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Amazon Fire TV Stick im Test: gelungene Streaming-Lösung

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Fernseher haben deutlich längere Halbwertszeiten als Smartphones & Co. – mit dem Fire TV bietet Amazon bereits seit geraumer Zeit eine Möglichkeit an, ältere und „dumme“ TV-Geräte „smart“ zu machen. Am Mittwoch, den 15. April ist es soweit: Dann verkauft Amazon in Deutschland auch den kompakteren Bruder namens Fire TV Stick, der mit 40 Euro einen sehr attraktiven Preis hat.

Online-Shopper müssen sich allerdings gedulden – durch die zahlreichen Vorbestellungen ist der Liefertermin inzwischen in den Mai gerutscht. Wer nicht so lange warten kann, findet den Fire TV Stick allerdings ab Mittwoch auch bei Saturn und Media Markt.

Im Prinzip handelt es sich beim Fire TV Stick um ein kleines Android-Smartphone – oder auch nicht. Das Gadget sieht nämlich nicht wie ein Smartphone aus, sondern mit seinem mattschwarzen, länglich-eckigen Gehäuse wie ein etwas größerer USB-Stick aus – allerdings mit einem HDMI- anstelle eines USB-Steckers, der einfach in eine freie HDMI-Buchse des Fernsehers eingestöpselt wird.

Außerdem läuft auf dem Gerät nicht Android, wie es die meisten Nutzer von Smartphones her kennen, sondern eine speziell von Amazon angepasste Variante namens Fire OS, die die Oberfläche sehr stark auf das Multimedia-Angebot des Online-Giganten fokussiert.

Unter der Haube bietet der Amazon Fire TV Stick einen Dual-Core-Prozessor mit 1 GByte RAM, 8 GByte Flash-Speicher für Apps und Medien sowie MIMO-WLAN. Damit ist er zwar etwas schwächer ausgestattet als der große Fire TV, steht im Vergleich zum direkten Google-Konkurrenten Chromecast aber gut da:

Amazon Fire TV Stick im Vergleich mit Google Chromecast und Amazon Fire TV
Produkt Amazon Fire TV Stick Amazon Fire TV Google Chromecast
Prozessor Dual-Core Quad-Core Single-Core
Arbeitsspeicher 1 GByte 2 GByte 512 MByte
Flash-Speicher 8 GByte 8 GByte 2 GByte
Fernbedienung im Lieferumfang ja, ohne Sprachsuche ja, mit Sprachsuche nein
WLAN Dualband Dualband Singleband
Preis 39 Euro 99 Euro 35 Euro

Zur Stromversorgung gibt es auf der Seite des Gehäuses einen Micro-USB-Port. Und sollte der Platz hinter dem Fernseher oder bei den HDMI-Ports eingeschränkt sein, legt Amazon noch ein etwa zehn Zentimeter kurzes Extender-Kabel bei.

So sieht er im Betrieb aus, der Amazon Fire TV Stick.

Mit seinem handlichen Format hat der Fire TV Stick – wie der Chromecast natürlich auch – einen Vorteil gegenüber den diversen Settop-Boxen: Wer auf Reisen geht, packt den Stick einfach ein und stöpselt ihn im Hotelzimmer in den Fernseher. Und schon kann man genau dort seine Serien weitergucken, wo man aufgehört hat. Das gleiche gilt natürlich auch, wenn man sich bloß vom Wohnzimmer in die Küche bewegt, und dort weiterglotzen möchte.

Die mit dem Fire TV Stick mitgelieferte Fernbedienung hat kein integriertes Mikrofon.

Zum Steuern des Fire TV Stick dient eine im Lieferumfang enthaltene Fernbedienung – oder alternativ eine App, aber dazu später mehr. Die Fernbedienung des Fire TV Stick ist schlicht, macht angesichts des Preises für das Gesamtpaket allerdings einen wertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht aus mattschwarzem Kunststoff. Die sechs Tasten für Play/Pause, nächster und vorheriger Titel, Home, Zurück und Menü sind ebenso wie das runde Vier-Wege-Pad mit dem Button in der Mitte aus glänzendem Plastik gefertigt. Die beiden AAA-Batterien für die Stromversorgung sind erfreulicherweise im Lieferumfang enthalten.

Einen Button vermissen wir allerdings im Vergleich zu der Fernbedienung, die dem großen Bruder Amazon Fire TV beiliegt: den Sprachsuche-Knopf. Entsprechend gibt es auch kein Mikrofon – und keine Möglichkeit, über die Zappe per Spracheingabe nach Medien zu suchen. Wer die Funktion nutzen möchte, muss entweder die dazugehörige Smartphone-App nutzen – oder die „große“ Fernbedienung kaufen, die mit 30 Euro allerdings fast so teuer ist wie der Fire TV Stick selbst.

Allerdings unterliegt die im übrigen beeindruckend gut funktionierende Spracheingabe ebenfalls einer starken Limitierung: Sie steht nur zur Suche in den Amazon-Inhalten zur Verfügung. Wer beispielsweise die YouTube-App auf „funny cat videos“ ansetzen möchte, muss sich mit der virtuellen Tastatur oder – noch schlimmer – dem Onscreen-Keyboard herumschlagen.

So sieht die Fernbedienungs-App für Android aus.

Wie bereits zuvor erwähnt gibt es noch eine Fire-TV-App für Android (Download) und iOS (Download), mit der Nutzer den Fire TV Stick steuern können. Die Anwendung bietet im unteren Bildbereich dieselben drei Buttons für Zurück, Home und Menü wie die Fernbedienung. Oben in der App befinden sich drei Icons zum Herstellen der Verbindung zum Fire TV Stick, zum Starten der Sprachsuche sowie zum Aktivieren der Tastatur, mit der es sich deutlich bequemer tippt als mit dem Onscreen-Keyboard auf dem Fernseher.

Der Großteil des Displays wird von einer Art „virtuellem Touchpad“ ausgefüllt. Durch Drücken und anschließendes Ziehen in eine bestimmte Richtung navigiert sich der Nutzer durch Dialoge. Ein Antippen der Fläche dient zum Bestätigen einer Auswahl. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber gut.

Das Setup des Fire TV Stick geht sehr einfach vonstatten: Man stöpselt den Stick in einen freien HDMI-Port am Fernseher ein und stellt die Stromversorgung über den Micro-USB-Port her. Ein passendes Netzteil ist im Lieferumfang enthalten – wer einen Fernseher mit leistungsstarkem USB-Port besitzt, kann auch diesen zur Stromversorgung nutzen.

Anschließend startet die Oberfläche, und der Nutzer muss nur noch sein bevorzugtes WLAN auswählen sowie das Passwort eintippen. Vorkonfiguriert ist praktischerweise übrigens der Amazon-Account, mit dem man den Fire TV Stick gekauft hat – wer möchte, kann das an dieser Stelle natürlich auch ändern. Es folgt ein Video-Tutorial, das dem Nutzer seine neue Errungenschaft erklärt. Außerdem gibt es hier die Option, eine Kindersicherung zu aktivieren.

Bei der Bedienung verfolgt der Fire TV Stick einen anderen Ansatz als der Chromecast. Wie bereits angedeutet, hat der Amazon-Dongle eine eigene Benutzeroberfläche, in der der User durch Serien und Filme surft, Apps und Spiele installiert und startet, Fotos ansieht, Musik abspielt oder Einstellungen trifft. Der Chromecast wartet dagegen primär darauf, dass der Nutzer Inhalte vom Smartphone aus an ihn schickt.

Die Oberfläche des Fire TV Stick ist intuitiv und übersichtlich aufgebaut, so dass sich auch wenig technikaffine Menschen sofort zurechtfinden. Der Dual-Core-Prozessor hat genug Power, um die schlichten Animationen der Menüdialoge ruckelfrei darzustellen. Genug Power gibt es außerdem für die Darstellung von Videos bis 1080p-Qualität – außerdem wird Sound bis Dolby Digital Version 7.1 unterstützt.

Dieses Bild zeigt das Hauptmenü, das der Amazon Fire TV Stick auf den Fernseher (oder hier: Projektor) zaubert. An den Schatten rechts im Bild ist übrigens nicht der Fire TV Stick, sondern eine besonders geltungsbedürftige Palme schuld.

Der Fire TV Stick zielt natürlich stark auf Amazon-Prime-Kunden ab (Kosten: 49 Euro pro Jahr). Entsprechend prominent platziert der Hersteller hier auch seine eigenen Medieninhalte: Die ersten fünf Menüpunkte unterhalb von Suche und Home umfassen Amazon-Inhalte, aufgegliedert in Prime-Video, Filme, Serien sowie die Watchlist mit gemerkten und die Bibliothek mit gekauften beziehungsweise ausgeliehenen Inhalten.

Positiv fällt hier auf, dass die Filme und Serien nach dem Starten nicht erst großartig puffern, sondern die Wiedergabe quasi verzögerungsfrei beginnt. Die dafür zuständige Technologie nennt Amazon „ASAP“ – es wird hier anhand des Nutzerverhaltens ermittelt, welche Inhalte der User vermutlich als nächstes ansieht und bereits im Hintergrund mit dem Caching begonnen.

Nachdem Amazon derzeit dabei ist, sein Portfolio an Inhalten in Originalsprache auszubauen, insbesondere bei den Serien, vermisse ich eine entsprechende Filterfunktion schmerzlich. Ein wenig Tricksen kann man hier bei der Suche, indem man nach „OV“ oder „OmU“ sucht – allerdings lässt sich dann nicht zwischen Prime-Instant-Video-Inhalten (für Prime-Kunden kostenlos) und kostenpflichtigen Serien und Filmen unterscheiden. Hier gibt's noch Verbesserungsbedarf.

Wer seine Multimedia-Inhalte von einem anderen Anbieter als von Amazon bezieht, wird im integrierten App Store fündig: Hier gibt es Anwendungen von den üblichen Verdächtigen wie Netflix oder Spotify und außerdem die diversen Mediatheken, beispielsweise von ARD oder ZDF sowie Streaming-Clients für YouTube und Vimeo. Daneben findet sich noch ein buntes Potpourri an Media-Playern, Yoga-Apps, Wettervorhersagen & Co.

Die Auswahl an Spielen ist im Vergleich zum Play Store von Google allerdings relativ überschaubar. Unter dem Gebotenen finden sich immerhin auch Hits wie Badland oder Crossy Road. Und auch von Flappy Bird wird man nicht verschont.

Gamer finden bei Amazon für den Fire TV Stick auch einen Gamecontroller, der mit 40 Euro allerdings genauso viel kostet wie der Stick selbst. Alternativ sind aber auch Bluetooth-Gamepads zum Fire TV Stick kompatibel. Erfreulicherweise gibt es im App-Store auf dem Fire TV Stick die Möglichkeit, nur nach Spielen zu suchen beziehungsweise jene explizit auszuschließen, die einen Gamecontroller erfordern.

Der Amazon Fire TV Stick ist ungefähr so groß wie ein Feuerzeug.

Nachdem auf dem Fire TV Stick im Prinzip ein angepasstes Android Verwendung findet, laufen theoretisch auch sämtliche Android-Anwendungen auf dem kleinen Dongle – sofern dieser die Hardware-Anforderungen erfüllt. Außerdem machen Apps, die Beschleunigungssensoren, Kamera und dergleichen nutzen, natürlich auch nicht viel Sinn.

Amazon sieht es zwar nicht direkt vor, dass die Nutzer per Sideloading APK-Dateien auf den Fire TV Stick kopieren, verhindert das allerdings auch nicht aktiv. Tools fürs Sideloading sind beispielsweise adbFire (Windows, Mac, Linux) oder AGK Fire (Android). Und so lässt sich dann etwa auch die umfassende Multimedia-Anwendung Kodi (früher: XBMC) installieren, die den Fire TV Stick dann beispielsweise sogar AirPlay-kompatibel macht.

Nutzer von Android-Smartphones können Inhalte auch einfach über den Cast-Button, der sich in etlichen Anwendungen findet, an den Fire TV Stick schicken. Wenn das Windows-Phone- beziehungsweise Android-Gerät Miracast unterstützt, lässt sich auch einfach der Bildschirminhalt auf den Amazon-Dongle spiegeln – Sound inklusive. Die entsprechende Funktion muss allerdings erst in den Einstellungen des Fire TV Stick aktiviert werden.

Was der Chromecast dem Fire TV Stick allerdings voraus hat, ist die Möglichkeit, mit Hilfe des Google-Cast-Plugins für Chrome Inhalte aus dem Browser an den Fernseher zu schicken. Das ermöglicht es beispielsweise, ansonsten nicht unterstützte Videostreams auf das TV-Gerät oder den Projektor zu bringen. Schade.

Dank des handlichen Formats kann man den Fire TV Stick überall mit hinnehmen. Hinzu kommt allerdings noch ein Micro-USB-Netzteil, das den Stick mit Energie versorgt.

Mit dem Fire TV Stick wirft Amazon einen eindrucksvollen Konkurrenten zu Googles Chromecast ins Rennen, der zwar einen Hauch teurer ist, seinem Rivalen aber in Nichts nachsteht – im Gegenteil. Insbesondere für Fans von Amazons Film- und Serienangebot ist der 40 Euro teure Fire TV Stick ein tolles Angebot.

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