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Test: Yuneec Typhoon H – Drohne mit 360-Grad-Kamera

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Die auf der CES 2016 in Las Vegas, Nevada angekündigte Drohne Typhoon H ist seit kurzem auf den Markt. Der Hexacopter ist mit einer hochauflösenden Bild- und Videokamera ausgerüstet und fliegt in einigen Fällen teil- und hochautomatisiert in der Luft. Wir testen ihn jetzt seit einigen Wochen. Wie unsere Erfahrungen ausschauen, lest und seht Ihr in diesem Test.

Die Typhoon H ist anders als die Typhoon Q500 4K, die wir in den vergangenen Tagen getestet haben. Das „H“ am Ende soll sagen, dass dieses Flugsystem mit sechs, statt vier Rotoren fliegt. Das ist eines der Unterschiede zu dem Quadrocopter aus der gleichen Baureihe. Der Vorteil: Es gibt eine Fallback-Lösung. Sollte eines der sechs Motoren ausfallen, kann die Typhoon H dennoch sicher und stabil auf dem Boden laden.

Im Vergleich zur Tornado-Reihe wird bei den Typhoon-Produkten eine Sache großgeschrieben: Einfachheit. Sie müssen simpel sein, auch wenn die Technik dahinter hochkomplex ist. Auspacken und losfliegen – mehr steht nicht an, die obligatorische Haftpflichtversicherung und einen sicheren Startplatz in ruhiger Umgebung abseits vom gesperrten Luftraum vorausgesetzt. Während des Transports sind die sechs Arme aus Kohlenfaser eingeklappt und müssen vor dem Flug ausgeklappt werden. Die Propeller verfügen über ein neues Montagesystem und können einfach aufgesetzt und eingerastet werden. In den Generationen zurvor hat der Aufbau lange gedauert; jetzt ist es zeitsparender.

Im Lieferumfang gibt es zehn Propeller mit einer Länge von jeweils 22 Zentimeter. Fünf davon sind weiß gekennzeichnet und fünf schwarz. Die eine Hälfte ist zum Drehen im Uhrzeigersinn geeignet, die andere gegen. Von Yuneec ist man in der Regel einen umfassenden Lieferumfang gewohnt, aber bei dieser Typhoon H ist nicht viel dabei: ein Akku, Aufladegerät für die Steckdose sowie ein Bordspannungskabel, microSDXC-Speicherkarte mit 16 GByte und SD-Kartenadapter sowie die Fernsteuerung ST16+. Dazu ein Trageriemen und microUSB-Kabel zum Aufladen.

Betrieben wird die Typhoon H von einem großen Akku. Er verfügt über eine Nennladung von 5400 Milliamperestunden und wird auf der Rückseite eingeführt. Je nach Flugmodi und der Benutzung der Kamera ist eine Flugzeit zwischen 18 bis 22 Minunten möglich. Das Aufladen dauerte zwei Stunden und 24 Minuten.

Von der Typhoon H gibt es drei unterschiedliche Ausführungen. Sie unterschieden sich durch den Lieferumfang und der Hardware. Unser gekauftes Modell nennt sich Typhoon H Advanced und kostet 1284 Euro. Die Pro-Ausführung bringt einen weiteren Akku, eine zweite und komfortable GPS-Fernsteuerung namens Typhoon Wizard sowie einen Rucksack mit und kostet 1699 Euro. Das größte Paket ist die Pro-Variante mit Intel RealSense. Zusätzlich zur Kolisionsvermeidung über Ultraschall, die bereits eingebaut ist, werden Gegenstände auch optisch erkannt und intelligent umflogen. Der Preis: 2099 Euro.

Für die Typhoon H gibt es eine ganze Menge Zubehör. Die schwarze kleine Fernsteuerung sieht harmlos aus, ist aber vollwertig zum Fliegen gedacht und mit einem GPS ausgestattet. So etwas ist für Folgefunktionen ideal, wenn die Drohne jemanden automatisch hinterher fliegen soll. Die große ST16+ muss kann dann zur Seite gelegt werden. Yuneec hat seit kurzem auch eine eigene FPV-Brille, die SkyView. Sie kostet etwas um die 270 Euro, hat einen fünf Zoll großen Bildschirm und wird mit der Fernsteuerung über HDMI verbunden. Die Auflösung und der Blickwinkel sind mit 720p und 75 Grad Immersion nicht gerade High-End, zum Fliegen reicht es aber vollkommen aus. Ihr müsst wissen: Eine FPV-Brille ist in Deutschland für den alleinigen Gebrauch nicht gestattet; während des Fluges muss eine zweite Person, ein so genannter Spotter, Sichtkontakt zum Flugkörper haben und den Piloten auf Gefahren und ähnliches aufmerksam machen.

TechStage-Mitarbeiter Sameer Goswami mit der FPV-Brille YUNEEC SkyView.
YUNEEC ST16+

Die Typhoon H wird mit der bereits uns bekannten CG03-Kamera ausgeliefert. Der Bildsensor hat eine Größe von 1/2,3 Zoll und macht JPEGs und RAWs in einer Auflösung von 12 Megapixel. Videos werden im Format 4K, Ultra-High-Definition, 1080p und 720p mit 30, 25 und 24 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet – Full-HD geht sogar mit 120 fps. Die Kamera ist an einem Drei-Achsen-Gimbal montiert. Er gleicht Bewegungen in der Quer-, Horizontal- und Vertikalachse aus und sorgt so für ein ruhiges Bild während. Auf der Anzeige in der Fernsteuerung wird das Livebild der Kamera in 720p-Auflösung gestreamt. Hierüber können auch die Bildeinstellungen vorgenommen werden. Zur Auswahl stehen ein Automatikprogramm und der manuelle Modus mit ISO, Weißabgleich, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur. Ferner gibt es fertige Kino-Looks von Yuneec, die das Bild mit einem Effekt überziehen. Uns gefällt die Qualität der Kamera, wie kennen sie bereits von anderen Produkten. Egal ob Fotos oder Videos, die Ergebnisse sind überzeugend. Nachbesserung gibt es bei der Schärfung: Gerade bei feinen Elementen wie beispielsweise Gras oder Tannenbäumen entsteht ein unerwünschter Moiré-Effekt.

Die Kamera hat eine feste Blende von f/2,8. Bei hellen Tagen ist eine manuelle Belichtung ohne einen ND-Filter nicht möglich. Der passende ND-Filter muss separat gekauft werden – bis kurzem gab's im Lieferumfang einen dazu. Eine Besonderheit gibt es bei der Typhoon H dann doch: Während des Fluges lässt sich das Landegestell seitlich einfahren. So steht der Kamera nichts mehr im Wege und sie kann sich um ihre eigene Achse drehen.

Das Sichtfeld der Optik beträgt 98 Grad; eine ganz leichte Bildverkrümmung ist vorhanden, aber nicht sichtbar. Bei hohen Geschwindigkeiten und der maximalen Neigung kann es passieren, dass die Propeller sichtbar sind.

Yuneec ist für seine guten Fernsteuerungen bekannt. Die Besonderheit ist ein eingebauter Touchscreen. Anders sieht es bei der Konkurrenz aus: Da muss in der Regel das eigene Smartphone oder Tablet als Screen-Ersatz herhalten. In der ST16+ für die Typhoon H hat der Hersteller einen sieben Zoll großen Bildschirm integriert. Im Grunde ist es ein Tablet mit Googles Betriebssystem Android. Hierüber sieht der Kopterpilot das Livebild, die Telemetrie-Informationen wie Höhe sowie Entfernung und kann etwaige Flugfunktionen in Gang bringen.

Eines der sechs Typhoon-H-Motoren im Leerlauf.

Die Punkte Agilität und Stabilität der Yuneec Typhoon H sind besonders hervorzuheben. Selbst bei starkem Wind hält die Drohne ihre Position und schwebt vor sich her. Ist die Geschwindigkeit einmal auf maximal eingestellt, kann der Hexacopter auch sportlicher unterwegs sein. Das Fliegen bereitet enorm viel Spaß. Ab Werk erreicht das Flugsystem eine Höhe von 122 Meter über den Grund. Über die GUI-Software lässt sich der Wert verändern. Bei optimalen Bedingungen senden die Antennen bis zu 1000 Meter, zertifiziert und garantiert bis 600. Trotzdem ist es empfehlenswert und auch gesetzlich vorgeschrieben, nicht die 100-Meter-Marke zu überschreiten. Diese Vorgabe kann in einigen Bundesländern anders sein. Wie dem auch sei, die horizontale Fluggeschwindigkeit beträgt 70 Kilometer pro Stunde. Das Auf- und Absteigen kann sie mit fünf respektive drei Metern pro Sekunde.

Bei der Typhoon H haben uns die teil- und hochautomatisierten Flugfunktionen beeindruckt. Erst diese Features machen sie zu einer Drohne. Neben einer Folge-mir- und Beobachte-mich-Funktion kann die Typhoon H auch einen bestimmten Punkt oder den Piloten mit der Fernsteuerung in der Hand um 360 Grad umkreisen. Flughöhe, Geschwindigkeit und Kamerawinkel müssen vorher eingestellt werden. Dafür sollte auch der benötigte Freiraum beachtet werden; wäre blöd, wenn da ein Baum steht.

Es gibt einen Selfie-Modus namens Journey: Dabei fliegt der Hexacopter nach hinten und zieht automatisch hoch. Die Aufnahmen sehen dabei aus, wie aus einem Hollywood-Film. Eine coole Sache: Curve Cable Cam. Der Benutzer fliegt eine Route und speichert die einzelnen Positionen ab, die später selbstständig abgeflogen werden. Das Programmieren ist kinderleicht und instruiert. Auf Wunsch können die Wegpunkte auch in einer Liste im System hinterlegt und bei Bedarf abgerufen werden.

Der Hexakopter Typhonn H ist ein professionelles Tool, weniger ein Spielzeug. Die 1,9 Kilogramm schwere Drohne verfügt über eine erstklassige Kamera, die sich um 360 Grad drehen lässt. Mit ihr können flüssige Videos und stabile Fotos erstellt werden. Das Flugverhalten hat uns im Test sehr gefallen: ruhig und bei Bedarf schnell.

Wer abenteuerlich unterwegs ist und sich gerne aus der Luft filmen lassen möchte, für den ist der Kopter eine interessante Sache mit großartigen Perspektiven – vor allem in Kombination mit dem Yuneec Wizard. Darüber hinaus fanden wir die automatischen Flugfähigkeiten nützlich und können uns vorstellen, diese in vielen Situationen einzusetzen. Wer das Geld und den Bedarf hat, dem empfehlen wir die Typhoon H ohne Weiteres weiter.

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