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Smartphones mit flexiblem Display: Was bringt mir das?

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Als vor knapp zehn Jahren die ersten Berichte zu OLED-Displays aufkamen, blieb wohl in erster Linie eine Eigenschaft in den Köpfen hängen: Die Bildschirme sind hauchdünn – so dünn, dass man sie biegen oder sogar zusammenrollen kann. Aktuell ist zwar ein Teil der Smartphones mit solchen OLED-Bildschirmen ausgestattet; verbogen werden wollen die aber ganz bestimmt nicht. Wo ist sie denn nun, unsere schicke Zukunft, wie wir sie uns Anfang des 21. Jahrhunderts ausgemalt haben?

Heute hat Samsung mit dem Galaxy Round das erste Smartphone mit einem flexiblen Display vorgestellt – der ebenfalls koreanische Konkurrent LG soll angeblich noch im November folgen. Eines steht jetzt schon fest: Verbiegen kann man weder das eine, noch das andere Gerät. Denn so flexibel der Bildschirm auch sein mag, Akku, Prozessor, Mainboard & Co. sind es (noch) nicht.

Wer gehofft hatte, bald einen Bildschirm im TV-Format in die Hosentasche falten zu können, für den wird das eine herbe Enttäuschung sein. Aber es gibt auch jetzt schon ein paar triftige Gründe, warum ein flexibles Display in einem ansonsten starren Smartphone Vorteile bietet.

Flexible Displays ermöglichen es den Designern und Entwicklern, sich an neue Formfaktoren heranzuwagen. Auf der CES zeigte Samsung einen Prototypen seines YOUM-Displays in einem Smartphone, bei dem der Bildschirm rechts und links ein Stück weit um das Smartphone herum reicht. Und im folgenden Clip geht Nokia sogar noch einen Schritt weiter und wickelt ein imaginäres Mobiltelefon komplett ins Display ein.

Mit flexiblen Displays sind Mobiltelefone denkbar, wie sie sich Nokia in diesem Video ausmalt.

Ein wenig konservativer wirkt da schon das Samsung-Smartphone Galaxy Round, das heute für Korea vorgestellt wurde: Es wölbt sich lediglich ein wenig um die vertikale Achse. Auch beim LG-Handy wird es vermutlich keine riesige Revolution geben – das G Flex soll sich am oberen und unteren Hand ein wenig zum Nutzer hinbiegen und damit der runden Kopfform folgen.

Luft nach oben: Abgesehen von dem Herumgerolle gibt es keine Features, die direkt von dem gewölbten Formfaktor des Galaxy Round profitieren.

So wirklich überzeugt sind wir davon noch nicht. Und Samsungs bis dato einzig konkretes Feature, das direkt aus dem runden Display folgert, sieht eher wie eine Rechtfertigung aus: Wer das Galaxy Round, das auch eine abgerundete Rückseite hat, auf dem Tisch zu sich wippt, bekommt auf dem Display kurz die aktuellen Benachrichtigungen angezeigt. Außerdem lässt sich mit dem Herumgewippe noch der Musikplayer steuern, ohne dass der Nutzer den Bildschirm anschalten müsste. Und in der Bildergalerie springt man so von Bild zu Bild. Wowgähn. Sonst spricht Samsung nur von "exclusive experiences of curved display" – wir sind auf jeden Fall mächtig auf ein Hands-on gespannt.

Wie dem auch sei: Hier gibt es zumindest jetzt noch mächtig Luft nach oben – und wir sind richtig gespannt, was sich die Entwickler in den nächsten Monaten noch einfallen lassen werden. Vielleicht hat LG ja noch die eine oder andere Überraschung parat.

Im Gegensatz zu traditionellen Displays verzichten die flexiblen OLED-Bildschirme auf Glas oder andere starre beziehungsweise spröde Materialien. Dementsprechend lassen sie sich nicht nur problemlos verbiegen, sondern überstehen auch anderweitige physikalische Einwirkungen einwandfrei. Im folgenden Video hackt der YouTube-Nutzer Sammamishwa mit einem Hammer auf ein ziemlich unbeeindrucktes OLED-Display von Samsung ein.

Bei der Robustheit gibt es ein ähnliches Problem wie mit der Flexibilität: Würde der Macher des Clips auf die Steuerungselektronik des OLED-Displays hauen, wär auch schnell Schluss mit der Darstellung.

Die flexiblen OLED-Bildschirme sind also auch für outdoor-taugliche Smartphones prädestiniert. Allerdings gibt es da natürlich nach wie vor noch eine Einschränkung: Der Touchscreen-Digitizer sowie die Scheibe über dem Display müssen natürlich ebenfalls stoßfest sein – sonst nützen alle Verrenkungen nichts.

Sowohl Samsung als auch LG haben bereits detaillierte Specs zu ihren flexiblen OLED-Displays veröffentlicht. Das Samsung-Panel ist bei einer Diagonale von 5,7 Zoll gerade einmal 0,12 Millimeter dick und 5,2 Gramm schwer. Der 6 Zoll große LG-Bildschirm ist mit 0,44 Millimetern und 7,2 Gramm nicht minder beeindruckend. Damit dürften uns die hauchdünnen OLED-Anzeigen mittelfristig auch noch schlankere und leichtere Mobiltelefone bescheren – oder die Hersteller nutzen den hinzugewonnenen Platz, um stärkere Akkus zu verbauen.

Auch wenn die Displays jetzt flexibel werden, zusammenfalt- und aufrollbare Smartphones gibt es noch nicht. Doch auch abseits der feuchten Science-Fiction-Träume werden uns die neuen Bildschirme etliche Vorteile bringen – ich bin insbesondere auf die Designs gespannt, die uns mit den biegbaren OLED-Anzeigen in den kommenden Monaten noch erwarten.

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