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Wo ist die Freundin? Handy-Überwachung für Jedermann

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Dass unsere Position dank des permanent eingeschalteten Smartphones in der Hosentasche für Geheimdienste und sonstige Behörden ungefähr so schwer herauszufinden ist wie das Verfallsdatum eines Joghurts (mit entsprechendem Aufdruck auf dem Deckel), ist für uns spätestens seit Snowden keine Überraschung mehr. Doch dass jeder, der ein ausreichend gefülltes Konto hat, die Position eines jeden Handys nur anhand der Nummer herausfinden kann – das hat für mich bislang ins Reich der Jamba-Lügen und Märchen gehört.

Scheint aber wirklich so zu sein. Das berichten jedenfalls unsere Kollegen von heise online unter Berufung auf Informationen der Washington Post. Jedenfalls bietet das US-Unternehmen Verint ein Überwachungstool namens Skylock an – das wiederum nur durch die Eingabe einer Handynummer den aktuellen Standort jedes Mobiltelefons auf der ganzen Welt ermittelt. In Großstädten mit engmaschiger Versorgung ist die Angabe auf wenige Wohnblocks genau, am Land auf ein wenige Kilometer großes Gebiet beschränkt.

Technisch scheint das keine große Sache zu sein. Die verantwortliche Schwachstelle ist das in den 70er Jahren eingeführte Signalling System #7 (kurz: SS7), über das Telefonnetzbetreiber und deren Vermittlungsstellen miteinander kommunizieren und Statusinformationen austauschen – etwa, welche Rufnummer gewählt wurde oder dass diese besetzt ist und der Anrufer das entsprechende Signal hören soll. Über SS7 lässt sich der Standort jedes Handys abfragen – und genau das machen sich die Überwachungsfirmen zugute. Zugriff auf SS7 hat jeder Carrier – und theoretisch könnte auch jeder Carrier Dritten Zugriff auf diese Daten gewähren.

Eigentlich sollte ich jetzt beunruhigt sein. Aber irgendwie wundert's mich schon gar nicht mehr. Wer nicht auf sein Handy verzichten möchte, scheint wie ein offenes Buch zu sein.

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