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HTC One: aktuelle Kamera-Tests sind nicht aussagekräftig

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Eines vorweg: Der Bug hat keinerlei Auswirkungen auf die Bildqualität und betrifft stattdessen praktisch nur Medien und Blogs, die systematische Kamera-Tests durchführen.

Ultra- statt Megapixel, riesige Lichtstärke dank gigantisch großen Bildpunkten, und so weiter und so fort: Die Kamera des HTC One weckt riesige Erwartungen. Denn der Hersteller geht hier einen sehr mutigen – und völlig richtigen – Schritt und reduziert die Sensorauflösung auf 4 Megapixel.

Der Sensor selbst ist zwar nicht größer als bei anderen Smartphones, doch durch die geringere Auflösung ist jeder einzelne Bildpunkt größer – und sammelt mehr Licht. Mehr Licht pro Pixel bedeutet eine bessere Bildqualität, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Auf gut Deutsch: Das HTC One ist die perfekte Kamera für schummrige Clubs und romantische Candle-Light-Dinner. Das sagt zumindest HTC. Jetzt machen die ersten Testberichte und Labormessungen die Runde im Internet. Und auch wir haben das One ins Messlabor gepackt.

Was ist dabei herausgekommen? Eher durchschnittliche Werte bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten, wobei niedrige ISO-Empfindlichkeiten für Tageslicht stehen. Interessanterweise verändern sich die Messergebnisse und damit die Bildqualität bei hohen ISO-Werten, die bei wenig Licht zum Einsatz kommen, nicht. Liefert die Ultrapixel-Kamera also Nachts genauso gute Fotos wie bei Sonnenschein? Das wäre ja traumhaft!

Leider nicht ganz. Stattdessen ist ein Bug in der Kamera für die Ergebnisse verantwortlich. Wer die ISO-Zahl hier händisch nach oben regelt, zwingt die Kamera-App nicht – wie es bei allen anderen Smartphones und Digicams wäre – dazu, eben genau diese Empfindlichkeit einzusetzen. Stattdessen stellt der Nutzer hier die maximal erlaubte ISO-Empfindlichkeit ein, die die Knipse verwenden darf. Wer hier mit ISO 800 knipst, erhält bei guten Lichtverhältnissen also trotzdem mit ISO 100 fotografierte Aufnahmen. Lustigerweise schreibt die Kamera-App in die EXIF-Daten der JPEG-Fotos jetzt nicht die tatsächlich verwendete Empfindlichkeit, sondern den maximal erlaubten ISO-Wert. Wer bei gleicher Helligkeit mit unterschiedlichen ISO-Einstellungen fotografiert, erkennt das leicht: Die Belichtungszeit ist immer gleich, egal wie die Empfindlichkeit eingestellt ist.

Der Anwender legt an dieser Stelle in der Kamera-App nur fest, welche ISO-Empfindlichkeit das HTC One maximal verwenden darf – nicht aber, welche tatsächlich zum Einsatz kommt.

Das ist bloß offensichtlich bisher niemandem aufgefallen. HTC zufolge sind wir zusammen mit den Kollegen von heise foto weltweit die einzigen, die diesen Fehler bemerkt haben. Und dieser Fehler sorgt leider dafür, dass alle bisherigen Labor-Messungen und systematischen Tests fehlerhaft sind, da nicht bekannt ist, mit welchen ISO-Empfindlichkeiten die One-Kamera wirklich fotografiert hat. Das aber wiederum ist für die Auswertung eben jener Tests essentiell.

Wie bereits gesagt: Wir haben das One auch durchs Labor gejagt, und die Ergebnisse – zumindest bei ISO 100, mehr ging ja nicht – hauen uns nicht vom Hocker. Aber das müssen sie auch gar nicht. Denn das übernimmt HTC Zoe – und die genialen Videos, die das Feature liefert. Nachfolgend seht Ihr ein paar Beispielclips, die das Smartphone aus einem Wochenende in New York selbsttätig zusammengeschustert hat.

Mit dem HTC One in New York!

Wieso kann HTC das – und der Rest der Hersteller nicht? Ganz einfach: HTC packt nicht sinnlos viele Megapixel in das One, sondern nur 4. Und mehr braucht man auch nicht. Vier Millionen Bildpunkte sind immer noch doppelt so viele, wie Full-HD zu bieten hat. Vier Millionen Bildpunkte reichen für Facebook, Twitter & Co. völlig aus – und auch locker für Abzüge im Postkarten-Format. Und vier Millionen Bildpunkte sind vor allem viel weniger Daten als 8, 13 oder 41 Megapixel. Und damit kann das HTC One gleichzeitig ein viersekündiges Full-HD-Video und 20 Fotos aufzunehmen, mit nur einem Druck auf den Auslöser.

Was dabei herauskommt, habt Ihr oben gesehen: Die Highlight-Videos von HTC Zoe. Und ja, auch für diese stimmungsvollen Clips reicht die Bildqualität massig aus. Es werden ja ohnehin zig Filter über die Aufnahmen gelegt – von Falschfarben über Vignettierung bis hin zu virtuellen Kratzern auf digitalem Film.

Ein paar Worte noch zur Bildqualität: Bei wenig Licht knipst das HTC One hellere Fotos als die meisten anderen Konkurrenten. Es spielt bei schlechten Lichtverhältnissen grob in einer Liga mit dem Nokia Lumia 920, einem guten Kamera-Smartphone. In manchen Low-Light-Situationen gefallen uns die One-Bilder besser, manchmal liegt das Lumia 920 vorne.

Wir werden zeitnah einen ausführlichen Kamera-Test zum HTC One veröffentlichen. Laut HTC soll der ISO-Bug bei der Kamera bereits mit dem nächsten Firmware-Update behoben werden. Und dann werden wir das Smartphone erneut ins Labor bemühen und auf Herz und Nieren testen. Wir sind auf jeden Fall schwer gespannt.

Ganz zum Schluss noch eine Fußnote, weil wir im Artikel auf hohe Megapixel-Zahlen geschimpft haben. Diese ergeben durchaus Sinn – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, wie sie etwa das Nokia PureView 808 erfüllt. Wieso das so ist, erfahrt Ihr in unserer Story Smartphone-Kameras: Warum 4,3 und 41 Megapixel besser sind als 13. Außerdem haben wir bereits an anderer Stelle einen ausführlichen Vorab-Test inklusive Video zum HTC One veröffentlicht.

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