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Smartphone-Prozessoren im Überblick: Alles Snapdragon?

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Zugegeben: Zur CES im Januar dachte ich noch, 2013 wird das Jahr der Smartphone-Prozessoren. Beziehungsweise des Krieges rund um die Prozessoren, denn allein Nvidias Aufgebot zur Vorstellung des Tegra 4 war gigantisch. Und als Samsung und Intel auf der Computex im Juni dann noch eine Partnerschaft und gleichzeitig das Galaxy Tab mit Atom-Prozessor angekündigt haben, war für mich die Sache klar: Jetzt gibt's in diesem Umfeld echte Konkurrenz.

Unter allen Quad-Core-Smartphones in Deutschland, die in diesem Jahr vorgestellt wurden, findet sich lediglich ein Modell ohne Qualcomm-Chip: das Huawei Ascend P6.

Ein dreiviertel Jahr später habe ich mir die tatsächliche Verteilung der verschiedenen Prozessor-Hersteller und der einzelnen Chips bei den High-End-Geräten 2013 angesehen. Das Ergebnis ist überraschend: In Deutschland spielen Prozessoren abseits des Marktführers Qualcomm bei High-End-Geräten mit Quad-Core-Prozessor keine Rolle. 15 von 16 Geräten der großen Hersteller (Acer, Asus, HTC, Huawei, LG, Motorola, Samsung und Sony) kommen mit Snapdragon S4, Snapdragon 600 oder Snapdragon 800. Nvidias Tegra 4 und Intels Atom spielen bei Smartphones keine Rolle. Lediglich Huawei setzt bei seinem Ascend P6 auf eine Eigenentwicklung (HiSilicon K3V2). Und obwohl Samsung ebenfalls eigene Chips herstellt und diese auch in Top-Modellen wie dem Galaxy S4 in anderen Ländern verbaut, sind alle für den deutschen Markt vorgesehenen Modelle mit Snapdragon ausgestattet. Apple taucht in dieser Statistik nicht auf, weil der A7-Prozessor "nur" zwei Rechenkerne hat. Ansonsten würde das Feld nur minimal um einen weiteren Teilnehmer verschoben werden.

Der Blick auf die einzelnen Chips zeigt: Qualcomm führt mit seinem Top-Modell 800. Danach folgen der kleinere Bruder 600, der vor allem Anfang des Jahres in Smartphones wie dem HTC One oder dem Galaxy S4 Einzug erhalten hat. Einige Modelle kommen noch mit der Quad-Core-Ausführung des etwas betagten Snapdragon S4.

Nvidias Tegra 4 hat es neben den hauseigenen Geräten Shield und Note zumindest in eine Handvoll Tablets geschafft – die bekanntesten dürften Microsofts Surface 2 und Asus' Transformer Pad Infinity sein. Der kleinere Bruder Tegra 4i kommt auf dem freien Markt in keinerlei Geräten vor, und in hierzulande erhältlichen Smartphones ist ebenfalls noch kein Tegra 4 verbaut.

Auch bei Intel sieht es bei genauerer Betrachtung trotz großem Engagement noch überschaubar aus. Zu den prominentesten Beispielen gehört das in Deutschland – wenn überhaupt – nur in homöopathischen Dosen sichtbare Lenovo K900 mit Atom Z2580 sowie das Galaxy Tab 3 10.1 mit Atom Z2560. Intel-Smartphones im Massenmarkt gibt es bislang ebensowenig wie Modelle mit Tegra 4.

Wie Apple bei seinem A7-Prozessor im iPhone 5S setzt auch Intel bei seinen Tablet- und Smartphone-Prozessoren weiterhin auf zwei statt auf vier Rechenkerne. Das bedeutet aber nicht, dass hier nur die halbe Leistung zur Verfügung steht, denn diese Chips arbeiten mehr Aufgaben pro Takt ab. Und damit kann ein A7-Prozessor einen Snapdragon 600 durchaus nass machen – vor allem, wenn die tatsächlich genutzten Apps nicht auf Mehrkernprozessoren optimiert wurden. Und das ist, Stand heute, in den seltensten Fällen so. Mehr dazu gibt's in unserem Testbericht zum iPhone 5S.

Auch Nokia setzt bei seinen aktuellen High-End-Geräten, darunter dem Lumia 1020 mit der 41-Megapixel-Kamera, auf Dual-Core-Prozessoren. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die neueste Generation, die etwa im iPhone oder im Galaxy Tab 3 10.1 zum Einsatz kommt, sondern um die etwas betagten Snapdragon-S4-Chips. Die nächste Generation der Nokia-Smartphones wird mutmaßlich auf Quad-Core-Prozessoren setzen – von Qualcomm.

Obwohl Intel und Nvidia sowie Samsung mit seinem Achtkern-Chip medial große Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, sieht es in der Praxis ganz anders aus: Nahezu alle aktuellen Smartphones aus dem High-End-Segment sind mit Qualcomm-Prozessoren ausgestattet. Eine Wende ist nicht in Sicht.

Für Qualcomm ist das sicherlich eine gute Nachricht. Der Nutzer hingegen dürfte sich über etwas Konkurrenz durchaus freuen, denn das fördert Innovationen und drückt die Preise. Aber offenbar haben Nvidia und Intel heute noch nicht genügend Vorteile (oder andere Nachteile), um HTC, Samsung, LG oder Sony zur eigenen Produktpalette zu locken.

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