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Bluboo Mini mit Android ab 50 Euro im Test: klein & lahm

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von und Philipp Sussmann  //  Twitter Google+

Ein Android-Smartphone für 50 Euro? Und dann sogar noch mit halbwegs aktuellem Android 6.0? Das klingt ja fast nach einem No-Brainer – dachten wir uns und haben das Bluboo Mini 3G mit 4,5-Zoll-Display ausführlich getestet. Die traurige Wahrheit: Vieles ist überraschend gut – doch das meiste ist so schlecht, dass wir das Bluboo nach unserem Test maximal unseren Feinden in der Hosentasche wünschen. Warum das so ist, lest Ihr im Test.

Das Bluboo Mini wirkt für ein 50-Euro-Gerät auf den ersten Blick noch ganz sympathisch. Der Rahmen sieht aus als wäre er aus Metall und die bunte Kunststoffrückseite ist griffig.

Bei genauerer Betrachtung sieht es dann aber schon anders aus: So ist der Rahmen zwar metallisch glänzend; in Wirklichkeit besteht er aber aus Kunststoff. Insgesamt scheint im Bluboo Mini praktisch kein Metall verbaut worden zu sein. Zum einen ist das Gerät mit 114 Gramm sehr leicht und zum anderen ist es nicht stabil. Ein minimaler Druck reicht aus und der komplette Rahmen biegt sich durch. Ein versehentliches Draufsetzen bedeutet wahrscheinlich schon das Aus für die Hardware.

Auf den ersten Blick sieht es noch ganz vernünftig aus.

Die Spaltmaße sind in Ordnung, wenngleich natürlich nicht so minimal wie bei einem – teureren – Markengerät. Die Knöpfe knarzen leicht und sitzen sehr locker. Sprich, sie haben Spiel und lassen sich hin und herbewegen. Der Funktionalität tut das keinen Abbruch, aber „Fingerschmeichler“ sind das nicht.

Und das ist auch Bezeichnend für das ganze Gerät. Es sieht ordentlich aus und ist funktional, aber es fühlt sich nicht hochwertig, nicht stabil an. Gelegenheitsnutzer, die nur selten zum Handy greifen, mag das nicht stören. Wer aber mehrere Stunden täglich mit seinem Smartphone verbringt, wird wohl etwas wollen, was einen besseren Eindruck hinterlässt.

Die Ausstattung des 4,5-Zoll-Gerätes ist aus heutiger Sicht unterirdisch. Display-Auflösung, 5-Megapixel-Kamera, 1,3-GHz-Prozessor mit gerade einmal 1 GByte RAM und eine sehr mäßige Speicherausstattung von gerade einmal 8 GByte – das würden wir allen Markenherstellern, auch bei Einsteigergeräten, um die Ohren hauen. Allerdings kostet das Bluboo auch nur die Hälfte. Klar, dass Verzicht da nötig ist. Also verabschieden wir uns von unseren verwöhnten Vorstellungen und prüfen, wo das China-Smartphone wirklich an seine Grenzen kommt.

Wer mit schwachem Display, mieser Kamera und der verbesserungswürdigen Haptik noch ganz gut leben kann, könnte über den kleinen Speicher stolpern. Von den 8 GByte sind zwar „nur“ 3 GByte durch das System belegt, 5 stehen also dem Nutzer zur Verfügung – doch die sind schnell voll. Umfangreiche Apps und Spiele belgen schnell mal einige hundert Megabyte bis einige Gigabyte. Der zusätzliche microSDHC-Kartenslot nützt zumindest für Apps nichts: Trotz Android 6.0 Marshmallow ist dieser externe Speicher leider nicht als echte Speichererweiterung nutzbar. Er dient also nur für Fotos, Videos und Musik.

Auf der Oberseite befinden sich die microUSB-Ladebuchse und die Kopfhörer-Buchse. Hinter dem Plastikdeckel auf der Rückseite sind die Einschübe für zwei SIM-Karten und die microSDHC-Karte platziert, außerdem sitzt der austauschbare 1800-mAh-Akku unterm Deckel.

Neben dem austauschbaren Akku haben zwei SIM-Karten und eine Micro-SD-Karte Platz.

Auf verbaute Sensoren gehen wir an dieser Stelle normalerweise nicht mehr intensiv ein, da sie zur Standardausstattung gehören. Anders ist das beim Bluboo: Der Lichtsensor zur Regelung der Helligkeit und ein Kompass für die Ausrichtung der Karte bei der Navigation fehlen komplett.

Im Vergleich zu anderen 50-Euro-Smartphones verspricht die Anzeige des Bluboo einiges: Anstelle der ansonsten in diesem Preissegment üblichen Auflösungen jenseits von VGA – und damit gefühlt aus dem letzten Jahrzehnt – stellt das 4,5-Zoll-Panel überraschent hoch auflösende 960 × 540 Pixel dar. Das entspricht einer Pixeldichte von immerhin 245 ppi. Na klar, teurere Smartphones schaffen heute locker das Doppelte. Aber der Fairness halber sei gesagt, dass es auch nur 25 Prozent weniger ist, als Apple bei seinen 1000-Euro-iPhones zu bieten hat.

In der Praxis hat uns die hohe Schärfe des Displays in Anbetracht des günstigen Kaufpreises also sehr positiv überrascht. Tatsächlich muss man schon genau hinschauen, um die einzelnen Punkte von Buchstaben, Zahlen und Icons auf dem Homescreen zu sehen.

Die größte Schwäche der Anzeige ist ihre geringe Helligkeit, gepaart mit der Tatsache, dass das Touchscreen-Panel nicht optisch laminiert ist. Touchscreen und Anzeige sind also nicht eins, sondern zwei Bauteile mit einer dünnen Luftschicht dazwischen. Das sorgt bei direkter Sonneneinstrahlung für unschöne Reflexionen zwischen den Glasscheiben und damit für eine schlechte Lesbarkeit – gepaart mit einer Helligkeit von gerade einmal 282 cd/m² ist das einfach viel zu wenig. Das Display ist also auf „schlechtes Wetter optimiert“, ganz im Gegensatz zur Kamera übrigens, aber dazu später mehr.

Der Touchscreen reagiert ausreichend empfindlich; eine größere Hürde stellt da eher die lahme Reaktion der Software da. Standardmäßig ist die Anzeige von einer stabilen Folie geschützt, die keine abstehenden „Fahnen“ zum Entfernen hat. Sie ist also dafür gedacht, zunächst auf dem Display zu verbleiben und sorgt für Schutz vor Kratzern.

Die Hauptkamera knipst Fotos mit 5 Megapixeln, die Selfie-Kamera mit gerade einmal 2 Megapixeln. Diese Werte waren vor einigen Jahren noch okay, aus heutiger Sicht erscheinen sie antiquiert. Aber Pixel sind ja nicht alles. Viel entscheidender für die Qualität der Fotos ist beispielsweise, wie lichtempfindlich Bildsensor und Optik sind, ob es einen optischen Bildstabilisator gegen Verwackeln gibt und wie schnell der Autofokus arbeteitet.

Aufgrund des geringen Preises hat der Hersteller hier aber quasi alles zusammengestrichen, was für hübsche Bilder sorgt. Die Qualität ist dementsprechend weit von dem entfernt, was heute als Standard anzusehen ist. Selbst aktuelle Einsteiger-Smartphones machen weit bessere Fotos als dieser China-Import. Günstige Markengeräte kosten aber zugegebenermaßen mindestens das Doppelte vom Bluboo.

In der Praxis sind die Bilder zwar recht niedrig aufgelöst, doch zum Verschicken per WhatsApp oder zum Hochladen auf Facebook reichen auch die 5 Megapixel locker aus. Dass es an Kontrast und knalligen Farben mangelt, ist da weit schwerwiegender. Bei guten Lichtverhältnissen sind zwar akzeptable Schnappschüsse möglich, gut sehen diese aber nicht aus. Bei schlechten Lichtbedingungen ist das Ergebnis noch katastrophaler. Die Videos ruckeln und sind nicht wirklich brauchbar.

Das Mini von Bluboo ist zwar ein wirklich sehr günstiges Smartphone, Freude kommt bei der Benutzung jedoch nicht auf. Im Gegenteil: Lange Wartezeiten, ein ungenauer Touchscreen-Monitor und eine teils sehr komplizierte Bedienung verderben einem jeden Spaß.

Der Antutu Benchmark errechnet eine Punktzahl von 22.571 Punkten. Im Vergleich mit dem Einsteiger-Smartphone LG K8 sind das immerhin fast 10.000 Punkte weniger. Zwar wird die Gaming-Performance mit Mittelklasse angegeben; in der Praxis sieht das aber anders aus. Aktuelle Spiele brauchen zum einen einfach viel Speicherplatz, zum anderen ist die Hardware einfach viel zu langsam. Das aktuelle Spiel Asphalt 8, läuft erst gar nicht. Andere Games laufen zwar, die Ladezeiten sind aber unerträglich lang.

Auf dem Bluboo läuft Android 6.0. Erfreulich, andere Smartphones in diesem Preissegment kommen teils noch mit dem vollkommen veralteten Android 2.3. Allerdings sollten Käufer eines solchen Außenseiters wie dem Bluboo unbedingt beachten: Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Update auf Android 7 geben wird, ist gleich null. Und aufgrund der voraussichtlich schwachen Verbreitung des Smartphones dürfte es wohl auch keine alternativen ROMs geben, die das Gerät auf die nächste große Android-Stufe bringt.

Bei der Oberfläche handelt es sich um ein angepasstes Android. Ähnlich wie bei Huaweis Emotion UI gibt es keinen App-Drawer – also kein „Hauptmenü“, das alle installierten Android-Apps auflistet. Stattdessen liegt jede einzelne App als Icon auf dem Homescreen. Daran gewöhnt man sich schnell.

Erfreulicherweise ist auch der Rest der Software so aufgeräumt wie die Oberfläche. Eine große Menge an vorinstallierten Apps gibt es nicht. Dazu gehören auch die Google-Services – ab Werk finden wir also weder Google Mail noch Google Maps oder Youtube auf dem Smartphone. Dank Zugang zum Play Store ist das Nachinstallieren dieser Apps aber kein Problem und in kurzer Zeit erledigt.

Hübsche Optik und niedriger Preis; vielmehr hat das Bluboo leider nicht zu bieten.

In wie weit man der Software des Smartphones trauen kann, steht aber – wie so oft bei asiatischen No-Name-Geräten – auf einem ganz anderen Blatt. Der Webbrowser beispielsweise lässt sich nicht starten, solange man ihm keinen Zugriff auf Telefonbuch, Standort und Kamera gewährt. Möglich, dass je nach Vertriebsweg auch weitere Bloatware auf dem Bluboo installiert ist: Andere Testberichte in internationalen Foren vermelden vorinstallierte Apps, die wir auf unserem Gerät nicht finden, und Werbeeinblendungen des Launchers, die wir ebenfalls nicht nachvollziehen können.

Dennoch bleibt zu sagen: Gut, dass es aktuelles, nicht vollkommen vermülltes Android gibt. Schlecht, man wohl kaum mit Updates rechnen kann – und nie so genau weis, wer da nicht vielleicht welche Daten wo abgreift. Oder eben auch nicht.

Das BluBoo Mini 3G mit 4,5-Zoll-Display ist ein klassisches Smartphone vom Typ: Jawohl, ich bin ein Smartphone. Es hat Android samt App Store, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist – aber das war's dann auch schon.

Na klar, dieser Preisbereich bedeutet zwangsläufig Verzicht. Sobald man mehr Geld in die Hand nimmt, gibt es eine wertigere Haptik, eine bessere Kamera, einen länger laufenden Akku und ein Display, das man auch im Sommer am Badesee noch ablesen kann. Fairerweise gilt es aber auch dazu zu sagen, dass man für ein signifikant besseres Smartphone das Doppelte bis Dreifache ausgeben muss.

Um erreichbar zu sein, für etwas WhatsApp, Facebook und gelegentliche Ausflüge ins Internet reicht das Smartphone aus. Die größte Stärke ist der Preis. Ist der entscheidend – oder wenn man sein Smartphone sowieso nur selten nutzt – kann das BluBoo in die nähere Auswahl kommen.

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