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Warum der Touch-ID-Sensor im iPhone 5S alles verändern kann

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Apple hat in sein heute vorgestellten iPhone 5S eine neue Art von Zugangsberechtigung eingebaut, die den PIN-Code ersetzen soll: Mit einem Fingerabdrucksensor – oder auf Neudeutsch Touch-ID-Sensor – soll die Entsperrung des Telefons zukünftig ganz einfach funktionieren.

Der Apple-Marketing-Chef Phil Schiller sagte während seiner Präsentation zum iPhone 5S, sein Unternehmen und er wollten vor allem alldiejenigen ohne PIN-Code schützen. Laut Schillers Angaben seien das mehr als die Hälfte aller iPhone-Nutzer. Allein schon deshalb hat also Apple eine neue Technologie entwickelt, die ein sicheres Entsperren des Telefons via Fingerabdruck möglich machen soll.

Die Begründung, warum der Konzern so viel Aufwand und Technik in den Touch-ID-Sensor steckt, gibt es etwas später von Design-Guru Jony Ive: Am besten sei es, wenn man Technik erst gar nicht wahrnehme, sondern diese einfach so funktioniere. Und Phil Schiller ist sich sicher, dass der Fingerabdrucksensor verlässlich funktionieren werde.

Kann es wirklich sein, dass Apple eine so teure Entwicklung wirklich nur für unseren Komfort integriert hat? Für eine Technologie, die wir vorher nicht so sehr vermisst haben und die auch immer nur dann relevant ist, wenn wir unser Telefon entsperren wollen? Nein, so viel Aufwand und Kosten haben die Kalifornier sicherlich nicht für einfacheres Entsperren betrieben. Die Antwort dürfte Phil Schiller etwas später in seiner Präsentation gebracht haben: "Touch-ID ist sehr tief in iOS 7 integriert. Und Sie können zukünftig sogar darüber im iTunes-Store einkaufen."

Als Apple seinen App Store im Jahre 2008 einführte, konnten sich nur wenige die damit einhergehenden Veränderungen vorstellen. Software für Telefone konnte man bis dato nur über die Provider oder recht fragwürdige Unternehmen à la Jamba beziehen. Gerade letztes Unternehmen machte immer wieder mit dubiosen Abomodellen von sich reden.

Jamba gibt es noch heute. Der einstige Glanz des kommerziellen Erfolgs ist aber verblasst. Es gibt einfach kaum mehr einen Grund, Smartphone-Content außerhalb der App Stores zu kaufen.

Apple hat mit Veränderungen von Wertschöpfungsketten durchaus einiges an Erfahrung. Als der iPod 2001 auf den Markt kam, konnte man Musik ausschließlich in Läden auf CDs kaufen. Im Jahre 2003 kam dann iTunes, und Apple begann mit dem Online-Verkauf von Musik. Heute kaufen Kunden online deutlich mehr Musik als auf Tonträgern.

Der Touch-ID-Sensor hat nun wieder einmal die Kraft, bestehende Wertschöpfungen gänzlich durcheinander zu wirbeln. Ganz beiläufig erwähnte Phil Schiller die Tatsache, der Sensor könne auch als Passwort für den iTunes-Store dienen.

Wird Apple also bald sein eigenes Zahlungs- und Zugangssystem präsentieren? Wahrscheinlich nicht. Noch nicht. Es wäre zu früh – es fehlen die Erfahrungen, welche Schwierigkeiten mit einem solchen Sensor auftreten können. Schließlich dürften sich nicht wenige Tüftler daran machen, das System zu überlisten und zu knacken. Wäre ich Apple, würde ich diese Angriffe erstmal abwarten, um das System bombenfest zu machen.

Dann aber, wenn Apple die Tücken und Lücken des Systems im Griff hat, dürften wir die Einführung einer Schnittstelle (API) für andere App-Entwickler erleben. Damit könnten dann die vielen Millionen registrierten iTunes-Kunden auch bei anderen Anbietern online zahlen können. Schließlich hat Apple die Zahlungsdaten fast aller Kunden bereits online gespeichert, und es wäre ein Leichtes, die Abwicklung darüber vorzunehmen.

Apple hat die Chance, mit einem solchen System die Zahlungsbereitschaft im Netz zu revolutionieren. Würde der Touch-ID-Sensor eine weite Verbreitung finden, könnten die Jungs aus Cupertino eine Art "1-Click-Shopping" à la Amazon einführen – nur, dass dieses System dann nicht nur auf eine Webseite beschränkt wäre. Es winkten Gewinne in Millionenhöhe: Immerhin hat PayPal mittlerweile einen maßgeblichen Anteil an den eBay-Profiten.

Google müht sich selbst seit vielen Monaten, ein eigenes Zahlungssystem auf die Beine zu stellen. Bisher hat die "Google Wallet" aber nur einen überschaubaren Erfolg.

Ein Markteintritt von Apple ist freilich bislang nur reine Spekulation. Es passt aber nur zu gut in die bisherige Apple-Strategie, Kunden fest an sich zu binden. Denkbar wäre es auch, dass wir in der Zukunft einen eigenen Touch-ID-Sensor sehen, der nicht zwingend in ein Apple-Smartphone eingebaut ist, sondern ein ganz eigenes Device darstellt.

Apple hat auf seiner letzten Pressekonferenz den ganz großen Knall verpasst. Gut möglich aber, dass viele Analysten, Journalisten und Kunden nur noch nicht das ganz große Bild sehen können. Und selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, dass ich mich mit diesen Spekualtionen hier täusche.

Wahrscheinlicher ist es aber, dass Tim Cook und seine Mannschaft einen handfesten Plan haben.

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