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Im Vergleich: Lumia 1020 vs. HTC One vs. Galaxy S4 Zoom

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Mit dem Lumia 1020 hat Nokia gestern sein neues Flaggschiff vorgestellt – und vielleicht ein neues Kamera-Zeitalter bei den Smartphones eingeläutet. Der 41-Megapixel-Bildsensor ist jedenfalls im Vergleich zu den Standard-Kameras von iPhone 5, Nexus 4 oder Galaxy S4 ein absoluter Exot. Genauso exotisch ist das Konzept des Galaxy S4 Zoom mit 16-Megapixel-Kamera und optischem Zehnfach-Zoom; und als das hundertprozentige Gegenteil der Nokia-Lösung tritt das HTC One in den Ring, das sich auf 4 Megapixel beschränkt, die dafür aber immerhin Ultrapixel heißen.

Es ist also viel los im Markt. Drei unterschiedliche Hersteller gehen mit komplett verschiedenen Konzepten in jeweils eigene Richtungen. Aber was davon ist der Weg in die Zukunft? Gibt es eine Sackgasse? Und vor allem: Welches Smartphone sollte man jetzt kaufen?

Kamera
Smartphone HTC One (M7) Nokia Lumia 1020 Samsung Galaxy S4 Zoom
Auflösung (Video) 1920 x 1080 Pixel 1920 x 1080 Pixel 1920 x 1080 Pixel
Bildstabilisator optisch optisch optisch
Blitz, Videoleuchte Foto-LED Xenon Xenon
Brennweite (KB) k. A. k. A. 24 mm
Fotoauflösung 2688 × 1520 Pixel 7136 × 5360 Pixel 4608 × 3456 Pixel
Optischer Zoom nein nein ja
Sensorgröße 1/3" 1/1,2" 1/2,3"
Sensortyp BSI-CMOS BSI-CMOS BSI-CMOS
Öffnungsverhältnis k. A. k. A. 3.1-6.3

Der Bildsensor ist das Herzstück jeder Kamera. Er wandelt das eintreffende Licht in elektrische Signale um, die schließlich in Form von Fotos und Videos auf der Speicherkarte landen. Und hier gilt eine ganze einfache Gleichung: Je größer, desto besser. Denn ein größerer Sensor fängt mehr Licht ein und kann aufgrund von mehr Daten logischerweise das Foto genauer aufnehmen. Insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen ist der Unterschied enorm.

Allerdings steht das in einem krassen Gegensatz zur idealen Smartphone-Form: möglichst flach. Daher misst der allergrößte Teil der in Handys verbauten Bildsensoren gerade einmal 4,5 × 3,4 Millimeter – von HTC One über iPhone 5 bis Samsung Galaxy S4.

Zwei Ausnahmen gibt es hier: Der Sensor des Samsung Galaxy S4 Zoom bietet mit 1/2,3 gegenüber den üblichen 1/3,2 Zoll doppelt so viel Platz. Er ist damit auf dem Größen-Niveau der aktuellen Einsteiger- und Mittelklasse-Kompaktkameras – und bietet damit bei gleicher Lichtmenge potenziell eine bessere Bildqualität. Warum das nicht so ist, erklären wir im weiteren Verlauf des Artikels.

Jetzt kommen wir zur viel interessanteren Ausnahme, dem Nokia Lumia 1020. Der Sensor in dem Windows Phone ist 1/1,2 Zoll groß, in metrischen Einheiten gesagt: 10,7 mal 8,0 Millimeter. Damit bewegt er sich auf dem Niveau der Nikon-1-Serie und bietet fünfeinhalb Mal mehr Fläche als der iPhone-5-Sensor – und rund doppelt so viel Platz wie die Lichtfänger von anspruchsvollen Kompaktkameras à la Panasonic Lumix DMC-LX7. Entsprechend dürfte die Bildqualität auch jede Kompaktkamera in den Schatten stellen.

Bleiben wir beim Lumia 1020: Die Auflösung ist mit 41 Megapixeln gigantisch. Und die 41 Megapixel bilden eine Ausnahme gegenüber allen Mahnungen, doch bitte die Pixelzahlen nicht immer weiter in die Höhe zu schrauben. Denn auf dem großen Sensor des Lumia 1020 ist genug Platz für die ganzen Bildpunkte – sie sind ähnlich groß wie die 8 Megapixel, die sich auf dem 1/3,2-Zoll-Sensor von iPhone 5 & Co. breitmachen.

Die Auflösung nutzt Nokia dann schließlich, um eine große Schwäche von Smartphone-Kameras zu kompensieren: Es gibt keinen optischen Zoom. Denn 41 Megapixel bieten massig Raum für Ausschnittsvergrößerungen, also digitales Zoomen – im Foto- wie im Videomodus. Außerdem bedient sich Nokia einer Technologie namens Oversampling. Wenn der Nutzer nicht gerade maximal ins Bild gezoomt hat, fasst das Lumia 1020 mehrere Pixel zu einem "Superpixel" zusammen. Dieses Zusammenfassen von nebeneinanderliegenden Bildpunkten ermöglicht es, Störungen wie Bildrauschen aus dem Foto herauszurechnen. Das wiederum bedeutet eine Verbesserung der Qualität, insbesondere bei wenig Licht.

Der große PureView-Sensor des Nokia macht das Gehäuse in der Mitte zwar etwas dicker. Schlanker als das Galaxy S4 Zoom ist das Lumia 1020 aber allemal. So schlank und Rank wie das iPhone oder andere aktuelle Android-Konkurrenten ist der Windows-Phone-Brummer aber nicht.

Am ganz anderen Ende der Fahnenstange findet sich HTC. Die Ultrapixel-Kamera des One gibt sich mit 4 Megapixeln zufrieden. Weil der Sensor die üblichen 1/3,2 Zoll misst, sind die einzelnen Pixel auf dem lichtempfindlichen Chip überdurchschnittlich groß und liefern damit bei wenig Licht noch vergleichsweise helle Ergebnisse. Bei guten Lichtverhältnissen bildet ein pixelreicher Sensor mehr Details ab, doch HTC setzt darauf, dass die 4 Megapixel den typischen Smartphone-Knipsern für Facebook, Instagram & Co. mehr als ausreichen.

Dafür haben die 4 Megapixel noch einen anderen riesigen Vorteil: Die Datenmenge ist überschaubar. Ist die Funktion HTC Zoe aktiviert, schießt das One binnen vier Sekunden 20 Fotos und nimmt währenddessen noch ein ebenso langes Full-HD-Video auf. Damit hat der Fotograf garantiert den richtigen Zeitpunkt getroffen. Und außerdem hat HTC bei der Software ganze Arbeit geleistet, die die einzelnen Video- und Foto-Schnappschüsse zu raffinierten 30-Sekunden-Clips zusammensetzt und mit Musik untermalt.

Unterm Strich bietet das HTC One die höhere Auflösung in der Zeitachse – bei so vielen Fotos ist garantiert eines vom richtigen Augenblick dabei. Allerdings leidet darunter die Detailwiedergabe. Das Lumia 1020 dagegen schafft mit 41 Megapixeln keine zig Fotos pro Sekunde, vermutlich nicht einmal mehr als eines. Hier liegt es am Fotografen, genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser zu drücken. Und wenn er diesen getroffen hat, kann er sein Bild mit zig Millionen Pixeln perfektionieren. Wenn nicht, helfen alle Bildpunkte der Welt nicht weiter.

Und der Rest der Smartphone-Kameras? Der spielt mit 8 bis 13 Megapixeln irgendwo in der Mitte. So hochauflösend wie das Lumia 1020 ist niemand anderes, so schnell wie das One auch nicht. Dafür sind sie alle hochauflösender als das One und schneller als das Lumia 1020. Und sind damit, gehässig gesagt, eben nur Mittelmaß.

Mit Ausnahme des Samsung Galaxy S4 Zoom haben alle aktuellen Smartphones eine sogenannte Festbrennweite, sprich: keinen optischen Zoom. Das Nokia Lumia 1020 kompensiert das durch viele Pixel, bei den anderen Handys müssen die Fotografen wohl oder übel "zu Fuß zoomen" – oder eben mit einem detailarmen Bild leben, wenn sie den digitalen Zoom benutzen.

Allerdings wird beim Galaxy S4 Zoom auch der Vorteil von Festbrennweiten deutlich: Sie sind lichtstärker. Die Lichtstärke des HTC One beträgt beispielsweise F2,0. Und jetzt wird's intuitiv *hust*: Multipliziert man diesen Wert mit der Wurzel aus Zwei, halbiert sich die Lichtmenge, die das Objektiv auf den Sensor lässt. F2,0 × 1,4 ergibt F2,8.

Das Zoomobjektiv des Galaxy S4 Zoom hat im Weitwinkel eine Lichtstärke von nur F3,1. Die Optik lässt also nur halb so viel Licht auf den Sensor durch wie die des HTC One. Und damit wäre der doppelt so große Sensor schon wieder egalisiert. Im Telebereich, also bei maximalem Heranzoomen, fällt die Lichtstärke des S4 Zoom sogar auf F6,3 herab. Damit sitzt der Sensor ganz schön im Dunkeln, muss die Lichtempfindlichkeit nach oben schrauben und opfert wieder Bildqualität. Bei schönem Wetter ist genug Licht vorhanden, aber viel Zoom und wenig Licht – das ergibt keine schönen Bilder. Der digitale Zoom des Lumia 1020 beeinflusst die Lichtstärke übrigens natürlich nicht.

Einen Pluspunkt hat das Objektiv des Galaxy S4 Zoom gegenüber vielen anderen Smartphones – und es hat ihn mit dem Objektiv von Lumia 1020, Lumia 925, Lumia 928 und HTC One gemein: Es gibt einen echten optischen Bildstabilisator. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der zittrige Fotografenhände durch verschieben von Elementen im Objektiv ausgleicht und es durch längere Verschlusszeiten dem Sensor ermöglicht, mehr Licht zu sammeln. Mehr Licht bedeutet wieder eine höhere Auslesegenauigkeit, weniger Fehler, weniger Bildrauschen und bessere Fotos.

So sehr sich die verschiedenen Digicam-Konzepte der drei Geräte unterscheiden, so verschieden sind auch die übrigen Ausstattungsmerkmale. Während wir das HTC One mit Full-HD-Display und Quadcore-Prozessor zweifelsfrei zu den aktuellen Oberklasse-Smartphones ohne jegliche Kompromisse bei Leistung und Ausstattung zählen können, sieht es bei den beiden anderen Vertretern nicht ganz so goldig aus.

Das soll freilich nicht heißen, Lumia 1020 und Galaxy S4 Zoom wären miese oder mies ausgestattete Smartphones. Ganz und gar nicht. Aber mit seinem Snapdragon-S4-Prozessor greift Nokia beim Lumia 1020 eben eine komplette Chip-Generation früher ins Regal, was Leistungseinbußen in allen Bereichen bedeutet. Ob man die überhaupt bemerkt, steht auf einem anderen Blatt: Wer telefoniert, surft und fotografiert, bekommt davon vermutlich nicht einmal etwas mit. Bei 3D-Spielen oder Videoschnitt sieht es dagegen anders aus. Das Galaxy S4 Zoom reduziert den Arbeitsspeicher zusätzlich von 2 auf 1,5 GByte – auch das ist den Benchmarkergebnissen nicht gerade zuträglich.

Relevanter für Smartphone-Käufer dürfte aber das Display sein – schließlich will man die geknipsten Fotos ja auch in voller Pracht genießen. Wie beim Prozessor führt das HTC One mit seinem Full-HD-Display, was bei 4,7 Zoll eine Pixeldichte von 449 ppi hat. Der Unterschied zum Lumia 1020 mit seinem HD-ready-Display ist schon spürbar, aber 1280 × 768 Pixel bedeuten immer noch 332 ppi. Das liegt leicht oberhalb der Retina-Displays von Apple, und sich über die Schärfe des Lumia-Displays zu beschweren, wäre wirklich Jammern auf hohem Niveau. Nur im direkten Vergleich werden Unterschiede überhaupt sichtbar.

Beim Galaxy S4 Zoom sieht es dagegen anders aus. Ganz eindeutig hat Samsung hier kräftig sparen müssen, um den Gesamtpreis des Smartphone-Kamera-Zwitters nicht in absurde Höhen zu treiben. Und deshalb gibt es hier nur 960 × 540 Pixel bei 4,3 Zoll, was einer Pixeldichte von 256 ppi entspricht. Das konnte das Motorola Milestone aus dem Jahr 2009 schon besser.

Display
Smartphone HTC One (M7) Nokia Lumia 1020 Samsung Galaxy S4 Zoom
3D-Display nein nein nein
Displayauflösung 1920 × 1080 Pixel 1280 × 768 Pixel 960 × 540 Pixel
Pixeldichte 469 ppi 332 ppi 256 ppi
Digitizer & Stylus nein nein nein
Display-Diagonale 4,70 Zoll 4,50 Zoll 4,30 Zoll
Display-Scheibe Gorilla Glass Gorilla-Glas Gorilla Glass 3
Farbtiefe 24 Bit 24 Bit 24 Bit
Panel-Typ IPS-LCD AMOLED AMOLED
Status-LED ja (mehrfahrbig) k. A. k. A.
Touchscreen-Technologie kapazitiv kapazitiv kapazitiv
Gehäuse
Smartphone HTC One (M7) Nokia Lumia 1020 Samsung Galaxy S4 Zoom
Abmessungen, Breite 68 mm 71 mm 64 mm
Abmessungen, Höhe 137 mm 130 mm 126 mm
Abmessungen, Tiefe 9 mm 10,40 mm 15 mm
Tastatur nein nein nein
Farbe Silber Gelb Weiß
Gewicht 144 Gramm 158 Gramm 208 Gramm
Material Aluminium Kunststoff Kunststoff
Outdoor nein nein nein
Unibody ja ja nein
Kommunikation
Smartphone HTC One (M7) Nokia Lumia 1020 Samsung Galaxy S4 Zoom
Bluetooth 4 3 4
Dual-Band-WLAN ja k. A. nein
FM-Transmitter k. A. nein nein
GPS ja ja ja
GSM EDGE/GPRS EDGE/GPRS EDGE/GPRS
Glonass ja ja ja
HSDPA 42 MBit/s 42,2 MBit/s 21 MBit/s
HSUPA 5,76 MBit/s 5,76 MBit/s 5,76 MBit/s
LTE ja ja nein
NFC ja ja ja
SAR-Wert k. A. k. A. 0,14 W/kg
UKW-Radio ja ja nein
UMTS HSPA HSPA ja
WLAN 802.11a/b/g/n und ac 802.11 a/b/g/n 802.11 a/b/g/n

Klar, es gibt Smartphones mit guten Kameras, die solide und schöne Bilder liefern – das iPhone 5, das Samsung Galaxy S4 und so weiter. Und dann gibt es Smartphones, die einen anderen Ansatz verfolgen, wie das Lumia 1020 mit seinen riesig großen und detailreichen Fotos sowie mit seinem gewaltigen Sensor, der bei schlechten Lichtverhältnissen auch praktisch alle Kompaktkameras nass macht. Oder das HTC One, das mit jedem Druck auf den Auslöser ein Foto-Video-Potpurri einfängt und daraus beeindruckende Videoclips bastelt oder einfach auch nur garantiert den richtigen Augenblick aufgenommen hat.

Und dann ist da natürlich noch die Frage: Kann ich das Betriebssystem hinter der Kamera leiden? Windows Phone 8 ist sicherlich nicht jedermanns Sache, so verlockend die PureView-Technologie auch sein mag. Wer hier gerade zögert und hadert, sollte vielleicht noch ein paar Wochen warten. Denn mit dem i1 Honami hat Sony angeblich ebenfalls ein Smartphone mit großem Bildsensor, hoher Auflösung und Android in der Pipeline – und das könnte Nokias Lumia 1020 ganz schön ärgern. Uns wird jedenfalls nicht langweilig.

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