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Fotografieren: So knipsen Sie tolle Bilder mit dem Smartphone

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"Die beste Kamera ist die, die man dabei hat". Das Zitat von Chase Jarvis dürfte in den meisten Fällen das Smartphone in der Hosentasche meinen – und seltener die teure Spiegelreflex, die im Schrank verstaubt. Aber auch mit dem Handy lassen sich eindrucksvolle Fotos zaubern, wenn man ein paar Regeln beachtet – beziehungsweise eben nicht.

An dieser Stelle wollen wir uns mit der Bildgestaltung beziehungsweise Komposition beschäftigen. Denn ein Foto ist mehr als nur ein als Bilddatei festgehaltenes Motiv. Vielmehr kommt es darauf an, wie der Fotograf den Bildgegenstand in Szene gesetzt hat.

Ein ganz alter Grundsatz der Fotografie ist die sogenannte Drittelregel. Die Drittelregel schreibt vor, das Bild mit zwei horizontalen und zwei vertikalen Linien in drei mal drei, also neun gleich große Quadrate zu unterteilen. Alle wichtigen Bestandteile des Fotos werden an den Linien beziehungsweise idealerweise an den Schnittpunkten dieser Linien ausgerichtet.

Portraits, bei denen sich der Fotografierte in der Bildmitte befindet, sehen schnell nach einem langweiligen Passbild aus. Das (exakt selbe) Foto sieht interessanter und spannungsvoller aus, wenn man das Gesicht am Drittel-Raster ausrichtet.

Das daraus entstehende Ungleichgewicht sorgt dafür, dass die Fotos interessanter und spannungsreicher aussehen. Natürlich ist dieser Grundsatz nicht in Stein gemeißelt – es gibt unzählige fantastische Fotos, die die Drittel-Regel brechen. Es ist aber in jedem Falle sehr wertvoll, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, wo das Hauptmotiv im Bild positioniert wird.

Bild: Bernd Deschauer / pixelio.de Das Fotografieren von Symmetrien ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen die Drittelregel getrost über Bord geworfen werden darf.

Ebenso wie die meisten Digicams zeigen auch die Kamera-Apps von aktuellen Smartphones auf Wunsch ein Gitter für die Drittel-Regel an, das beim Ausrichten der Kamera hilft. Ein wenig Vorsicht ist noch beim Fokussieren geboten – sitzt der Fokuspunkt in der Bildmitte, gerät das an der Seite befindliche Motiv möglicherweise unscharf. Hier hilft es, den Fokuspunkt auf dem Touchscreen entsprechend zu verschieben, sofern das beim eigenen Smartphone möglich ist.

Die dunkleren Linien in diesem Bild treffen sich an den für den goldenen Schnitt wichtigen Punkten. Sie liegen weiter in der Mitte als bei der Drittel-Regel.

Während die Drittel-Regel eine Spannung im Bild aufbaut, sorgt der goldene Schnitt eher für Harmonie – ohne dabei langweilig zu wirken, was bei mittig platzierten Motiven häufig passiert. Leider bieten Kamera-Apps nur in seltenen Fällen eine Orientierungshilfe für den goldenen Schnitt.

Während bei der Drittelregel die Linien das Bild in jeweils 33,3 Prozent große Abschnitte unterteilen, beträgt das Verhältnis beim goldenen Schnitt 38,2 zu 23,6 zu 38,2 Prozent. Die Linien befinden sich also ein ganzes Stück weiter in der Bildmitte.

Im Gegensatz zu den Spiegelreflexkameras fehlt den meisten Smartphones ein wichtiges gestalterisches Mittel: Aufgrund der winzigen Sensoren lässt sich mit ihnen keine selektive Tiefenschärfe erzielen, und sowohl Vorder- als auch Hintergrund sind immer scharf. Lediglich bei extremen Entfernungsunterschieden ist eine leichte Unschärfe möglich, also bei Nahaufnahmen.

Bild: M.Großmann / pixelio.de An sich ein schönes Tierfoto, doch leider säuft der Hund in dem Stroh ziemlich ab. Zur Veranschaulichung haben wir dem Hintergrund rechts mal einen "gesunden" Blauton verpasst und die Helligkeit nach unten geschraubt.

Beim Smartphone muss sich der Fotograf also anderer Mittel bedienen, um das Motiv vom Hintergrund freizustellen. Das geht zum Beispiel über die Farbgestaltung – ein bunter Gegenstand sticht vor einer Kulisse mit gedeckten Farben hervor. Ein unruhiger, knallbunter Hintergrund dagegen verschluckt schnell den Gegenstand des Bilds.

Auch über die richtige Beleuchtung kann man ein Motiv vom Hintergrund freiztellen. Eine Person, die in der Sonne vor einer im Schatten liegenden Hauswand steht, sticht klar hervor.

Es kommt immer auf den Standpunkt des Beobachters an: Ein Motiv wirkt komplett unterschiedlich, wenn der Fotograf es einmal von unten und einmal von oben ablichtet. Von unten geknipste Objekte sind auf dem Bild größer als der Betrachter und wirken dadurch eindrucksvoller, mächtiger und manchmal sogar bedrohlich. Von oben fotografiert dagegen sehen so ziemlich alle Hunde niedlich aus – wenn man sie nicht gerade am Bein hängen hat.

Bild: links: Riko / pixelio.de; rechts: berwis / pixelio.de Es macht einen großen Unterschied, ob man von oben oder von unten fotografiert. Wer möglichst neutral abbilden möchte, begibt sich am besten auf Augenhöhe mit dem Motiv.

Wer Tiere oder Personen – insbesondere Kinder – dagegen möglichst natürlich ablichten möchte, sollte ihnen fotografisch auf Augenhöhe begegnen.

Das Schönste an all diesen Regeln ist: Ihr dürft – und müsst – sie brechen. Hätte man sich da nicht die Lektüre dieses Beitrags nicht können? Nein, denn all diese Regeln spiegeln Aspekte wieder, über die man sich beim Fotografieren Gedanken machen sollte. Und das Regelhafte an ihnen ist eine Empfehlung, wie es funktionieren kann – aber mit Sicherheit nicht immer tut.

Unterm Strich hilft nur: Üben, üben, üben und viel ausprobieren. Meisterliche Fotos kann man jedenfalls auch mit einem Smartphone schießen. Ein mit dem iPhone geknipstes Bild hat es jüngst sogar auf die Titelseite des Time Magazine geschafft.

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