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Bericht: Kinderarbeit bei Cobalt in Smartphone-Akkus involviert

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Einem Bericht von Amnesty International und Afrewatch zufolge kaufen Sony, Samsung und Apple Akkus beziehungsweise Akku-Bestandteile aus Quellen, bei denen Kinderarbeit involviert ist. Betroffen sei hier insbesondere die Demokratische Republik Kongo.

Cobalt ist ein eher seltenes Element: Nur 0,004 Prozent der Erdkruste bestehen aus dem Übergangsmetall. In Lithium-basierten Akkus – und das ist der bei Smartphones gängigste Typ – spielt Cobalt jedoch in der Kathode eine entscheidende Rolle. Entsprechend hoch ist auch die weltweite Förderung mit inzwischen weit über 100.000 Tonnen jährlich.

Rund die Hälfte des gewonnen Cobalts stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. In dem von Kriegen und Unruhen erschütterten Land sind 79 Prozent der Bevölkerung unterernährt, haben 82 Prozent keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und können 76 Prozent ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Die Aussichten, dass die DRK in den nächsten Jahren vom vorletzten Platz auf dem Human Development Index der UN signifikant nach oben klettern wird? Extrem mau.

Nun ist auch das „Demokratisch“ in „Demokratische Republik Kongo“ eher ein schlechter Witz – und daher dürfte der Reichtum an Bodenschätzen nicht dem breiten Volk nutzen. Einem nun veröffentlichten Bericht von Amnesty International zufolge ist eine erste große Handelsstation die chinesische Firma Congo Dongfang Mining, die zum chinesischen Konzern Zhejiang Huayou Cobalt Ltd. gehört. Die Congo Dongfang Mining (CDM) kauft laut Amnesty International und Afrewatch Cobalt wiederum aus Gebieten, in denen Kinderarbeit weit verbreitet ist.

Diese Grafik von Amnesty International soll zeigen, welchen Weg das Cobalt geht, bis es in unseren Smartphones und anderen Geräten ankommt.

Die Menschenrechtsorganisation hat 16 multinationale Hersteller mit der Frage kontaktiert, ob diese zu den Kunden von CDM gehören. Eine Firma bejahte, vier weitere konnten zum Ursprung des verwendeten Cobalts keine Aussagen treffen. Sieben Konzerne dementierten den Kauf von Cobalt über CDM, wobei fünf davon in Unterlagen als Geschäftspartner auftauchen. Die übrigen sechs weiteren Konzerne versprachen immerhin, Nachforschungen anzustellen.

In dem Amnesty-International-Bericht wird beispielsweise der 14-jährige Paul zitiert. Der Waise arbeitet demnach seit zwei Jahren in einer Mine und schiebt hier teilweise 24-Stunden-Schichten unter der Erde. UNICEF schätzt, dass in der südlichen DRK 40.000 Kinder in der Ressourcenförderung arbeiten. Ein schwacher Trost: Die Aufgaben der meisten Kinder liegen nicht unter der Erde, sondern bestehen im Sortieren und Spülen der geförderten Erze.

Gegenüber der BBC hat Apple erklärt, dass man keine Kinderarbeit in seiner Zulieferkette dulde und stolz darauf sei, die Industrie bei der Einführung neuer Schutzmaßnahmen angeführt zu haben. Sollte ein Zulieferer dabei erwischt werden, Kinder zu beschäftigen, werde dieser gezwungen, dem jeweiligen Kind die Heimreise sowie dessen Ausbildung und weiterhin den bisherigen Lohn zu bezahlen – und ihr bezeihungsweise ihm einen Job zu versprechen, sobald das legale Arbeitsalter erreicht sei.

Auch Samsung sagte, man werde Verträge mit Zulieferern, die Kinder beschäftigen, sofort kündigen. Es gebe hier eine Null-Toleranz-Regel. Sony versprach, ebenfalls mit seinen Zulieferern an jeglichen Problemen bezüglich Menschenrechte und Arbeitsbedingungen zu arbeiten, sowohl was die Herstellung der Geräte als auch die Gewinnung der Ressourcen angeht.

Ein wenig besser sieht es übrigens immerhin beim Lithium aus, das bei Akkus ebenfalls eine zentrale Rolle spielt: Das Element ist mit einem Erdkrustenanteil von 0,006 Prozent zwar nicht viel häufiger als Cobalt, doch die Vorräte liegen in weniger konfliktgebeutelten Regionen. So befindet sich ein großer Teil des weltweiten Vorkommens in Chile und Bolivien, nämlich in der Atacama-Wüste und dem Salar de Uyuni.

Der Salar de Uyuni ist über 10.000 Quadratkilometer groß und beherbergt extrem viel Lithium.

Insbesondere beim Salar de Uyuni hoffe ich für Bolivien, dass man die Vorkommen so abbauen wird, dass einerseits die Bevölkerung des 122. ärmsten Landes der Welt profitieren wird, andererseits aber auch die phantastische Landschaft rund um den größten Salzsee der Erde möglichst wenig Schaden davonträgt. Auch wenn die bolivianische Regierung ihren Bürgern gerne auch mal in die Eier tritt, ist sie wohl immerhin noch erträglicher als das Regime in der DRK.

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