TechStage
Suche

Ein Angebot von

Drohnen & Copter: Von Spielzeug bis zum FPV-Racer

2
von  //  Twitter Google+

„Drohnen“ sind in. Und alle Piloten der ferngesteuerten Luftracer bekommen bei diesem Satz feuchte Augen und geballte Fäuste. Denn: Das Wort „Drohne“ ist eigentlich falsch. Wer einen Copter-Piloten auf der Wiese antrifft, wird Sprüche hören wie „Drohnen sind männliche Bienen“ oder „Drohnen sind unbemannte Militärflugkörper, die Menschen töten“.Vor allem letzteres ist der Grund, warum sich Hobby-Piloten gerne vom Begriff der Drohne distanzieren.

Stattdessen sprechen sie von Quadro- oder Quad-Coptern bei Modellen mit vier Antriebsmotoren. Für erhöhte Ausfallsicherheit etwa beim Transport von teurem Kamera-Equipment gibt es Copter mit sechs oder acht Motoren, man spricht dann vom Hexa- oder Octo-Copter. Oder ganz allgemein vom Multicopter.

In diesem Artikel soll es ausschließlich um Hobby-Flugmodelle gehen. Die einfachsten Flieger sind gerade einmal so groß wie eine Hand und kosten ab 20 Euro inklusive Fernsteuerung. Sie eignen sich für erste Flugübungen und die Indoor-Fliegerei. Die besonders kleinen und leichten Copter fühlen sich im Freien nicht so wohl: Wind trägt sie schnell davon. In Kombination mit einem ungeübten Piloten endet das gerne in einem Totalverlust des Modells. Es gibt aber auch Spielzeuge, die sich ganz gut im Freien fliegen lassen.

Bild: Cheerson Nano-Copter: Der Cheerson CX10 fühlt sich drinnen am wohlsten. Kostenpunkt: Gut 20 Euro.

Preislich oberhalb der Spielzeugklasse siedeln sich die Selbstbau-Copter an. Hier hat alles angefangen, und hier ist auch die Innovation am Größten. Aktueller Trend sind FPV-Racer – kleine Quadrocopter mit Kamera, die ein Live-Bild quasi verzögerungsfrei an die Video-Brille des Piloten senden. Er steuert den Copter durch Hinderniss-Parcours, unter Toren und an Masten oder zwischen Bäumen vorbei, entweder auf Zeit oder gleichzeitig im Rennen gegen andere Piloten. Das ist der Motorsport der Zukunft, eine spannende Kombination aus Sport, Wettkampf und PlayStation. Nur mit einem Unterschied: Einen Reset-Knopf gibt es nicht. Ist der Copter gecrasht, muss man ihn finden, den Schaden begutachten und gegebenenfalls reparieren. Solche Race-Modelle lassen sich ab etwa 200 Euro selbst bauen, dazu kommt dann noch das Video-Equipment.

Zwar lassen sich Eigenbau-Copter in größeren Formaten, mit mehr Power und Ausstattung auch problemlos in den vierstelligen Kostenbereich treiben – doch dort tummeln sich üblicherweise die kommerziellen Flugmodelle wie Parrots Bebop oder DJIs Phantom. Einfach zu fliegen, mit Live-Bild und HD-Videoaufnahme sind sie ideal für jeden, der eher den Nutzen sieht als den Spaß am Fliegen (und gegebenenfalls am Basteln). Und auch das Anfertigen von Luftaufnahmen kann ja ein spannendes Hobby sein.

Bevor man viel Geld in ein teures Modell investiert, lohnt sich ein Blick auf ein günstiges Komplettpaket, mit dem man erste Flugerfahrungen machen kann. Auch mit den kleinen Fliegern kann man viel Spaß haben – häufig gibt es beispielsweise eingebaute Kunstflugprogramme. Loopings und Überschläge führen diese Modelle dann auf Knopfdruck aus. Diese Nano- oder Mini-Quadrocopter wie den CX10 gibt es ab gut 20 Euro.

Bild: Syma Gut 50 Euro kostet der indoor- und outdoortaugliche Syma X5c mit integrierter Kamera. Er ist besonders einfach zu fliegen.

Ab etwa 50 Euro gibt es auch schon Copter mit Akku und Fernsteuerung, die über eine eingebaute Kamera verfügen – etwa den Syma X5c. Er ist einfach zu fliegen und ziemlich leicht – mit einem Kampfgewicht von gut 90 Gramm inklusive Akku kann er auch nicht viel kaputt machen, sollte er einmal außer Kontrolle geraten. Ebenfalls in dieser Preisklasse, aber zunächst noch ohne Kamera unterwegs ist der Hubsan X4, ein schon ernstzunehmender kleiner Begleiter mit hervorragenden Flugeigenschaften. Er ist allerdings nicht so leicht zu fliegen wie der X5c.

Für 120 Euro aufwärts gibt es in dieser Klasse auch schon kleine Copter mit Kamera und Live-Bildübertragung zur Fernsteuerung – ein erster Schritt in Richtung FPV (Flight Per View oder First Person View).

Wer sich nicht scheut, einen Lötkolben in die Hand zu nehmen, fährt mit einem Eigenbau-Copter gut. Angepasst an die persönlichen Bedürfnisse, lässt sich so vom Lastenträger für eine fette DSLR bis zum flotten Kurvenracer alles realisieren – auch verrückt-geniale Kombinationen aus ferngesteuertem Auto und Multicopter.

Spätestens nach dem ersten größeren Crash muss man auch bei vermeindlichen Fertigcoptern zum Werkzeugkoffer greifen. Wer gleich selbst baut, kennt sich wenigstens mit der Technik aus.

Eigentlich müssen wir zu dieser Klasse nicht viel sagen. Die folgenden Videos zeigen, was mit einem Race-Copter möglich ist. Mir hat der erste Clip gereicht, um mich kräftig anfixen zu lassen. Zum Einsatz kommen hier Eigenbauten der 250er-Klasse – 250 Millimeter in der Diagonalen von Motor bis Motor. So ein Modell ist oben im Aufmacherbild zu sehen.

Die teuren Komplettmodelle inklusive Fernsteuerung sind eigentlich schon fliegende Kameras. Die Steuerung ist fast schon erschreckend einfach: DJI Phantom 3 & Co. fliegen sich wie ferngesteuerte Autos mit drei Achsen und bleiben auch bei starken Windböen wie angenagelt in der Luft stehen. GPS, Glonass und viele weitere Sensoren, die Abstände, Lage und Luftdruck messen, tragen dazu bei.

Bild: DJI Klassiker: Der Phantom von DJI, hier in der dritten Version mit 4K-Kamera am Gimbal und HD-Livebildübertragung. Fliegt keine Loopings und nicht durch Rennparcours, macht aber tolle Aufnahmen.

Dazu gibt es meist ein Livebild aufs Tablet oder Smartphone und Videoaufnahmen in Full-HD oder 4K. Klar, dass die Kameras an einem Gimbal hängen, das Bewegungen des Copters ausgleicht.

So faszinierend diese Technik auch ist: Für hartgesottene Piloten sind solche Modelle fast zu langweilig. Für Fotografen und Filmer hingegen ist die simple Steuerung genau das Richtige. Und für sie eröffnet sich damit eine komplett neue Dimension.

Coptern gehört die Zukunft – egal ob als Spielzeug, für Hobby-Piloten oder für Foto- und Videobegeisterte. In den kommenden Wochen werden wir uns näher mit dem Thema befassen und einige Modelle ausführlich unter die Lupe nehmen. Zusammenfassend sei gesagt: Mit einem 20-Euro-Spielzeug kann man nicht viel falsch machen. Und wer sich gleich für ein kräftigeres Modell entscheidet, muss sich vor dem Start mit dem geltenden Recht vertraut machen. Wo man fliegen darf und wo nicht und dass eine Versicherung obligatorisch ist, hat mein Kollege Nicolas Maekeler kürzlich für heise Foto zusammengefasst: Multicopter und Recht (Teil 1).

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige