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Goderma und mobile Medizin: Die Ärzte-Apps kommen!

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Wir haben Hunger? Pizza mit dem Handy bestellen. Wir wollen etwas kaufen? Mobile Shopping-Apps machen's möglich. Wir brauchen etwas nicht mehr? Das Verkaufen von Alltagsgegenständen ist per Ebay-App in wenigen Minuten erledigt. Oder zumindest angeleiert. Und wenn es uns schlecht geht? Dann machen wir einen Termin beim Arzt aus. Ganz schön Old-School, oder? Das dachten sich ganz offensichtlich auch die Macher hinter Goderma – einer Hautarzt-App und einer der ersten praxistauglichen Experimente der deutschen Mobile-Health-Industrie.

Die Idee: Bei einem großen Teil von Hauterkrankungen soll eine optische Untersuchung schon ausreichen, um eine erste Diagnose zu stellen. "Bis zu 90 Prozent aller Hautprobleme können durch medizinische Bildanalyse diagnostiziert werden", zitiert der Anbieter eine britische Studie aus dem Jahr 2011.

In der Praxis funktioniert das wie folgt: Man lädt die kostenlose Goderma-App (derzeit nur für iOS) herunter. Ein Assistent weist an, was nun zu tun ist: Betroffene Hautstelle fotografieren, ein paar Fragen beantworten (juckt es, gibt es eine Kruste, handelt es sich um einen Ausschlag oder einen Leberfleck, ...) und fertig. Je nach Problem bittet die App, noch ein zweites Foto anzufertigen. Danach legt der virtuelle Patient sein Nutzerkonto bei Goderma an und wird erst einmal zur Kasse gebeten: 29 Euro kostet die Ferndiagnose. Wer zahlt, bekommt innerhalb von 48 Stunden eine Antwort von einem Hautarzt des Goderma-Teams.

Im Idealfall handelt es sich bei den roten Punkten nur um eine harmlose, allergische Reaktion auf etwa Nickel oder zu viel Sonne – mit entsprechender Empfehlung einer rezeptfreien Salbe. Und auch für andere Diagnosen vergleichsweise einfacher Infektionen wie Fußpilz ist ein realer Besuch beim Doc wohl verzichtbar. In manchen Fällen wird die Antwort aber auch lauten: Na los, geh' zum Arzt. Denn Laboruntersuchungen, Abstriche & Co. wird eine App wohl nicht so bald ersetzen können. Und eine wirklich schlimme Diagnose wird man auch nicht per E-Mail bekommen wollen.

Doch auch unabhängig davon hat die Sache so ihre Tücken. Nicht nur, dass komplexere Fälle weiterhin den Besuch beim Arzt erfordern – dank Krankenversicherung ist dieser im Gegensatz zur Ferndiagnose kostenlos. Aber vor allem ist das Recht nicht gerade auf der Seite des Telediagnose-Startups: "Berufsrechtlich ist das nicht zulässig, weil es ein Fernbehandlungsverbot für Ärzte gibt", sagt Sascha Rudat, der Sprecher der Berliner Ärztekammer, gegenüber unseren Kollegen von heise online. Und geht noch einen Schritt weiter: Die Kammer will prüfen, welche Berliner Ärzte mit Goderma kooperieren – und ihnen "auf die Finger klopfen".

Ganz so negativ sieht das nicht aber nicht jeder. Auch nicht jeder Mediziner. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen stellt fest, dass Goderma hier juristisches und medizinisches Neuland betritt. Die meisten Fachärzte sehen das kritisch. Doch die Hautärzte, die bei Goderma unter Vertrag stehen, seien "seriöse Kollegen". Problematisch sind Ferndiagnosen vor allem dann, wenn keine medizinische Expertise dahintersteht, heißt es von der Gesellschaft für Telemedezin, aber "solange Ärzte involviert sind, ist das nicht anzufechten", sagt Sprecher Wolfgang Loos.

Unterm Strich werden zwei, drei Handy-Fotos keine professionelle Diagnose ersetzen können. Aber vor allem im Ausland kann das eine praktische Sache sein. Wenn's am Strand in Ägypten juckt oder beim Aufenthalt in China brennt, wäre mir eine schnelle Diagnose 29 Euro wert – allemal besser, als im Urlaub einen lokalen Arzt finden und aufsuchen zu müssen. Was mich abschreckt, ist vor allem die lange Reaktionszeit: Nach 48 Stunden käme bei Kontakt mit einer Seewespe wohl jede Hilfe zu spät.

Was denkt Ihr über diese App und über Telediagnose und E-Health im Allgemeinen? Käme es für euch infrage, eine kostenpflichtige Ferndiagnose anzufordern oder ist das ein No-Go? Wir sind gespannt auf eure Meinungen.

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