TechStage
Suche

Ein Angebot von

Kommentar zu Windows RT: Eine Totgeburt wird beerdigt

9
von  //  Twitter Google+

Das war's mit Windows RT. Microsoft stellt die Produktion des Lumia-2520-Tablets ein, eine Woche nach der Einstellung des Surface 2 mit Windows RT. Eine gute und richtige Entscheidung, denn das Windows für ARM-Prozessoren war von Anfang an eine Sackgasse – und eine verdammt kurze noch dazu.

Windows RT wurde aus der Not geboren. Das iPad hat den Tabletmarkt aufgemischt. Oder eigentlich erst begründet. Android stand in den Startlöchern – und Microsoft konnte damals nicht wirklich dagegen anstinken. Windows war und ist für x86-Prozessoren konzipiert und nicht für die im Mobilmarkt führende ARM-Architektur, Intel-Prozessoren haben für den Tablet-Einsatz vor ein paar Jahren schlicht noch zu viel Energie verbraucht. Das Ergebnis waren Windows-Tablets mit Lüfter, mieser Akkulaufzeit und umständlicher Bedienung, weil Windows eben für die Steuerung mit Tastatur und Maus gedacht war.

Um flott agieren zu können und um den Markt nicht komplett der Konkurrenz zu überlassen, musste Microsoft reagieren – und brauchte ein Windows für die bewährte ARM-Plattform. Die Idee zu Windows RT war geboren. Allerdings: Aufgrund der anderen Computer-Architektur war nicht nur ein neues Windows vonnöten. Auch alle Programme müssen überarbeitet werden, um auf ARM-Prozessoren zu laufen. Und eigentlich hätten Betriebssystem und das komplette „App-Angebot“ auch neu gestaltet werden müssen, um sich auf die ausschließliche Steuerung per Fingertipp einzustellen.

Aber welche Software-Schmiede fasst ihre eigenen Programme an, um sie für ein Betriebssystem mit homöopatischer Verbreitung anzupassen? Keine. Microsoft ist mit Windows RT in die gleiche Ökosystem-Falle gestolpert wie Samsung mit Bada (und vermutlich jetzt mit Tizen auf dem Smartphone) oder Palm mit Web OS. It's all about the apps – und ein Tablet oder ein Betriebssystem, für das es keine Anwendungen gibt, hat keine Zielgruppe.

Bei Windows RT kommen im Gegensatz zu den anderen genannten Beispielen aber noch verschärfende Faktoren hinzu. Die Erfolglosigkeit war vorauszusehen, noch bevor die ersten Produkte auf den Markt kamen – und genau deswegen kamen auch kaum Produkte auf den Markt. Sämtliche anderen Hersteller haben sich vornehm zurückgezogen. Das führte zur weiteren Beschleunigung des Untergangs: geringe Verbreitung, noch weniger Apps. Und gleichzeitig war absehbar, dass Intel-Prozessoren in naher Zukunft ähnlich ressourcenschonend mit dem Akku umgehen können werden wie ihre ARM-Konkurrenten.

Jetzt ist das so. Intel-Chips gibt es in Tablets und in Smartphones, mit Windows (ohne RT und ohne Phone) und Android. Man braucht kein ARM-Windows mehr. In die Röhre gucken jetzt halt die, die sich auf das Experiment eingelassen haben – und ein entsprechendes Tablet ihr eigen nennen. Mehr Apps wird es kaum geben, neue Windows-Versionen sowieso nicht. Perfide ist nur, dass das ganze wie eine Wiederholung von Windows Phone 7 wirkt. Auch das war damals fast ein Schnellschuss, weil Microsoft wegen dem iPhone und Android unter Druck stand – und wurde nach kurzer Zeit ersatzlos eingestampft.

Unterm Strich ist die Einstellung von Windows RT ganz klar die richtige Entscheidung. Und ich freue mich darauf, Windows 10 auf einem Tablet ausprobieren zu können. Ich hoffe nur, dass Microsoft seine Lehren gezogen hat – und das nächste Mal, wenn das Unternehmen unter Druck steht, lieber noch ein bisschen länger wartet und eine anständige, nachhaltige und updatefähige Lösung auf den Markt bringt statt einen Schnellschuss, der nach kurzer Zeit in der Versenkung verschwindet – und allen Käufern entsprechender Produkte einen Tritt ins Gesäß verpasst.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige