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Kamera-Vergleich iPhone 6 vs. 6 Plus: Lohnt sich der Aufpreis?

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Beim iPhone 6 geht Apple einen neuen Weg: Es gibt zwei Modelle. Zwei unterschiedliche Größen. Und eine fast identische Ausstattung. Man hat also die freie Wahl: Sollen es lieber 4,7 oder 5,5 Zoll sein?

Geschmackssache – aber nur theoretisch.

Denn auch wenn sich die Innereien größtenteils gleichen, so gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: Die Kamera des iPhone 6 Plus ist besser. Zumindest auf dem Datenblatt. Denn das iPhone 6 Plus hat einen optischen Bildstabilisator, während sich das iPhone 6 mit einem digitalen Verwacklungsschutz zufriedengeben muss.

Damit bekommt das iPhone 6 einen leicht bitteren Beigeschmack. Ja fast einen Hauch vom iPhone 5C, dem Apple'schen Plastik-Experiment. Da lege ich also beim iPhone 6 bis zu 899 Euro auf den Tisch und habe dann noch nicht einmal Vollausstattung? Puh.

Aber was entgeht mir da eigentlich? Optische Bildstabilisatoren wirken verwackelten Aufnahmen entgegen, indem sie das Händezittern des Fotografen durch das Verschieben optischer Elemente vor dem Bildsensor ausgleichen. Das sorgt in der Praxis dafür, dass auch bei längeren Belichtungszeiten noch scharfe Fotos möglich sind.

Der Begriff „digitaler Bildstabilisator“ dagegen ist eher schwammig definiert. Meistens bedeutet das, dass der Hersteller bei der Aufnahme die Auslese- beziehungsweise ISO-Empfindlichkeit des Sensors erhöht, um kürzere Belichtungszeiten zu ermöglichen. Denn kürzere Belichtungszeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Fotos scharf sind.

Höhere ISO-Empfindlichkeiten allerdings bringen ein anderes Problem mit sich: Es gibt mehr Bildfehler beim Auslesen, die sich typischerweise in Form von Bildrauschen äußern. Die Qualität der Aufnahmen nimmt also ab.

Bildstabilisator oder nicht? Das ist hier die Frage.

Wir haben uns beide iPhones geschnappt und im Videostudio unter kontrollierten Bedingungen fotografiert. Ich habe mich vor einen neutralen Hintergrund gesetzt, und wir haben die Beleuchtung stufenweise gedimmt und jeweils mit beiden Smartphones bei jeder Helligkeit freihändig fünf Aufnahmen geknipst. Ziel war es, zu sehen, ob die iPhones bei unterschiedlichen Helligkeiten einbrechen.

Liefert das iPhone 6 irgendwann verwackelte Fotos, während das iPhone 6 Plus noch schöne Aufnahmen knipst? Oder fördert das iPhone 6 Plus bei wenig Licht noch helle Bilder zu Tage, während das iPhone 6 Schwarz sieht? Das wäre für den einen oder anderen sicher ein Grund, 100 Euro mehr für das größere Smartphone auszugeben – auch, wenn der Geschmack eher aufs kleinere Modell zielt.

Erstaunlicherweise sind auf den ersten Blick keinerlei Unterschiede sichtbar. Sowohl das iPhone 6 als auch das iPhone 6 Plus liefern quasi durch die Bank scharfe Fotos – selbst dann, wenn wir die Beleuchtung so weit heruntergedreht haben, dass die Bilder fast schwarz sind.

Und: Die Helligkeit der Aufnahmen ist durch die Bank identisch. Das iPhone 6 Plus nutzt den Bildstabilisator nicht, um im Grenzbereich besser ausgeleuchtete Fotos zu liefern. Sehr schade.

Wer genau hinsieht und unter entsprechenden Bedingungen fotografiert, kann deutliche Unterschiede beim Bildrauschen zwischen iPhone 6 (links) und iPhone 6 Plus (rechts) feststellen.

Wozu also der optische Bildstabilisator? Der Unterschied fällt erst beim Betrachten der Fotos am Rechner auf. Wir stellen die Belichtungszeiten und ISO-Empfindlichkeiten bei den Aufnahmen bei jeweils gleicher Helligkeit gegenüber. Das iPhone 6 dreht die Empfindlichkeit bis auf ISO 2000 nach oben, während das iPhone 6 Plus selbst in vollständiger Dunkelheit nicht über ISO 500 geht – ein Unterschied um Faktor vier.

Im Gegenzug setzt das iPhone 6 bei der Belichtungszeit im „langsamsten“ Fall auf 1/15 Sekunde. Das iPhone 6 Plus kann zittrige Hände optisch stabilisieren und traut sich bis auf 1/4 Sekunde – zwischen den beiden Werten liegt wieder exakt der Faktor vier, wohl exakt entsprechend der Effektivität des optischen Bildstabilisators.

Einen Unterschied bei der Bildqualität entdecken wir schließlich in Photoshop. Legen wir die bei gleichen Bedingungen mit iPhone 6 und 6 Plus entstandenen Fotos nebeneinander und zoomen hinein, stellen wir bei den iPhone-6-Aufnahmen ein stärkeres Bildrauschen fest. Logisch, fotografiert es doch mit einer viermal höheren ISO-Empfindlichkeit.

Allerdings fällt der Unterschied zwischen ISO 500 und ISO 2000 in der Praxis relativ gering aus. Hier wie dort sind die Farben noch ordentlich. Auch der Verlust bei der Detailwiedergabe hält sich in Grenzen. Lediglich die Körnung der Aufnahmen nimmt zu.

In der folgenden Fotostrecke könnt Ihr Euch selbst ein Bild von den Unterschieden machen.

Das iPhone 6 Plus legt den Fokus stark auf eine bessere Bildqualität. So stark, dass Apple bereits bei vergleichsweise guten Lichtbedingungen die Belichtungszeiten zugunsten niedrigerer ISO-Empfindlichkeiten auffallend verlängert.

Während der optische Bildstabilisator potenziell zittrige Fotografenhände ausgleicht, gilt das nicht für die Objekte vor der Kamera. Herumtobende Kinder und Haustiere oder die Feierwütigen in der schummrigen Bar landen unschärfer auf dem digitalen Film, je länger die Kamera belichtet.

Eine Erkennung, ob sich das Motiv stark bewegt, hat Apple leider nicht integriert. So könnte das iPhone 6 Plus bei dynamischem Geschehen vor der Linse dann mit bedarfsweise höherer ISO-Empfindlichkeit doch wieder für schärfere Fotos sorgen. Zumindest mit meinem Herumgehampel im Videostudio hat aber genau das nicht funktioniert.

Der optische Bildstabilisator sorgt bei wenig Licht für eine bessere Bildqualität, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: Die längeren Belichtungszeiten reduzieren in Kombination mit niedrigeren Empfindlichkeiten nicht nur das Rauschen, sondern können auch Probleme beim Fotografieren von bewegten Motiven mit sich bringen.

Angesichts dessen würde ich meine Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen, ob ein optischer Bildstabilisator an Bord ist oder nicht – und Käufer des „kleinen“ iPhone 6 müssen sich definitiv nicht als iPhone-Besitzer zweiter Klasse fühlen. Beide Geräte schießen mindestens sehr ordentliche Fotos.

Bleibt noch abzuwarten, wie groß die Auswirkungen im Videomodus sind. Bei einem ersten, schnellen Test unter leider etwas ungünstigen Bedingungen konnten wir jedoch keinen großen Unterschied zwischen iPhone 6 und iPhone 6 Plus feststellen. Dazu aber später mehr.

Weitere Details zu den neuen Apple-Smartphones erfahrt Ihr in unserem iPhone-6-Test und in unserem iPhone-6-Plus-Test.

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