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Fernsehen via Handy: waipu.tv von Exaring im Hands-on-Test

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Ich muss gestehen, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, als die Anfrage einer Presseagentur auf meinem Tisch landete – Thema: irgendwas mit Fernsehen und App. Wieso sich das inzwischen geändert hat und wieso die Geschichte von waipu.tv bereits vor 30 Jahren mit einer Art Bagger begann, erfahrt Ihr im folgenden Video.

Exaring waipu.tv im Hands-on – Fernsehen via Smartphone

Wenn Ihr lieber lest als Video guckt, dann findet Ihr im folgenden die Transkription des Videos:

Vor 30 Jahren wurden in Deutschland massig Kuperkabel verbuddelt, und das lief üblicherweise so: Loch graben, Kabel reinlegen, Loch zuschütten. Und dann kam da eine Maschine ums Eck, die Kabel direkt in die Erde einpflanzen konnte – ohne aufwändigem Herumgebagger & Co. Den Preisvorteil hat der damalige Erfinder unmittelbar an die Netzbetreiber weitergegeben, allerdings mit einer Bedingung: Er darf zusammen mit den Kupferkabeln ein paar leere Kunststoffhülsen verlegen.

In den vergangenen zwei Jahren hat Exaring nun einen Verwendungszweck für diese seit Jahrzehnten leerstehenden Kunststoffhülsen gefunden – und sie mit Glasfaser ausgefüllt. Das Ergebnis ist ein 12.000 Kilometer langes Netzwerk, das die Firma exklusiv nutzen kann – quasi eine leere Datenautobahn, die nicht über die klassischen Knotenpunkte wie den DE-CIX in Frankfurt gezwungen wird. Das dürfte dem Unternehmen nicht nur Routing-Kosten sparen, sondern soll auch Engpässe zur Prime Time verhindern.

Bei waipu.tv handelt es sich um eine für Android und iOS erhältliche Smartphone-App, auf der sich ganz einfach: Fernsehen lässt. Und zwar über das Internet, Mindestvoraussetzung ist ein Anschluss mit mindestens 6 MBit/s. Sollte die Bandbreite mal nicht ausreichen, passt die Anwendung die Bildqualität nach unten an. Jetzt aber zur App selbst: Diese gliedert sich in fünf Reiter, die sich über die Symbole am unteren Bildrand anwählen lassen.

Ganz links befindet sich die Programmvorschau, die 14 Tage in die Zukunft reicht. Hier lässt sich zwischen den verschiedenen Sendern umschalten – und wer auf einen bestimmten Eintrag klickt, findet hier auch gleich eine Möglichkeit zur Aufnahme. Gespeichert wird übrigens in der Cloud von Exaring. Daneben folgt ein Reiter, in dem Programmtipps zu finden sind. Anfangs stammen diese aus einer Redaktion des Anbieters, doch mit der Zeit lernt die App den Anwender kennen und zeigt speziell auf ihn zugeschnittene Sendungen an. Auch hier gibt es wieder eine Möglichkeit, per Fingertipp den digitalen Videorekorder zu programmieren.

Der mittlere Reiter zeigt dann schließlich das Fernsehbild. Per Fingerwisch nach links und rechts schaltet der Nutzer zwischen den verschiedenen Kanälen um. Rechts davon wiederum folgt ein Dialog, in dem sich die bisher aufgenommenen Sendungen sowie die programmierten Aufnahmen einsehen lassen. Der fünfte Reiter schließlich beinhaltet Einstellungen zum Account des Nutzers.

Natürlich lässt sich jetzt nicht nur auf Android- und iOS-Geräten fernsehen. Mit einem Wisch nach oben bringt der Nutzer den gerade dargestellten Inhalt auf jenes Wiedergabegerät, das gerade per Chromecast mit dem Smartphone verbunden ist. In der nahen Zukunft sollen übrigens auch Amazons FireTV und AppleTV unterstützt werden.

Wenn der gewünschte Inhalt dann auf dem Fernseher, Projektor et cetera dargestellt wird, dient das Smartphone als Fernbedienung. Und wer möchte, kann hier dann auch einfach auf einen anderen Kanal umschalten, während auf dem Fernseher weiter das dort hingewischte Programm läuft. Pro Account sind so bis zu vier verschiedene gleichzeitige Streams möglich.

Zum Start gibt es waipu.tv mit drei verschiedenen Preismodellen: Die Gratisversion beinhaltet 26 Sender in SD-Qualität, für 4,99 Euro pro Monat gibt es die doppelte Senderzahl, Timeshift und zehn Stunden Aufnahmekapazität in der Cloud. Für 14,99 Euro schließlich gibt es zusätzlich noch HD, Mobiloption fürs Glotzen unterwegs und 50 Stunden Speicherplatz. Die Punkte HD, Mobiloption sowie mehr Speicherplatz in der Wolke lassen sich auf Wunsch auch einzeln auf das Fünf-Euro-Paket aufbuchen. Die Abos sind übrigens monatlich kündbar.

Wer waipu.tv ausprobieren möchte, kann das entweder natürlich mit dem kostenfreien Angebot erledigen – oder findet alternativ ab heute in zahlreichen Mobilcom-Debitel- sowie Gravis-Filialen einen Testaufbau vor. Wieso Mobilcom-Debitel und Gravis? Deren Muttergesellschaft Freenet gehört mit einem Anteil von 25 Prozent zu den Geldgebern von Exaring.

Übrigens sind die Pläne von Exaring noch lange nicht beim HD-Fernsehen am Ende. Auf der Agenda stehen 4K- und 8K-Inhalte, individuell auf den Nutzer zugeschnittene Werbeinhalte, Pay-TV, aber auch beispielsweise Virtual Reality und sogar Cloud Gaming. Es wäre also etwa denkbar, dass Sonys Playstation Now die staufreie Infrastruktur von Exaring nutzt, um die fürs Daddeln per Stream erforderlichen Latenzzeiten von 25 Millisekunden zu realisieren.

Nach gefühlt Dutzenden wenig überzeugender TV-Apps hat Exaring mit waipu.tv bei mir definitiv Lust auf mehr gemacht. Mit einem ausgefeilten Konzept, einer einzigartigen Infrastruktur, gut aufgestellten Geldgebern und nicht zuletzt auch einem in der Medienbranche extrem erfahrenen Team lautet meine Prognose: Von Exaring werden wir noch öfters hören. Und ich freue mich drauf.

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