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mpass: Zahlen mit dem NFC-Handy – oder der NFC-Klorolle

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Na endlich, dachte ich mir, als ich Anfang der Woche bei den BestBoyz einen Beitrag über Bezahlen mit dem Handy und NFC gelesen habe. Endlich gibt es eine Anwendung für den Chip im Handy! Vor meinem technikverliebten geistigen Auge baute sich eine Phantasiewelt auf, in der Nutzer ihre NFC-Smartphones zum Blechen kurz an ein Terminal im Getränkemarkt oder an ein Tag am Süßigkeitenautomaten halten, die Zahlung mit der Eingabe einer PIN in einer App bestätigen – und das Thema ist gegessen. Eine coole App und ein praktischer Dienst, die endlich auch die Verbreitung des NFC-Funkmoduls in Smartphones vorantreiben. So die Theorie.

In der Praxis habe ich mich immer noch voller Begeisterung auf die offizielle mpass-Webseite gestürzt. Und auch das, was ich dort auf den ersten Blick gesehen habe, bekräftigte das Bild, das ich von dieser Lösung hatte. Ein Foto zeigt, wie ein Smartphone an ein Lesegerät gehalten wird, dessen Display freudig verkündet: Zahlung erfolgt. Das, worauf ich schon seit langem warte.

Bild: mpass Sieht klasse aus, hat aber nichts mit der Realität zu tun: App und Handy sind für die "Zahlung per Handy" gar nicht nötig.

Wer mpass nutzen möchte, registriert sich über seinen Telefon-Anbieter beim Bezahldienst. Doch was dann kommt, holt mich mit einem lauten Knall in die triste und ganz schön wenig coole Realität zurück: Man bekommt einen NFC-fähigen Aufkleber (!) zugesendet. Der wiederum will auf die Rückseite des Smartphones geklebt werden, und das war's. Zugegeben, ein Ersatz für die Geldkarte ist das irgendwie schon. Aber es ist nicht cool. Ein Aufkleber? Wer, bitteschön, möchte die von Designern in stundenlanger Handarbeit gestaltete Oberfläche seines iPhones, seines HTCs oder Samsungs mit einem plumpen Sticker verschandeln? Ich nicht. Okay, bei manchen Modellen könnte man den Sticker auf die Innenseite des Akkudeckels kleben, aber cooler wird das dadurch auch nicht. Und die Krönung an der Sache: Wenn mein Smartphone bereits NFC-fähig ist, muss ich die Funktion deaktivieren – sie kommt sich ansonsten mit dem Aufkleber in die Quere.

Für so einen NFC-Sticker habe ich ganz andere Einsatzzwecke im Kopf. Denn damit könnte ich im Geschäft mit einer Klorolle, meiner Schuhsohle, dem Hund des Nachbarn oder mit einem 20 Jahre alten C-Netz-Telefon bezahlen.

Zum Bezahlen hält man das Ding im Geschäft übrigens an einen NFC-fähigen Kartenleser, der aber auch schon viele Kredit- und einige EC-Karten kontaktlos lesen könnte. Interaktion mit dem Handy? Fehlanzeige. Kleinbeträge bis 25 Euro werden ohne Rückfrage vom Konto eingezogen, darüber hinaus gibt man einen PIN-Code am Terminal im Geschäft ein. Es gibt zwar eine App fürs Handy, aber die zeigt nur die vergangenen Transaktionen an – und sie ist für den Einsatz gar nicht nötig. Keine Spur von weiteren Möglichkeiten, die uns NFC bringen könnte: Ich kann beim Zahlen nicht auswählen, ob ich die Kreditkarte oder das Lastschriftverfahren nutzen möchte, keine Rabattkartenfunktion, kein Meilensammeln, nichts.

Damit ist die Blase für mich geplatzt. Keine Interaktion mit dem Handy, keine App, nicht das, was ich will. Anmelden werde ich mich dennoch. Denn der Gesichtsausdruck des Verkäufers, wenn ich eine Klobürste an sein Lesegerät halte, wird mich für die Preisgabe meiner Daten sicherlich entschädigen.

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