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Apple iPad Pro 10.5 im Test: neue Hardware, alte Software

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Im Rahmen der Entwicklerkonferenz WWDC 2017 hat Apple ganz überraschend ein neues iPad-Modell vorgestellt: das iPad Pro 10.5. Im Vergleich zu der Generation zuvor bietet es mehr Leistung, mehr Display und mehr Speicher. Die Hardware ist in vielen Punkten neu, aber die Software bleibt alt. Seit etwas mehr als einer Woche begleitet uns das Tablet. Welche Erfahrung wir mit dem neuen Apple iPad gemacht haben, lest Ihr in diesem Testbericht von TechStage.

Das iPad Pro 10.5 kommt in einer minimalistisch gehaltenen Verpackung daher. Eben wie man’s von Apple kennt: weißer Karton mit einer Abbildung des Gerätes auf der Oberseite, an den Seiten steht der Name des Produktes. Im Lieferumfang ist neben dem eigentlichen Tablet ein 1 Meter langes USB-Kabel mit Apple-Lightning-Anschluss enthalten. Das mitgegebene Netzgerät trägt den Namen 12W USB Power Adapter und hat eine Ausgangsstromstärke von 2,4 Ampere. Das Aufladen dauerte im Test um die 3:30 Stunden.

Im weiblichen Lighting-Anschluss des iPad Pro 10.5 hat Apple einen USB 3.0 Controller verbaut. Unter anderem ermöglicht dieses Upgrade das schnelle Laden. Das dazugehörige Netzteil mit 29 Watt und dem Anschluss USB Type C ist aber nicht dabei und kostet satte 59 Euro. Hinzu kommt ein separat zu kaufendes Kabel-System mit Lightning auf USB Type C. Der ganze Spaß liegt insgesamt bei 109 Euro.

Apple iPad Pro 10.5: Lightning mit USB 3.0
Das iPad Pro 10.5 besitzt eine Schnellladefunktion.

Über das Design des iPad Pro 10.5 gibt es nicht viel zu sagen: ein flacher Computer. Bei der WLAN-only-Variante ist die Rückseite komplett aus Metall, während die Front mit widerstandsfähigem Glas bedeckt ist. Das Aussehen hat sich über die Zeit kaum geändert, hin und wieder gibt es leichte und kosmetische Eingriffe. Wobei sich Apple dieses Mal besonders ins Zeug gelegt und die seitlichen Ränder der vorderen Seite überarbeitet hat.

Laut Hersteller wurde der Glasrahmen um 40 Prozent verkleinert. Ganz rahmenlos ist das neue iPad nicht; die Fassung ist immer noch sichtbar. Trotzdem: Es wirkt deutlich moderner als seine Vorgänger.

Nichts Neues bei der Verarbeitung: Das iPad Pro 10.5 ist hervorragend gebaut. Alle Elemente greifen nahtlos ineinander und sorgen so für die gewohnt hohe Produktqualität. Das Gerät ist 6,1 Millimeter dick und bringt 469 Gramm auf die Waage. Das Halten mit einer Hand ist auf Dauer nicht möglich. Das iPad Pro 10.5 gibt es in den vier aktuellen Apple-Farben Silber, Space Grey, Gold sowie Roségold.

Apple iPad Pro 10.5: Design
Die Rückseite des iPad Pro 10.5 ist aus Metall.

Das iPad Pro 10.5 ist ein Powerhouse, so bewirbt Apple seinen neuesten Tablet-Computer zumindest. Im Inneren arbeitet der frisch vorgestellte Prozessor Apple A10X Fusion mit sechs Kernen. Drei davon kümmern um Hintergrundaufgaben. In sämtlichen Benchmarks schneidet das Tablet erstklassig ab. In Multi-Core-Test von Geekbench 4 haben wir über 9300 Punkte erreicht. Das iPad Pro 9.7 aus dem Jahr 2016 erzielte mit seinem A9X und 2 GByte RAM knapp 5000 Punkte, die aktuellen iPhones landen bei 5500. Sehr gute Resultate gab es auch bei der Auswertung der Grafik-Performance. Im GFXBench Metal Offscreen-Test erreichte das neue iPad 90 Bilder pro Sekunde, der Vorgänger kratzt gerade einmal an 50 fps.

Apple iPad Pro 10.5: Lautsprecher und 3,5 mm
Am iPad Pro 10.5 hat Apple vier Lautsprecher mit Dual-Stereo eingebaut. Ein Klinkenanschluss mit 3,5 mm ist dabei.

Sowohl das iPad Pro 10.5 als auch iPad Pro 12.9 besitzen einen großen Arbeitsspeicher: 4 GByte. Die Leseraten bewegen sich bei um die 1000 MByte pro Sekunde. Das Schreiben von Daten haben wir mit 400 MByte/s gemessen. Für die Messung setzen wir auf die Applikation PerformanceTest Mobile von PassMark Software. Weitere Leistungstests gibt es bei unseren Kollegen von Mac & i.

Die Akkulaufzeit des iPad Pro 10.5 ist unverändert, wenn man es mit dem 9,7er-Modell vergleicht: 10 Stunden gibt Apple an. Wir haben 9:10 Stunden bei einem durchlaufenden Videostream bei mittlerer Display-Helligkeit erreicht. Der Ton war dabei auf 50 Prozent eingestellt. Danach hat sich das Gerät selbst ausgeschaltet.

Gut gefallen haben uns die Dual-Stereolautsprecher im Quad-Design, die wir bereits aus der vorherigen Generation kennen. Sie sind laut und sie besitzen einen tollen Klang, ideal für die Wiedergabe von Videos sowie zum Telefonieren über FaceTime. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Tablet gehalten wird, der Stereo-Effekt ist immer vorhanden.

Das iPad-Pro-System ist eine teure Angelegenheit: Die Preise für unser Modell mit 64 GByte starten ab 729 Euro. Neu hinzugekommen ist die Speichervariante mit 512 GByte ab 1049 Euro. Nicht nur für das Gerät an sich wird viel verlangt, sondern auch für dessen Zubehör. Der Pencil kostet weiterhin 109 Euro, ein simples Cover aus Kunststoff will Apple für 59 Euro verkaufen. Die Liste ist lang.

  • Apple Pencil
    Apple Pencil (MK0C2ZM/A)
  • Apple Smart Keyboard
    Apple Smart Keyboard, KeyboardDock für Apple iPad Pro 10.5\
  • Apple Leather Case
    Apple iPad Pro 10.5\
  • Apple Smart Cover
    Apple iPad Pro 10.5\
  • Apple 29W Power Adapter
    Apple USB-C Power Adapter, USB-Netzteil (Typ-C), 29W (MJ262Z/A)
Apple iPad Pro 10.5: Display
Das Display hat nun eine Diagonale von 10,5 Zoll und stellt 3,7 Megapixel dar.

Das iPad Pro 10.5 ist ein komplett neues Modell der Pro-Reihe. Wie der Name bereits sagt, hat der Bildschirm eine Diagonale von 10,5 Zoll. Im Vergleich zum letzten kleinen iPad Pro sind das 2,04 Zentimeter mehr.

Nicht nur die Größe hat sich verändert, sondern auch die Auflösung: 2224 × 1668, das Bildverhältnis ist unverändert 4:3 geblieben. Auf dem Bildschirm werden nun 3,7 Millionen Bildpunkte dargestellt, statt 3,14 wie beim iPad Pro 9.7 mit einer Auflösung 2048 × 1536 Pixeln. Machen sich die halbe Million Pixel im Alltag bemerkbar? Nein, nicht wirklich. Die Darstellung ist sehr scharf; das zählt. Regulär leuchtet die Anzeige mit einer Helligkeit von 475 Candela pro Quadratmeter, in Räumen mit Kunstlicht ist das ausreichend. Bei einer helleren Umgebung wird ein Boost aktiviert, der noch einmal 100 cd/qm hinzufügt. So ist das Ablesen auch bei Sonnenlicht möglich.

Apple iPad Pro 10.5: Kamera
Im iPad Pro 10.5 hat Apple die gleichen Kamera verbaut, wie man sie sonst von den aktuellen iPhones kennt. Das hat zur Folge, dass die Kamera gefühlt meterweit aus dem Gehäuse heraus guckt.

Eine Neuheit gibt es dann doch: Apple ProMotion. Das hat nichts mit einer Dissertation oder einer verkaufsfördernden Maßnahme zu tun. Über Letzteres kann aber diskutiert werden. Wie dem auch sei, hier geht es um eine dynamische Bildwiederholfrequenz. Statt bisher mit 60 Hertz arbeitet der Bildschirm im iPad Pro 10.5 mit 120 Hz. Bemerkbar macht sich das am deutlichsten beim Scrollen und Wischen. Auch die Animationen laufen flüssiger und wirken ein Stück lebendiger. Je nach Inhalt reguliert sich die Rate, bei einer statischen Darstellung sinkt sie auf ein Sechstel, also auf 20 Hz. Zugute kommt auch die Eingabe über den Apple Pencil, denn durch die höhere Frequenz wirkt der Stift empfindlicher.

Kein Wunder, dass die zwei neuen Modelle der iPad-Pro-Reihe so teuer sind: Apple hat auch seine besten Kameras eingebaut. Die Hauptkamera auf der Rückseite ragt immens aus dem Gehäuse heraus. Sie schießt Bilder mit 12 Megapixel und Videos im Format 4K-Ultra-High-Definition. Neben einer Blende von f/1.8 sitzt im System auch ein optischer Bildstabilisator, der leichte und unerwünschte Bewegungen ausgleicht. Um es kurz zu sagen: Es sind die gleichen Kameras wie in iPhone 7 und iPhone 7 Plus (Testbericht).

Was die Bildqualität angeht, so liefern die Kameras des iPad Pro 10.5 wirklich gute Ergebnisse ab. Sie laden quasi dazu ein, Fotos und Videos mit dem Gerät zu machen. Wir möchten Euch dazu nicht ermutigen, mit einem iPad zu fotografieren – dazu ist es viel zu unhandlich, groß und insgesamt sperrig. Aber falls es sein muss, dann geht es – und das sogar auf einem hohen Niveau. Bleibt nur noch die Frage: Warum baut Apple denn eine derartig gute Kamera in ein Tablet ein? Die Antwort ist einfach: ARKit. Der Hersteller bereitet sich und seine Nutzerbasis auf die erweiterte Realität vor und möchte noch in diesem Jahr die größte Plattform dafür schaffen. Die Grundlage für Augmented Reality – kurz AR – sind eben gute Kameras.

Das iPad Pro 10.5 ist das aktuellste Tablet von Apple. Es kombiniert einen kompakten Formfaktor mit einer beeindruckend starken Hardware. Leider gibt es noch dazu die Software von gestern: iOS 10, ein bekanntes Gesicht. Das System schöpft derzeit nicht seine volle Leistung aus, das macht sich bei der Verwendung erkennbar. Das Potential für mehr ist vorhanden, insbesondere für die Multitasking-Nutzung von iOS 11, das im September für alle bereit steht. Also kaufen? Entweder kann man warten oder schon jetzt zuschlagen. Der Preis wird sich erfahrungsgemäß nicht so schnell verändern. Einen Schnäppchen wird man jedoch bei gebrauchten iPad Pro 10.5 machen, die sicher in großer Stückzahl bis Ende des Jahres auf den bekannten Verkaufsplattformen landen.

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