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Vergleichstest Smart Bulbs: RGB-LEDs mit App-Steuerung

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von und Matthias Semlinger  //  Twitter Google+

In den letzten Wochen haben wir Philips Hue, Osram Lightify & Co. ausführlich unter die Lupe genommen. In diesem Vergleichstest gehen wir auf die Unterschiede, die Probleme und die besten Lösungen ein.

Die Welt der LED-Lampen lockt mit vielen Vorzügen. Die Leuchten sind energiesparend, machen auf Wunsch buntes Licht und lassen sich aus der Ferne steuern. Dazu reichen ein Smartphone und die passende App.

Der noch junge Markt hat sich, ähnlich wie der komplette Smart-Home-Bereich, aber noch nicht auf einen Standard einigen können. Diverse mehr oder weniger oder gar nicht zueinander kompatible Produkte unterschiedlicher Hersteller treten gegeneinander an, manche Konzepte eignen sich besser für Insellösungen, andere für eine komplette Haus-Beleuchtung.

Wer das sieht und plant, Geld für ein entsprechendes System auszugeben, fängt schon bald zu überlegen an: Sind billige Lampen genauso gut wie teure? Lohnt es sich, auf Markenware zu setzen? Und wie ist das mit den Apps?

Alle per Smartphone steuerbaren Lampen setzen auf eine der verschiedenen Funktechniken. Dabei gibt es zwei grundlegende Kategorien: Lampen, die direkt mit dem Smartphone kommunizieren, und solche, die für die Kommunikation ein Gateway benötigen.

Eine direkte Kommunikation ist etwa per Bluetooth möglich, aber auch per WLAN. Durch die direkte Kommunikation spart man sich ein Gerät – eben das Gateway, das üblicherweise am Netzwerkkabel hängt oder mit dem WLAN verbunden ist; handelt sich aber auch die typischen Probleme der jeweiligen Funktechnik ein. Bei Bluetooth sind dies etwa die beschränkte Reichweite im Gebäude und die Tatsache, dass man bislang nur mit einem Gerät gleichzeitig kommunizieren kann. Bluetooth lernt zwar gerade unter dem Stichwort „Bluetooth Mesh“, Netzwerke aufzuspannen und wird dann spannende Möglichkeiten bieten. Noch ist aber die Spezifikation nicht verabschiedet.

RGB-LEDs mit Bluetooth:
Elgato Avea Bulb im Test

Die zweite Funktechnik zur direkten Kommunikation ist WLAN. Die Technik erlaubt hohe Datenraten und höhere Reichweiten als Bluetooth, verbraucht aber relativ viel Strom, ist teuer und mit der Steuerung von Lampen eigentlich unterfordert. Vermutlich aus diesem Grund besitzen die meisten Lampen mit WLAN-Technik, die wir bislang zu Gesicht bekommen haben (vor allem von Sengled und Awox), integrierte Lautsprecher, WLAN-Repeater oder Kameras. Für Audio- und Videostreams ist die höhere Bandbreite nämlich durchaus sinnvoll.

RGB-LEDs mit WLAN:
Sengled Boost Wifi mit WLAN-Repeater
Sengled Snap im Test
Sengled Pulse Flex im Test

  • Sengled Boost
    Sengled Boost WiFi LED 3.7W/827 GU10 (A01-GU10EAW)
  • Sengled Snap
    Sengled Snap LED 14W/830 E27 (AS01-PAR38EAE27)
  • Sengled Pulse
    Sengled Pulse Flex LED 4.7W/827 E27 silber (C02-BR30EAE27-S)

Derzeit marktführend sind Lampen, die über ein Gateway mit dem Netzwerk oder WLAN kommunizieren, für die Kommunikation zwischen Gateway und den einzelnen LEDs kommt Zigbee zum Einsatz. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Technik gehören die Hue-Familie von Philips sowie die Produkte von Osram Lightify. Einige wenige Leuchtmittel funken mit dem Konkurrenz-Protokoll Z-Wave, doch das ist in Deutschland nicht sonderlich verbreitet. Beim Kauf der Zigbee-Lösung sollte man im Idealfall zu einem Starter-Kit greifen, bei dem neben einer bis drei LEDs das Gateway schon dabei ist.

RGB-LEDs mit Zigbee:
Philips Hue im Test
Osram Lightify im Test

  • Hue RGB
    Philips Hue White E27 Starter-Kit (44955400)
  • Hue Weiß
    Philips Hue White Ambiance E27 Starter-Kit (929001200101)
  • Hue GU10
    Philips Hue White and Color Ambiance GU10 6.5W Starter-Kit (50862600)
  • Lightify
    Osram Lightify E27 Starter Kit + CL A60 RGBW (929715)

Nächster Unterscheidungspunkt: Welche Farben können die Smart Bulbs darstellen? Die einfachste Variante kann nur einen Weiß-Ton und ist dimmbar. Bei der nächst besseren Version ist die Farbtemperatur des weißen Lichts zwischen kalt – toll für's Arbeiten – und warm – schön gemütlich – justieren. Bei den meisten steuerbaren, weißen LEDs ist das der Fall.

Wenn's bunt werden soll, kommen RGB-LEDs ins Spiel. RGB steht für Rot, Grün und Blau, aus diesen Grundfarben lassen sich alle anderen Farben mischen. Allerdings klappt das Mischen vor allem dann nur bedingt, wenn weißes Licht das Ziel ist: Weil die einzelnen Grundfarben bei den meisten LEDs nicht komplett gleich hell leuchten, ist das weiße Licht aus RGB-LEDs häufig farbstichig und wirkt bläulich oder grünlich, manchmal auch rötlich. RGB-LEDs sind also perfekt als Effektbeleuchtung geeignet, aber nur eingeschränkt, um einen Raum auch „ganz normal“ mit Licht zu versorgen.

Hier kommen RGBW-LEDs ins Spiel, die zusätzlich zu den drei Grundfarben noch eine zusätzliche LED für weißes Licht an Bord haben. So klappt's auch ohne Farbstich. Während bei Osram das RGBW explizit aufgeführt ist, heißen die Hue-Leuchten von Philips mit RGBW-Technik „White and Color Ambiance LED“.

Bezeichnend: Vor allem die rein-weißen LEDs sind extrem viel günstiger als die mit regelbarer Farbtemperatur oder RGB-Beleuchtung. Bei einem Lampenpreis ab etwa 15 Euro ist mittelfristig vielleicht auch die Umstellung der kompletten Lichtanlage denkbar. Hier die aktuellen Preise am Beispiel von Philips Hue mit E27-Standardfassung im Vergleich:

  • RGBW
    Philips Hue White and Color Ambiance Single LED-Bulb E27 10W (8718696592984)
  • regelbar weiß
    Philips Hue White Ambiance Single LED-Bulb E27 9.5W/822 (8718696548738)
  • nur weiß
    Philips Hue White Single LED-Bulb E27 9.5W/827 (8718696449578)

Nicht unbeachtet lassen sollte man auch die Leistung der Leuchtmittel. Für kleinere Räume reicht die Lichtleistung der schwächeren Lampen ab etwa 5 Watt Nennleistung aus. Ist ein größerer Raum wie ein Wohnzimmer auszuleuchten, sollte man sich schon ein paar Gedanken zur Leistung der Komponenten machen. Gut bewährt haben sich in jedem Fall Leuchten mit annähernd 10 Watt, die von den Herstellern gerne auch als Ersatz für die ehrwürdigen 60-Watt-Birnen angepriesen werden.

Die meisten Smart-Bulbs gibt es mit E27-Schraubgewinde – das ist die Standard-Fassung der meisten Glühbirnen in unseren Breitengraden. Manche Lampen haben aber auch das kleinere E14-Gewinde (die sogenannten Kerzen-Glühbirnen).

Spannend wird's, wenn Halogen-Lampen gegen Smart Bulbs ersetzt werden sollen. Hier gibt es nicht nur etliche verschiedene Fassungen, sondern auch unterschiedliche Spannungen. Die Niedervolt-Systeme mit 12 Volt, deren Birnchen oder Birnchen in Fassung mit dünnen Beinchen gesteckt werden, kann man nicht gegen Smart Bulbs ersetzen. Bei den Hochvolt-Halogenleuchten hat sich vor allem die GU10-Fassung durchgesetzt, bei der die Birne erst eingesetzt und dann mit einer Drehbewegung arretiert wird.

Das sollte man auf jeden Fall beachten, bevor man sich für ein System entscheidet. Vor allem die kleineren Systeme und No-Name-Anbieter fallen hier raus, während die Markenhersteller wie Osram oder Philips Birnen in unterschiedlichen Formaten im Programm haben – und darüber hinaus beispielsweise LED-Streifen für Beleuchtung im oder unterm Schrank, Lampen für den Garten oder Nachttischbeleuchtung.

Hier die Preise und Modelle am Beispiel von Philips Hue:

  • RGBW E27
    Philips Hue White and Color Ambiance Single LED-Bulb E27 10W (8718696592984)
  • RGBW E14
    Philips Hue White and Color Ambiance Single LED-Bulb E14 6.5W (929001301301)
  • RGBW GU10
    Philips Hue White and Color Ambiance Single LED-Spot GU10 6.5W (929000261705)
  • RGBW Strip
    Philips Friends of Hue LightStrip Plus (71901/55/PH)

Sind die Lampen einmal gegen Smart Bulbs ersetzt, sollte man die Finger vom Lichtschalter lassen. Natürlich kann man die Deckenleuchte damit abschalten, doch dann sind die Birnen stromlos und können nicht mehr auf Befehle per Smartphone reagieren.

Um so wichtiger ist eine gut funktionierende App. Leider scheitert es hier bei vielen Herstellern – vor allem das Hue-System von Philipps hat uns hier überzeugt.

Es gibt aber auch Alternativen zur Steuerung der Beleuchtung. Amazons Sprach-Assistent Alexa beispielsweise reagiert auf die Stimme und schaltet zum Beispiel Philips-Hue-Lampen. Ein Standard soll für Kompatibilität sorgen. Wem Vernetzung und Interoperabilität wichtig ist, der sollte auf das Stichwort Zigbee Lightlink achten.

Manche Hersteller haben darüber hinaus auch batteriebetriebene Fernbedienungen im Programm, die man wie einen Lichtschalter an die Wand hängen kann.

Unterm Strich ist die Ausrüstung mit LEDs natürlich auch ein Kostenfaktor. Von ganz billig (Pearls CasaControl-Starterset (im Test) mit drei RGB-LEDs kostet mit knapp 38 Euro weiger als eine einzelne E27-RGB-LED von Phillips, das Starter-Kit aus Gateway und drei LEDs kostet mit 140 Euro fast das Vierfache.

Aber wer unseren Test zu Casacontrol liest, sieht den Preisunterschied gleich mit anderen Augen: Das Produkt taugt nichts. Billig ist nicht zielführend, und spätestens, wenn man in der Stehlampe im Wohnzimmer andere Fassungen vorfindet, war der günstige Kauf eine Fehlinvestition. Der Einsatz unterschiedlicher Systeme verschiedener Hersteller macht in der Praxis weder Sinn noch Spaß, da man im zweifelsfall für jede Leuchte auch noch eine andere App benötigt.

Vor dem Kauf sollte man langfristig planen und sich die Optionen offenhalten. Brauche ich wirklich überall RGB, oder tun es in manchen Leuchten oder Zimmern nicht auch weiße LEDs? Welche Fassungen habe ich im Haus, und bekomme ich bei dem gewünschten Hersteller die nötigen Smart Bulbs?

Außerdem haben wir festgestellt: Geiz ist ungeil. Am meisten haben uns die Markenprodukte überzeugt, allen voran die Hue von Philips. Die Produkte von Osram sind ebenfalls gut, doch zumindest derzeit schwächelt die App. Für einzelne farbige Effektbeleuchtungen ist die Bluetooth-Lösung von Elgato der Preis-Leistungssieger.

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