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Kostenpflichtiger Jailbreak und Unlock für iOS 7 im Test

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Wann immer Apple eine neue Software-Version für seine iPhones und iPads auf den Markt gibt, entsteht ordentlicher Trubel im Netz: Die Jailbreaker-Gemeinde sucht händeringend nach Antworten. Kann man dieses Update durchführen, gibt es danach noch einen Jailbreak? Komme ich wieder zurück? Und überhaupt?!

Die Antwort ist meist: Nö. Für nagelneue iOS-Versionen gibt es nie einen Jailbreak, frühestens einige Tage, meist erst einige Wochen nach Veröffentlichung schaffen es die üblichen Verdächtigen, eine Sicherheitslücke im Betriebssystem der Apple-Mobilgeräte zu finden, auszunutzen und in ein idiotensicheres Programm zu gießen, das hinterher den begehrten Cydia-App-Store installiert.

So ist es auch bei iOS 7. Bereits vor der Veröffentlichung gingen die Diskussionen durchs Netz. Hinweise von Jailbreakern ließen hoffen, dass es nicht lange dauern könnte. Doch wie bei allen großen Updates von Apple schiebt der Konzern auch dieses Mal kurze Zeit nach der Aktualisierung kleinere Patches hinterher. Dieses Mal gab es unter anderem Probleme mit der Sicherheit des Lock-Screens, es folgte iOS 7.0.2. Und da es erneut Probleme mit dem Lock-Screen gibt, wird iOS 7.0.3 nicht lange auf sich warten lassen.

Da Apple die Updates stark kontrolliert, kommt es für die Nutzer von Jailbreaks auf das richtige Timing an. Einfach so eine beliebige iOS-Version installieren oder gar zurück zu einer älteren Version? Geht nicht. Man kann immer nur die Version aufspielen, die gerade aktuell ist. Apple hat sich da eine feine Kryptografie einfallen lassen und muss jedes einzelne Update für jedes einzelne Gerät über eigene Server signieren, also quasi per Unterschrift freigeben – sonst geht nichts.

Schlechte Nachrichten für jeden, der auf den Jailbreak angewiesen ist. Etwa, weil ganz bestimmte Software nötig ist. Oder weil man es einfach haben will, aus Prinzip oder um Beschränkungen von Apple oder vom Provider zu umgehen – Stichwort Tethering. Oder, im schlimmsten Fall: Weil das Gerät aufgrund eines SIM-Locks ohne Unlock schlicht unbrauchbar ist. Wer versehentlich aktualisiert hat, braucht den Jailbreak – und mit dieser Not lässt sich gut spielen.

Auf der Suche nach einem Jailbreak für iOS 7.0, 7.0.2 oder 7.0.3 sind wir immer wieder über einen Anbieter gestolpert: iJailbreak Pro. Das Unternehmen gibt auf seiner Webseite an: "Wir können alle iPhones jailbreaken – iPhone 5S, iPhone 5C, iPhone 5, 4S, 4, 3GS und 3G – inklusive iOS 7!" Und wie funktioniert's?

"Kaufen und herunterladen" ist der erste Schritt. Kaufen? Ja genau – denn während die Jailbreak-Tools üblicherweise kostenlos sind, verlangt iJailbreak Pro Geld. Dafür bekommt man Zugriff auf den geschützten Bereich, der nur Mitgliedern vorbehalten ist, und findet dort alles, was man braucht. Inklusive Anleitung, versteht sich. Klingt nach einem fairen Deal – sofern das stimmt.

Prinzipbedingt kommen mir erste Zweifel. Sollte es einen funktionierenden Jailbreak geben, würde er sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Egal, ob man ihn nur in einem geschützten, kostenpflichtigen Bereich findet, oder nicht. Berichte über iJailbreak gibt es kaum. Kein Wunder: Schon in der Vergangenheit sind wir immer wieder über ähnliche Webseiten gestolpert, im ähnlichen Design, mit gleichem Angebot, aber mit unterschiedlichen Namen. Kann das funktionieren? Ich muss es herausfinden!

Kreditkartendaten bei so einem Anbieter angeben? Vorsicht!

Beim Anmelden zögere ich. Nicht wegen der 40 Dollar, die ich zahlen muss. Es gäbe zwar ein günstigeres Angebot für 30 Dollar, aber dort kann man angeblich nur ein i-Device knacken. Auf die zehn Dollar mehr kommt es auch nicht an, denke ich mir – so wie vermutlich viele andere vor mir auch. Aber: Der Anbieter will meine Kreditkartennummer haben. Im Klartext. Zahlung per PayPal? Gibt es nicht. Vielleicht wegen dem Käuferschutz, wer weiß. Aber meine Kreditkartennummer bekommen die nicht. Dafür wirkt das alles zu dubios.

Also habe ich die nächstbeste Tankstelle aufgesucht, um mir fluchs eine Prepaid-Kreditkarte zu besorgen. Das Guthaben darauf reicht gerade aus, um die Zahlung durchzuführen. Die Nummer könnt ihr ruhig verscherbeln, das juckt mich nicht. Die Anmeldung klappt dann in Sekundenschnelle. Wie versprochen bekomme ich sofort eine E-Mail mit meinen Zugangsdaten für den sicheren Bereich. Bis hierhin läuft das besser, als ich befürchtet hatte.

Hinter der Paywall: Download-Links auf alte evasi0n-Versionen, die es überall kostenlos gibt – und ein angebliches evasi0n 1.6.1, was nicht existiert (und hier nicht funktioniert).

Im geschützten Bereich gibt es eine elefantöse Liste von Jailbreaks für vergangene iOS-Versionen. Alles evasi0n-Jailbreaks. Programme, die ich auch im Gratis-Bereich des Internets herunterladen kann. Aber auch ein evasi0n 1.6.1, mit dem sich angeblich iOS 7 knacken lässt. Ein kurzer Blick auf die offizielle evasi0n-Webseite verrät: Hier gibt es das Tool nicht. Hat iJailbreak Pro hier tatsächlich ein gutes Angebot gemacht – oder ist das alles fake? Ich lade evasi0n 1.6.1 für Mac OS X herunter. Der Download klappt. Kurzzeitig frage ich mich, ob mein Vorurteil gegenüber des Anbieters vielleicht nicht gerechtfertigt war.

iJailbreak Pro bietet sogar eine ausführliche Anleitung für den angeblichen iOS-7-Jailbreak – mit gefälschten Screenshots. Denn oben im Bild steht "evasi0n – Version 1.0", unten steht "iOS 7". Kann nicht sein, außerdem soll es sich hierbei ja angeblich um die Version 1.6.1 handeln.

Und dann, wenig überraschend: Die Datei lässt sich nicht öffnen. Natürlich nicht. Es gibt kein evasi0n für iOS 7! Das sagen sogar die evasi0n-Macher. Sicherheitshalber ziehe ich noch das angebotene evasi0n 1.6.1 für Windows, aber selbstverständlich funktioniert es ebenfalls nicht. Windows 8 meldet Probleme mit der Anwendung. Das war's.

So ein "dummer Zufall": Die Datei lässt sich nicht öffnen. Kein Wunder, es gibt schließlich kein evasi0n 1.6.1. Unterm Strich hat diese Fehlermeldung also gut 37 Euro gekostet.

Um interessierte Kunden anzulocken, bietet iJailbreak Pro eine Geld-Zurück-Garantie. Doch die ist genauso für den Ar... wie das gesamte Angebot. Denn das Kleingedruckte verrät: Geld zurück gibt es nur, wenn man ein iPhone mit iOS 6.1.2 hat und der Jailbreak in diesem Fall nicht funktioniert. Und 6.1.2 ist? Genau: Die letzte Version, die der offizielle evasi0n-Jailbreak knacken kann.

Die Geld-Zurück-Garantie ist keinen Pfifferling wert. Gekauft habe ich den Zugang zu iJailbreak Pro ja wegen iOS 7 – hier geht es aber nur um iOS 6.1.2. Den Support habe ich dennoch kontaktiert. Auf eine Antwort oder gar Erstattung meiner Kohle hoffe ich aber nicht.

Finger weg von Jailbreak-Angeboten, die Geld kosten – vor allem, wenn es noch keinen offiziellen Jailbreak gibt. Laut Aussage der evad3rs, der Hacker-Gruppe hinter evasi0n, sind die Grundlagen für einen Jailbreak für iOS 7 wohl geschaffen. Dann dürfte es auch nicht mehr lange dauern, bis das zugehörige Programm auf der offiziellen evasi0n-Webseite zum Download bereit steht. Kostenlos, versteht sich.

Hinweis in eigener Sache: Leider erscheinen einige Screenshots in diesem Beitrag sehr pixelig. Wir arbeiten an dem Problem.

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