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Sollte das App-Angebot bei Handy-Tests bewertet werden?

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Nicht erst seit dem Lumia-Monat stellen wir uns immer wieder die Frage: Sollte man das App-Angebot eines Ökosystems in die Bewertung eines Smartphones einfließen lassen? Doch speziell in diesem Monat, in dem Stefan, Fabi und ich unsere privaten Handys gegen Nokias mit Windows Phone eingetauscht haben, kommt die Frage in vielen Kommentaren immer wieder hoch.

Verständlich. Denn auf der einen Seite ist es unfair, ein eigentlich tolles Gerät abzuwerten – nur weil es wenig verbreitete Messenger-Apps, Ferbedienungs-Software für Musik-Streaming-Geräte oder Angebote lokaler Verkehrsbetriebe nicht gibt. Die Grundfunktionen sind ja gut: Man kann im Web surfen, telefonieren, fotografieren, Notizen schreiben und SMS versenden. Dazu gibt's vielleicht noch ein tolles Display, eine gute Kamera und eine hervorragende Verarbeitung.

Nokia kann schließlich gar nichts dafür, wenn die Münchener Verkehrsgesellschaft ihre Handy-Tickets nicht unter Windows Phone, sondern nur per Android- und iOS-App verkauft. Oder ich für bestimmte Dinge Dritt-Anbieter-Apps benötige, weil es kein Original gibt. Oft muss ich Geld für eine in anderen Ökosystemen kostenlose App hinblättern, die auch noch weniger Funktionen bietet. Ja, mit FreeCars (für 99 Cent) kann ich mir die Fahrzeuge von Car-Sharing-Anbietern wie Drive Now anzeigen lassen. Aber ich kann nicht nach Cabrios oder Autos mit Automatikgetriebe suchen. Unterm Strich muss ich im Alltag mit vielen Einschränkungen leben. Zum Beispiel wieder Fahrkarten aus Papier am Automaten kaufen. Bedeutet: Fünf Minuten früher aufstehen. Oder anders: Es bedeutet den Verlust von einem kleinen Stück Lebensqualität.

Versteht mich nicht falsch. Natürlich ist es um Längen wichtiger, ein Dach über dem Kopf zu haben, etwas Warmes zum Essen, ein Bett, gute Schuhe. Was ich hier mache, ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Aber wir legen viel Geld für ein Smartphone auf den Tisch – und können dafür auch einiges verlangen. Denn schließlich habe ich ja die Wahl, ob ich mir ein Handy mit Windows Phone, Android, iOS oder etwas ganz Exotischem kaufe. Und diese Wahl entscheidet darüber, an wie vielen Punkten das Smartphone meinen Alltag erleichtert.

Natürlich kann Nokia nichts dafür, dass es bestimmte Apps für Windows Phone nicht gibt. Aber Nokia hat sich eben für ein Ökosystem entschieden, dass als Nachzügler in den Markt eingetreten ist und sich vor allem in Bezug auf die Apps signifikant hinter iOS und Android einreihen muss. Würde Android statt Windows auf dem Lumia 1020 laufen, könnte ich mein U-Bahn-Ticket auf dem Weg zum Bahnhof kaufen und mir bei gutem Wetter in der Bahn ein Cabrio reservieren.

Car-Sharing von Drive Now: Apps sind zentraler Bestandteile vieler Geschäftsmodelle – aber wie hier gibt's die Apps häufig nur für die beiden führenden Betriebssysteme Android und iOS.

Damit komme ich wieder zurück zur Ausgangsfrage: Ja, die App-Auswahl ist meiner Meinung nach zwingender Bestandteil einer Bewertung. Denn selbst ein Top-Smartphone im federleichten und hyperstabilen Titangehäuse, mit 4K-Display, rattenscharfer Digicam und allem, was man sonst noch so braucht, ist nichts wert – wenn man damit nichts machen kann. Eigentlich kauft Ihr mehr Ökosystem als Hardware, wenn Ihr euch für ein Smartphone entscheidet.

Seht Ihr das ähnlich oder anders? Findet Ihr, Apps sind vollkommen überbewertet – und Unternehmen sollten lieber die App Stores links liegen lassen und aufs Web ausweichen? Wir freuen uns über Eure Meinungen!

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