendereinträge sowie Benachrichtigungen vom Smartphone an oder ermöglichen ein Steuern der Musikwiedergabe auf dem verbundenen Mobiltelefon.

Apps dagegen finden sich im Menü, das der Nutzer mit dem rechten Button aufruft. Die meisten ab Werk vorinstallierten Apps sind die diversen Sportarten, die sich mit der vivoactive tracken lassen, aber es gibt auch eine „Find My Phone“-Funktion, die das Smartphone bimmeln lässt. Die vivoactive bietet auch die Möglichkeit, weitere Apps und Widgets aus Garmins Connect-IQ-Shop nachzurüsten.

Garmins Connect-IQ-Store bietet zahlreiche und mehr oder weniger nützliche Erweiterungen für die vivoactive.

An Widgets finden sich hier unter anderem diverse weitere Wetter-, Timer- und Dialer-Widgets, aber auch Spiele oder Widgets, die Luftqualität, Fußballergebnisse, aktuellen Bitcoin-Kurs oder slovakische Namenstage anzeigen. Aktuell stehen für die vivoactive insgesamt 61 Widgets zur Verfügung.

Dazu kommen noch einmal aktuell 104 Apps, die beispielsweise die Kamera von Android-Smartphones oder Garmins Actioncam Virb fernsteuern. Auch hier gibt es noch einmal Spiele, beispielsweise Schach sowie Flappy Bird und sogar Flappier Bird. Weiterhin bieten Apps noch Unterstützung für weitere Sportarten, etwa Tennis, Baseball oder Basketball.

Insgesamt finde ich dieses System sehr gelungen. Natürlich wäre es aber schön, auf eine breitere Auswahl von Apps und Widgets zurückgreifen zu können. Die Auswahl und Installation geschieht übrigens über das Smartphone.

Die zur vivoactive gehörige App Garmin Connect gibt es für Android, iOS und Windows Phone – und inzwischen auch als Universal App für Window 10 (Mobile) – sehr schön. Wir haben uns im Test mit der Android-Version ausführlich beschäftigt.

Die Anwendung ist extrem mächtig – was sie anfangs auch etwas unübersichtlich macht. So finde ich hier neben meinen täglichen Schlaf-, Schritt- und Workoutstatistiken beispielsweise auch Golf-Scorecards. Es gibt aber die Möglichkeit, einzelne Schnellansichten auszublenden und die verbleibenden Punkte nach Belieben zu sortieren.

Wer möchte, kann außerdem ein Live-Training starten und einen Link an andere Personen schicken, über den diese den Trainingsfortschritt live im Browser mitverfolgen können. Praktisch finde ich auch, dass man seine Ausrüstung eintragen kann. Wenn man beispielsweise ein Paar Schuhe als Standard fürs Lauftraining festlegt, informiert einen das System automatisch, wenn es Zeit für ein neues Paar wird.

Zum Testzeitpunkt hat die Garmin-Connect-App bei uns für einige Probleme gesorgt – wir konnten uns mit unserem bestehenden Garmin-Account nicht einloggen. Die Lösung ist einfach wie … nunja, seltsam: Man muss nur dreimal hintereinander seine korrekten Zugangsdaten eintippen, und im dritten Anlauf klappt’s. Klingt komisch, ist aber so.

Mit Garmin Express hat der Hersteller noch eine für Windows und Mac erhältliche Software im Programm. Das Tool dient in erster Linie zum Updaten der Software auf der vivoactive und hält die Bedienungsanleitung bereit. Außerdem gibt es hier ein paar wenige Konfigurationsmöglichkeiten – für tiefgreifendere Einstellungen schickt Garmin Express den Nutzer ins Webinterface, das wie die Smartphone-App auf den Namen Garmin Connect hört.

Die für PC und Mac erhältliche Software erfüllt ihren Zweck. Für eine Auswertung der Daten wird der Nutzer jedoch ins Web-Interface geschickt.

Nicht nur der Name, sondern auch der Funktionsumfang des Webinterfaces ist mit der Smartphone-App weitgehend identisch. Es gibt auch hier detaillierte Statistiken. Allerdings bietet Garmin Connect im Browser auch die Möglichkeit, Trainingspläne herunterzuladen, beispielsweise mit dem Trainingsziel Halbmarathon oder olympischer Triathlon.

Außerdem lassen sich hier auch Trainings nach den eigenen Vorstellungen zusammenbauen, vom Aufwärmen bis zum Cooldown, von Vollgas- bis hin zu Erholungsphasen. Die Dauer der einzelnen Phasen lässt sich beispielsweise in verstrichener Zeit oder verbrannten Kalorien festlegen oder durch den Nutzer per Knopfdruck beenden. Das System ist extrem flexibel.

Durch eine Verbindung mit MyFitnessPal lässt sich außerdem auch die Ernährung des Nutzers berücksichtigen.

So sieht das Ladedock für die vivoactive aus. Es hält die Uhr magnetisch fest.

Der Akku hält laut Hersteller bis zu drei Wochen durch. Mit aktivierter GPS-Ortung sollen es immerhin stolze 10 Stunden sein – und nach dem Test muss ich sagen, dass diese Werte definitiv realistisch sind. Das ist für eine derart schlanke Uhr mit Always-On-Farbdisplay wirklich beeindruckend.

Mit der vivoactive hat Garmin eine solide Fitness-Uhr im Programm, die dank integriertem GPS auch ohne Smartphone Lauf- und Radstrecken aufzeichnet. Als Fitness-Tracker leistet die vivoactive gute Dienste, und der fehlende optische Pulssensor lässt sich mit einem Brustgurt problemlos kompensieren.

Dass kein Bluetooth-, sondern nur ANT+-Zubehör unterstützt wird, ist allerdings etwas schade, ebenso wie die noch etwas dünne App-Auswahl. Unterm Strich ist Garmin mit der vivoactive jedoch eine wirklich hervorragende Uhr für Sportler gelungen, die einfach Spaß macht. Mehr Apps, Bluetooth-Support für Zubehör und ein stylischeres Gehäuse, und ich bin wirklich wunschlos glücklich.

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