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Gamescom: Wohin geht die Reise der virtuellen Realität?

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Wer spielt eigentlich regelmäßig in der virtuellen Realität (VR)? Abgesehen von Spielentwicklern scheinen das noch nicht sehr viele zu sein. Zu groß sind noch die Nachteile, Kosten und Hürden der digitalen Headsets. Im Rahmen der Gamescom werfen wir heute einen Blick auf das aktuelle Angebot. Für wehn lohnt sich eigentlich eine teure VR-Brille? Wohin geht die Reise? Lest es in diesem Artikel.

Virtuelle Realität könnte eigentlich eine tolle Erfahrung sein. Wir ziehen eine Brille auf und teleportieren uns so in eine andere Welt mit anderen Regeln. Spiele und Filme sollten realistischer sein als je zuvor und uns die Erfahrung hautnah erleben lassen. Genau so, als wären wir dabei.

Doch davon sind wir weit entfernt. Die Brillen sind groß, umständlich aufzusetzen und zu arretieren. Lange können wir sie nicht trage, da sie drücken oder für Schweißausbrüche an Stellen im Gesicht sorgen, wo wir vorher noch nie geschwitzt haben. Dazu kommt das große Problem der Motion Sickness – vielen Spielern wird schlagartig schlecht, sobald sich das Bild in der VR bewegt. Was bringt das Ganze also? Bleibt VR ein kurzzeitiger Trend oder schafft es die Technologie doch noch den Markt zu erobern? Schauen wir uns die Angebote an:

Momentan dreht sich eigentlich alles um drei Headsets: Oculus Rift, HTC Vive und Playstation VR. Die Handylösungen wie Samsungs Gear VR oder Googles Daydream lassen wir aufgrund der technischen Unterlegenheit mal außen vor. Preislich gehören sie eher zu den Luxusprodukten. Die HTC Vive gibt es derzeit für 700 Euro, die Oculus Rift für 450 Euro und die Playstation VR liegt bei etwa 320 Euro. Alle drei haben ihre eigenen Vorteile, doch sie alle teilen den größten Nachteil: Das Spieleangebot ist gering.

  • HTC Vive
    HTC Vive (99HAHZ0xx-00)
  • Oculus Rift
    Oculus Rift (CV1)
  • PlayStation VR
    Sony PlayStation VR Headset

Zwar gibt es zahlenmäßig inzwischen viele Inhalte für die unterschiedlichen Plattformen, doch so richtige Kracherspiele, die wir sofort kaufen wollen oder die uns tagelang an die VR-Brille fesseln, vermissen wir immer noch. DAS Kaufargument gibt es bis heute nicht. Anfang des Jahres begann uns „Resident Evil VII“ in der virtuellen Realität einzuschüchtern. Eine große Marke, doch kaum einer spielte das ganze Spiel mit dem VR-Headset. Die meisten wechselten oft zurück in den normalen Modus, da es sich schlicht besser anfühlt. Als kurze Erfahrung zwischendurch war es aber schon gut gemacht.

Auf der Gamescom konnten wir nun mit „Fallout 4 VR“ ebenfalls eine große Marke ausprobieren. Im ersten Moment war das Gefühl ganz nett: Den Pipboy-Computer am Handgelenk zu tragen und auf die Menüs zugreifen zu können, in dem wir einfach den Arm heben, fühlt sich toll an. Doch beim Kampf gegen Zombies wird schnell klar, dass die Umsetzung noch nicht sehr überzeugend ist. Greifen uns die Zombies an, rennen sie sozusagen in uns herein. Schauen wir an uns herunter, sehen wir aber nur eckige Artefakte des Zombies, der Rest seiner Grafik ist unsichtbar. Dasselbe Problem tritt auf, wenn ich mich durch Wände bewege. Bei diesem „Wallhack“ blieb ich halb im Dach und halb in einer Kiste im Haus hängen. Nur mit Mühe kam ich aus dieser Situation wieder heraus. Auch der Fernkampf ist durch die niedrige Auflösung des Headsets schwer, da entfernte Gegner lediglich wenige Pixel einnehmen. Präzises Zielen: unmöglich. Auch das Fortbewegen hat Schwächen. Wie Eingangs erwähnt leiden viele Menschen an Motion Sickness. Würde sich der Charakter nahtlos fortbewegen, so wie er es im normalen Spiel tut, wenn wir den Analogstick bewegen, sind heftiger Schwindel oder sogar Übelkeit beim Spieler die Folge. Also lässt sich die Steuerung auf Teleport umstellen. Per Tastendruck beamen wir uns vorwärts. Doch leider werden so nur wenige Meter überwunden, sodass wir ständig die Taste für den Teleport hochfrequent drücken, um durch die Welt zu kommen.

Der Versuch, die Spieler durch große, beliebte Titel an die virtuellen Realität heranzuführen, ist also nachvollziehbar, wenn auch die Umsetzung am Ende Geschmackssache ist. Auch „The Elder Scrolls V: Skyrim“ und „Doom“ werden für VR portiert.

Spieler, die sich bereits eine VR-Brille gekauft haben, berichteten auf der Gamescom davon, „immer mal wieder ein bisschen damit zu spielen“, doch größtenteils liege das Headset dann doch herum. Die Gründe sind vielseitig: Mal sei man zu faul, das Headset anzulegen, oder man möchte ein Spiel lieber in toller Auflösung spielen statt jeden Pixel in der Brille zu sehen. Oder die körperlichen Erholungsphasen nach einem VR-Aufenthalt mit Motion Sickness oder schwächeren Erscheinungen dauern zu lange, sodass man lieber gleich ohne spielt. Anders sieht es aus, wenn Freunde zu Besuch kommen. Dann werden Minispiele wie der „Job Simulator“ ausgepackt und jeder darf sich mal für ein paar Minuten austoben. Das macht Spaß und sorgt für einen geselligen Abend, doch hier ist immer nur ein Spieler in der VR unterwegs.

Auf der Gamescom fanden wir auch ein neues Minispiel. Die Demo zu „Duck Season“, dem alten NES-Klassiker, in einer 3D-Neuauflage für die HTC Vive. Das simple Spielprinzip des Entenabschießens wird durch die Erfahrung der virtuellen Realität aufgewertet. Die Waffe halten wir auf Augenhöhe, wir laden selbstständig nach und machen die Patronen sogar durch Ziehen am Lauf abschussbereit. So habt Ihr immer nur einen Schuss bis Ihr wieder „pumpen“ müsst. Für eine Viertelstunde mal in die VR abtauchen, ist das Spiel großartig.

Vielleicht kamen einige Entwickler bei solchen geselligen Freundesabenden auf die Idee, VR eher als Gemeinschaftserlebnis umzustrukturieren. Wie zu einem Escape Game, zum Lasertag oder Paintball könnte man mit einer Gruppe an Freunden in einen VR-Raum gehen und dort zusammen und gleichzeitig in die virtuelle Realität eintauchen. Die ersten Einrichtungen haben dafür ihre Türen bereits geöffnet.

In München gibt es beispielsweise „Hologate“, was wir ebenfalls auf der Gamescom ausprobieren konnten. Hier stehen vier Spieler mit dem Rücken zueinander und bekämpfen auf sie zu kommende Roboter. Geschossen muss man dabei auch noch ausweichen. Zwar spielen die vier zusammen, um ihre Basis zu verteidigen, doch am Ende gibt es eine Punktetabelle mit einem Gewinner. Das Spiel ist nett, aber doch recht eintönig. Hier fehlt Action.

Anders ist das bei VRTech, einer russischen Firma, die mit ihrem Spiel „Polygon“ auf der Gamescom im Business-Bereich ihre Technik gezeigt haben. Durch einen Rucksack-PC können sich vier Spieler komplett frei in einem Areal bewegen, das bis zu 100 Quadratmeter groß sein kann. Auch besonders: Statt nur die Controller zu erfassen, wird der gesamte Mensch getrackt. Das sorgt für realistische Avatare in der virtuellen Welt. Wir haben wirklich das Gefühl, mit Freunden vor Ort zu sein. Ihr könnt Euch gegenseitig sogar auf die Schulter klopfen – denn Ihr seht bis ins Detail, wo sich Euer Gegenüber gerade befindet. Das Spiel dreht sich dann ums Ballern, ist aber definitiv die beste VR-Erfahrung, die man bisher machen kann. Derzeit sucht VRTech nach Kooperationspartnern, um solche Hallen weltweit aufzubauen.

Wir sind davon überzeugt, dass VR ein spannendes Produkt sein wird, aber noch nicht wirklich überzeugen kann. Sehr wahrscheinlich sind bereits Nachfolgemodelle der aktuellen Headsets in Entwicklung. Diese werden dann technisch potenter sein und zumindest eine bessere Displayauflösung bieten. Dann könnte einer der problematischsten Nachteile gelöst werden, denn eine geringe Auflösung und das Sehen einzelner Pixel zerstört die Illusion einer anderen Welt.

Wenn die Headsets außerdem leichter und einfacher aufzusetzen werden, würden Berührungsängste minimiert. Und sollte dann auch noch der Preis niedriger werden, hat VR eine echte Chance bald flächendeckender in den Wohnzimmern zu stehen. Ansonsten liegt auch eine große Zukunft im öffentlichen Bereich in Form von VR-Spielehallen.

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