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iPhone 6s vorbestellbar: Der Wahnsinn geht weiter

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„Guten Tag, ich hätte gerne eine Katze im Sack – darf ich Ihnen 1000 Euro überweisen?“ So oder ähnlich dürften sich Handyverkäufer fühlen, wenn vor ihnen Kunden auftauchen, die ein neues iPhone möchten. Nein, nicht „ein neues“ im Sinne von: Ein aktuelles iPhone als Neuware. Sondern das Kommende. Das iPhone 6s oder iPhone 7 oder iPhone Eiterpickel – wie auch immer es heißen mag, der Name steht ja noch nicht fest.

Die Ausstattung auch nicht. Nicht der Preis, nicht die Optik, nicht die zur Verfügung stehenden Farben. Apple hat bislang noch nicht einmal den Termin offiziell genannt, an denen das nächste Apfel-Handy vorgestellt wird. Und dennoch können Telekom-Kunden sich bereits jetzt für das nächste iPhone registrieren, um das Gerät auch wirklich als erstes in den Händen zu halten.

Das Verhalten ist insoweit nachvollziehbar, da das iPhone inzwischen einfach Massenware ist. Und die Style-Grundregel besagt: Die Coolness eines Produktes ist indirekt proportional zu seiner Verbreitung. Sprich: Je mehr Menschen mit einem iPhone oder einer True-Religion-Jeans herumlaufen, mit einem Weber-Grill ihr Fleisch garen oder mit einem Toyota Prius (okay, der war nie cool) BMW i3 herumfahren, um ein Zeichen für die Umwelt zu setzen – um so weniger fällt der teure Krempel auf. Er wird normal.

Die Zeitspanne zwischen Markteinführung und Verbreitung eines iPhones ist immens kurz. Das iPhone 6 wurde am ersten Wochenende 10 Millionen Mal verkauft. Entsprechend kurz ist auch die Phase, in der das kommende iPhone ein Blickfänger vom Typ „Woah krass, Du hast ja schon das neue iPhone, zeig mal“ ist. Man muss also quasi schon jetzt das Bargeld-Bündel parat legen, um zu den ersten Besitzern „des Neuen“ zu gehören, um zumindest kurz mal richtig cool zu sein. Und vorbestellen.

Speziell beim nächsten iPhone ist das so mittelklug – die Erfahrung sagt, dass das kommende iPhone weder auf den Namen Eiterpickel oder 7 hört, sondern wohl ein 6s wird. Und die Erfahrung sagt auch, dass es sich optisch bis auf Nuancen nicht vom Vorgänger unterscheiden wird. Nicht cool, um „das Neue“ vorzuzeigen.

Ich gebe zu: Ich habe auch einmal ein iPhone vorab bestellt. Nicht so früh wie jetzt, sondern zu einem Zeitpunkt, zu dem Ausstattung, Design und Farben schon feststanden. Es war das iPhone 5 in Schwarz. Das iPhone 5, das binnen weniger Wochen rundum vermackelt war und hinterher an den Rändern überall silbern glänzte. So furchtbar verranzt, dass ich es in einen Bumper stecken musste. Das Problem war die schwarze Farbe, die sich schon beim kleinsten Schleifen am Tisch samt einer dünnen Schicht Alu vom Gehäuse gelöst hat. Nicht einmal eine Woche nach Verkaufsstart gingen die Berichte darüber durchs Netz. Der Lösungsansatz: Bestell' das iPhone 5 nicht schwarz, sondern silbern – und Du hast kein Problem. Aber doof, wenn man gerade 800 Euro gelöhnt hat. Für ein inzwischen vollkommen vermackeltes, schwarzes Modell.

Zumindest ich habe mir damals geschworen, dass ich das nicht noch einmal mache. Ich will mir das Gerät in Ruhe ansehen, bevor ich mir überlege, ob ich es kaufe, den Vorgänger weiter nutze oder zur Konkurrenz wechsle. Auf drei Tage Coolness wegen eines neuen Smartphones kann ich gerne verzichten – aber ich gönne jedem sein neues iPhone, der es wirklich vorbestellen mag. Und ja: Ich werde auch unter denen sein, die sich in der „Zeig doch mal her“-Traube um den ersten Arbeitskollegen sammeln, der am Erstverkaufstag bereits sein neues Apple-Smartphone in den Händen hält.

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