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Epson Runsense SF-810 im Test: neue Technik, alte Bedienung

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Epson kennt man eigentlich eher von Druckern, Scannern und dergleichen. Inzwischen baut der japanische Hersteller aber auch Sportuhren mit Pulssensor. Wir haben das aktuelle Flaggschiff Runsense SF-810 getestet, das derzeit ab rund 240 Euro im Handel erhältlich ist.

Eigentlich liegt es für Epson nahe, auch Uhren zu bauen. Denn die Firma, zu der die Marke gehört, heißt ausführlich Seiko Epson Corporation – und Seiko ist ja bekanntlich Uhrenspezialist. Auf der Runsense SF-810 steht Epson drauf, und sie richtet sich, wie der Name schon verrät, insbesondere an Läufer.

Epson Runsense SF-810 – so schlägt sich die Sportuhr im Test

Vom Design her ist die SF-810 auch eher Epson als Seiko: Anstelle eines Schmuckstücks am Handgelenk gibt es hier eine funktionelle Uhr, die sich eher auf Waldwegen denn auf dem nächsten Dinnerempfang wohlfühlt. Mit dem Schwarzweiß-Display und dem vielen Kunststoff erinnert die SF-810 an die diversen Digitaluhren aus den 90er Jahren.

Dazu passt auch die Bedienung, die über vier Tasten rund um das Display erfolgt – so etwas Modernes wie einen Touchscreen sucht man hier vergeblich. Die Buttons sind mit Start/Stop, Lap, Disp./HR und Light beschriftet und bieten saubere Druckpunkte. Aber zur Bedienung kommen wir gleich.

Die Uhr selbst ist mit 52 Gramm vergleichsweise leicht und gehört definitiv zu den kompakteren Pulsuhren. Sie sieht auch an filigranen Damenhandgelenken nicht absurd riesig aus. Das Display löst funktionale, aber nicht schöne 128 × 128 Pixel auf und bietet eine zuschaltbare Beleuchtung, die erfreulich hell ist. Optional lässt sich die Displaydarstellung auch invertieren.

Die Epson Runsense SF-810 ist vergleichsweise schlank gebaut.

Der Bildschirm der Uhr ist „always on“, zeigt also stets die Zeit an. Befindet sich die Uhr jedoch nicht am Handgelenk, so aktiviert sich der Stromsparmodus. Erkennt die SF-810 eine Bewegung, schaltet sie das Display wieder an.

Mangels Touchscreen läuft die Bedienung der Epson Runsense SF-810 über die vier Tasten rund um das Display. Diese sind, ausgehend von rechts oben, im Uhrzeigersinn mit Start/Stop, Lap, Disp./HR und Light beschriftet. Obwohl es auf der Uhr selbst nicht besonders viele Funktionen gibt, ist die Bedienung anfänglich doch etwas verwirrend.

Beispiel: Mit Start/Stop beginnt der Nutzer einen Workout. Es folgt ein Dialog, in dem die Uhr entweder bittet, auf GPS-Empfang zu warten oder GPS abzuschalten, da es sich um einen Indoor-Workout handelt. In der Liste der Optionen blättert der Nutzer jetzt aber mit der Start/Stop- und der Lap-Taste nach oben beziehungsweise unten – und bestätigt mit dem Disp./HR-Knopf.

Die Bedienung der Runsense läuft über vier mechanische Tasten.

Der vierte Button mit der Beschriftung Light aktiviert – Überraschung – die Hintergrundbeleuchtung. Ein langer Druck allerdings – und das ist wirklich eine Überraschung – öffnet die Einstellungen der Uhr. Hier findet sich beispielsweise auch der Smartphone-Modus, der für jede Kommunikation mit der App aktiviert werden möchte. Unterm Strich ist das alles nicht so tragisch, aber anfangs einfach verwirrend. Und irgendwie wirkt die Bedienung wie aus den 90er Jahren. Dazu passt übrigens auch dieser Tastenton ganz hervorragend.

Wie zuvor schon erwähnt: Mit einem Struck auf die Start/Stop-Taste startet man einen Workout. Dabei hat man die Auswahl zwischen Outdoor- und Indoor-Aktivitäten – sprich: GPS an oder GPS aus. Aber zur Positionsbestimmung später mehr.

Die Runsense SF-810 bietet einige Features für Läufer – so erkennt sie beispielsweise Laufpausen automatisch und hält auf Wunsch währenddessen den Workout automatisch an. Außerdem ist auch eine Rundenerkennung an Bord.

Die SF-810 hat eine Speicherkapazität von 70 Stunden für Workout-Daten, dann beginnt die Uhr, die bisherigen Aufzeichnungen von hinten zu überschreiben. Einen Schrittzähler oder eine Möglichkeit, den Schlaf zu vermessen, bietet die SF-810 übrigens nicht.

Die Epson SF-810 hat einen optischen Pulssensor auf der Unterseite, der mit Hilfe einer LED den Blutfluss im Handgelenk ermittelt und daraus auf die Herzfrequenz schließt. Epson setzt hier auf einen eigenentwickelten Sensor, der im Test durchaus überzeugt. Die von anderen optischen Pulsmessern bekannten Einschränkungen gelten allerdings auch für die SF-810.

Beim Radfahren beispielsweise decken sich die Messwerte der SF-810 weitgehend mit denen eines Brustgurt-Systems. So ist bei einer knapp halbstündigen Messfahrt der Durchschnittspuls mit 126 Schlägen pro Minute identisch. Und auch beim Maximalpuls gibt es mit 149 gegenüber 150 quasi keine Unterschiede. Beim Laufen liefert die SF-810 ebenfalls präzise Ergebnisse.

Der optische Pulssensor ist eine Eigenentwicklung von Epson.

Anders sieht es jedoch bei Workouts aus, die die Arme und Hände stark mit einbeziehen, sei es nun Yoga, Gewichtheben oder ein MMA-Style-Workout mit Burpees & Co. Hier liefert der optische Sensor in weiten Strecken keine sinnvollen Messwerte mehr. Bei einem Krafttraining für die Beine stehen sich hier beispielsweise ein Durchschnittspuls von 133 Schlägen pro Minute bei der Epson-Uhr und 141 Schlägen pro Minute bei einem Garmin-System mit Brustgurt gegenüber. Je höher der Puls bei solchen Workouts, desto krasser die Unterschiede. Aber wie gesagt: Sportarten, die die Arme und Hände nicht massiv involvieren, sind kein Problem.

Schließlich gibt es noch ein ganz nettes Feature: Durch einen Druck auf den Disp./HR-Button links unten lässt sich jederzeit der optische Pulssensor aktivieren und die aktuelle Herzfrequenz des Trägers auslesen. Wenn gerade kein Workout aufgezeichnet wird, ist der Pulssensor ansonsten nämlich inaktiv.

Die SF-810 hat ein integriertes GPS-Modul, dank dessen sie während des Sports etwa die bereits zurückgelegte Strecke oder die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt. Die GPS-Daten sind erfreulich genau, mit abgekürzten Ecken hat die Epson-Uhr nicht zu kämpfen. Im direkten Vergleich mit der vivoactive erreichen wir auch sehr ähnliche Streckenlängen, hier stehen sich beispielsweise 8,164 und 8,18 Kilometer gegenüber, was einer Abweichung von 0,2 Prozent entspricht.

Die erstmalige GPS-Ortung ist bei der SF-810 vergleichsweise langsam, hält sich aber mit etwa ein bis drei Minuten in Grenzen. Für eine schnellere GPS-Positionbestimmung unterstützt die SF-810 auch aGPS. Die Daten lassen sich mit Hilfe der App auf die Uhr übertragen. Allerdings halten diese Daten nur zwei Stunden, und damit muss man sie effektiv vor jedem Workout erneut an die Uhr senden. Der Zeitaufwand dafür entspricht ungefähr der Zeitersparnis durch die beschleunigte aGPS-Ortung. Das Zeitfenster von zwei Stunden finde ich etwas seltsam – die meisten Konkurrenten halten die aGPS-Daten eher im Wochenbereich vor.

Außerdem ermittelt die SF-810 auch die Schrittlänge des Trägers – und zählt damit weiter die Meter, wenn man während dem Training beispielsweise durch einen langen Tunnel rennt. Und natürlich lässt sich so auch auf dem Laufband die zurückgelegte Strecke abschätzen.

Die Epson SF-810 kommuniziert per Bluetooth 4.0 mit der Außenwelt – beziehungsweise mit dem Smartphone. Leider nutzt die Fitness-Uhr den Kurzstreckenfunk nur zur Übertragung der Workouts aufs Handy und nicht zur Kommunikation mit anderen Sensoren. Mit einem externen Brustgurt etwa ließen sich die oben genannten Einschränkungen bei der Pulsmessung umgehen, Schuh-Sensoren könnten eine genauere Schrittlängenberechnung liefern, und Kadenzsensoren wären für Fahrradfahrer spannend. Außerdem nutzt die Epson-Uhr Bluetooth auch nicht, um beispielsweise Notifications vom Smartphone darzustellen. Smartwatch-Fähigkeiten sind keine an Bord.

Daneben bietet das mitgelieferte Dock auch einen Micro-USB-Anschluss – dieser dient einerseits zum Aufladen des Akkus, andererseits lassen sich aber auch hier Daten auf den PC übertragen, vorausgesetzt die entsprechende Software ist installiert. Aber dazu später mehr.

Bevor wir uns die Daten der SF-810 in der App oder im Webinterface ansehen können, müssen wir sie erst einmal aufs Smartphone übertragen – und das ist vergleichsweise mühselig. Jedes Workout will einzeln und händisch übertragen werden, und das dauert schon einmal jeweils ein paar Minuten. Außerdem muss die Uhr für jegliche Kommunikation mit dem Mobiltelefon in den Smartphone-Modus versetzt werden.

Die App für die SF-810 ist noch ausbaufähig.

Ansonsten bietet die App die üblichen Einstellungsmöglichkeiten zu den persönlichen Daten des Nutzers, etwa Alter und Gewicht. Außerdem lässt sich hier auch die Darstellung auf der Uhr anpassen – während des Workouts stehen dem Nutzer vier Screens mit jeweils drei Datenfeldern zur Verfügung, die sich hier nach Belieben zusammenbauen lassen.

Darüber hinaus gibt es in der App noch die Möglichkeit, Intervalltrainings anzulegen, Zieltempi für unterschiedliche Disziplinen zu konfigurieren und auch mehrere Nutzer-Profile anzulegen. Letzteres ist praktisch, wenn sich verschiedene Personen die Uhr teilen, was ja Sinn ergibt, da die RunSense SF-810 von vielen sicherlich auch ausschließlich während des Sports genutzt wird.

Leider ist die App noch recht chaotisch designed. Ein Teil der Funktionen findet sich in der App selbst, für einen anderer Teil zeigt die App das Webinterface in der App an, was für einen deutlichen Bruch bei der Nutzererfahrung sorgt. Außerdem stolpert man an allen Ecken und Enden immer wieder über Features, die einfach nicht ganz poliert wirken. In der Kartendarstellung von Workouts etwa vergrößert man mit einem Fingertipp auf die Lupe die ganze App und nicht nur den Kartenausschnitt.

Notifications vom Smartphone kann die Epson SF-810 übrigens nicht anzeigen. Im Jahr 2016 kann ich nur sagen: Schade.

Das Browser-Interface namens Runsense View von Epson macht einen recht aufgeräumten und übersichtlichen Eindruck. Hier kann der Nutzer seine vergangenen Workouts noch einmal im Detail analysieren, sich seinen Trainingsverlauf ansehen, Ziele festlegen, Intervall-Trainings anlegen und Verknüpfungen zu anderen Diensten herstellen. Unterstützt werden hier unter anderem MapMyFitness, Strava und RunKeeper.

Zusätzlich bietet Epson auch noch eine Desktop-Anwendung an, die aktuell jedoch leider nur für Windows erhältlich ist. Hier ist ebenfalls ein Übertragen von Daten in die Cloud möglich, im Gegensatz zur App klappt das hier auch mit mehreren Workouts auf einen Schlag.

Darüber hinaus lassen sich in der Windows-Anwendung auch Intervall-Trainings anlegen und Tempobereiche inklusive erlaubter Abweichungen festlegen.

Eine Analyse der Workouts selbst ist nicht in der Software möglich – stattdessen gibt es einen Button, der ins Webinterface von Epson führt. Wer die mit der Epson-Uhr aufgezeichneten Daten in anderen Programmen weiterverarbeiten möchte, hat die Möglichkeit, diese als .CSV und .GPX-Datei zu exportieren.

Ein großer Vorteil der Runsense SF-810 ist ihre Akkulaufzeit. Sind GPS und Pulssensor gleichzeitig aktiv, so hält die Uhr 20 Stunden lang durch. Das dürfte auch für die härtesten Ultramarathon-Läufer ausreichen. Nur mit GPS sind es 24 Stunden, nur mit Pulsmessung 40 Stunden. Wer weder noch nutzt, kommt laut Hersteller 20 Tage lang aus, bis die Uhr wieder in das schier riesige Ladedock eingesetzt werden muss.

Welche Informationen die SF-810 während Workouts anzeigt, lässt sich einstellen.

Die Runsense SF-810 zielt insbesondere auf Läufer und Radfahrer, die ihren Puls messen, aber keinen Brustgurt tragen wollen. So zuverlässig die Herzfrequenz-Messung beim Laufen und Radfahren funktioniert, so gelten leider auch bei Epsons GPS-Uhr die von anderen mit optischen Pulssensoren ausgestatteten Modellen bekannten Einschränkungen bei – ich sag mal – weniger linearen Sportarten.

Die Bedienung der Uhr sowie Smartphone-App und nur für Windows erhältliche Software sind leider nicht mehr zeitgemäß, die Akkulaufzeit ist dafür sensationell. Wer mit den genannten Einschränkungen leben kann, bekommt bei Epson für aktuell 240 Euro eine leistungsfähige Sportuhr.

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