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Reingefallen: Warum Kickstarter & Co. für mich gestorben ist

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Bei Indiegogo gibt es aktuell einen 3D-Drucker, den ich unbedingt haben möchte. Ich schlage nicht zu: Grund sind die miesen Erfahrungen in der Vergangenheit.

Das Angebot ist verlockend. Forge 1 heißt er, ein 3D-Drucker, der nach dem SLA-Verfahren arbeitet – also eine Kunststoff-Flüssigkeit durch Licht gezielt aushärtet. Damit sind deutlich höhere Auflösungen und schönere Ergebnisse möglich als bei den verbreiteten FDM-Druckern, die geschmolzenen Kunststoff Schicht für Schicht aufeinander auftragen. Nachteil sind die hohen Kosten für Hardware und Druckmittel sowie die kleinen Druckraumgrößen der bezahlbaren Modelle.

Indiegogo könnte meine Lösung sein. Wer schnell ist, kann den Forge 1 dort für 999 US-Dollar „backen“. Ja, backen – nicht vorbestellen, nicht kaufen. Man zahlt das Geld, damit der Anbieter der Kampagne sein Produkt fertig designen und die Kleinserien- oder Massenproduktion in Auftrag geben kann. Ein grundsätzlich tolles Prinzip, das allerdings auf Vertrauen basiert: Kommt nichts, hat man Pech. Und im Gegensatz zu anderen Diensten, die im Web auf Vertrauen basieren – eBay zum Beispiel – gibt es bei Kickstarter, Indiegogo & Co. kein einfaches Bewertungssystem.

Flexibles Funding-Ziel: Die Macher dieser Kampagne bekommen ihr Geld auch dann, wenn das Ziel nicht erreicht wird.

In der Vergangenheit war mein Vertrauen groß. Bei etlichen Kampagnen habe ich mitgemacht, Türklingeln mit WLAN und Kamera, Kamera-Drohnen mit Handy-Steuerung, ein Plasma-Feuerzeug mit USB-Antrieb. Cooles Zeug, das es so einfach noch nicht im Laden gibt – oder zum Zeitpunkt der Kampagne gab.

Von diesen drei Beispielen habe ich nur die WLAN-Türklingel bekommen. Der 3D-Pocketcopter war ein großes Desaster, das Volt-Feuerzeug scheint auch eins zu werden. Die Männer hinter den Kampagnen haben das Geld bekommen und vermutlich sogar versucht, das Produkt zu realisieren. Sie sind gescheitert. Laut Aussagen der Macher war in beiden Fällen die Produktion in China das Problem. Aber wer weiß es schon.

Für den 3D-Pocketcopter habe ich 90 Euro bezahlt – die sind weg. Bekommen habe ich nichts. Die letzte Info des Machers ist fast ein Jahr alt, seitdem beschweren sich nur noch Unterstützer, die ebenfalls nichts bekommen haben.

Schon seit längerem gehen bei mir alle Alarmglocken an, wenn in einer Crowdfunding-Kampagne ein flexibles Zahlungsziel eingestellt ist. In diesem Fall bekommen die Macher das Geld auch dann, wenn die selbstgesteckten Ziele nicht erreicht werden – also weniger Menschen bei der Kampagne mitmachen, als für die Realisierung des Projektes nötig wären. Genau das ist auch bei „meinem“ 3D-Drucker der Fall.

Versteht mich nicht falsch. Ich will niemandem etwas böses vorwerfen. Aber meine Erfahrungen sind einfach schlecht, ich habe inzwischen zu viel Geld in den Sand gesetzt. Das gar nicht mal so kleine Risiko, 1000 Euro zu verlieren, ist es mir nicht wert, ein paar hundert Euro gegenüber eines fertigen, kommerziellen und bestellbaren Produkts zu sparen.

In den letzten Jahren gab es einige berühmte Fälle von Crowdfunding-Pleiten. „Berühmt“ wurden diese Fälle meist deswegen, weil die Macher hinter den Kampagnen gleich Millionenbeträge in den Sand gesetzt haben. Dazu gehört die Mini-Drohne Zano – 2,5 Millionen Pfund eingenommen, einige hundert statt etliche tausend ausgelieferte Produkte, die nie wirklich funkioniert haben, Insolvenz.

Der Laser-Rasierer Skarp hat bei Kickstarter 4 Millionen Dollar eingesammelt. Kickstarter selbst hatte wohl kein gutes Gefühl, hat die Kampagne eingestellt und die Nutzer wieder ausbezahlt. Die Macher des Skarp haben die Kampagne dann bei Indiegogo eingestellt. Fertige Produkte gibt es bis heute nicht, obwohl die Auslieferung für Dezember 2016 angekündigt war.

Dazu gehört die coole E-Paper-Uhr CST-01, mehr als eine Million Dollar, etliche tausende Unterstützer – das Produkt kam nie. Und auch, wenn der Laser-Rasierer Skarp bislang noch kein eindeutiger Fail ist, sehen auch hier die Vorzeichen nicht sonderlich gut aus. Die Kampagne machte auf Kickstarter über 4 Millionen Dollar, wurde dann von Kickstarter selbst gesperrt – und lief danach auf Indiegogo, wo sie immerhin noch eine halbe Million Dollar einnahm. Die Auslieferung der ersten Rasierer hätte im Dezember erfolgen sollen, passiert ist bislang: nichts.

Bei einer der von mir unterstützten Kampagnen mit Totalverlust hat ein anderer Leidensgenosse das Fazit schön zusammengefasst: Überlasst das Risiko von Produktentwicklungen lieber professionellen Kapitalgebern und Banken. Kauft fertige Produkte bei Amazon, eBay & Co. und zahlt mit Paypal, statt ein paar Euros zu sparen und Totalverlust zu riskieren.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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